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The Roommate
The Roommate
© Sony Pictures

Kritik: The Roommate (2009)


Ein wenig paranoid zu sein kann manchmal nicht schaden. In den USA wird dieser Hang sogar regelrecht kultiviert. Dank den Medien wird die Angst vor dem Nächsten geflissentlich geschürt. In den amerikanischen Großstädten mag dieses Misstrauen sogar zuweilen begründet sein. Allzu leicht kann sich hinter einem harmlos wirkenden Gesellen ein durchgeknallter Irrer verbergen. Und genau an diesem Motiv arbeitet sich auch "The Roommate" ab.

Die junge Sara (Minka Kelly) ist gerade vom ländlich geprägten Iowa nach Los Angeles gezogen, um an der Universität Design zu studieren. Als sie im Studentenwohnheim ihr Zimmer beziehen will, dass sie sich für die nächste Zeit mit einer weiteren Studentin teilen wird, freundet sie sich gleich mit einer anderen jungen Dame an. Noch am selben Abend gehen beide auf eine Verbindungsparty. Und prompt lernt Sara den feschen Musiker Stephen (Cam Gigandet) kennen. Wenig später trifft Saras Zimmergenossin Rebecca (Leighton Meester) auf dem Campus ein und auch die scheint ein ausgesprochen netter Mensch zu sein. Sara freundet sich mit ihr an, doch mit der Zeit verändert sich die Persönlichkeit Rebeccas. Sie rückt Sara näher und näher und offenbart manch eine obsessive Veranlagung, bis hin zu psychotischem Verhalten.

"The Roommate" verliert zu Beginn tatsächlich wenig Zeit: Im Schnelldurchlauf wird eine der üblichen College-Geschichten mit leichten Coming-of-Age-Motiven etabliert. Kaum angekommen, besitzt die Protagonistin schon ein soziales Umfeld und einen Freund. Zwar ist die Romanze amerikanisch-typisch extrem prüde, zumindest aber klammert man nicht aus, dass Studenten um die 20 bereits Sex haben. Im Grunde bleibt es aber die alte Story vom Landei, dass in die Großstadt kommt: Zuerst zeigt sich alles wunderschön und berauschend, bis ausgerechnet die Zimmergenossin, die wie ein blondes Liebchen aussieht, in eine obsessive Irre mutiert, die von Sara nicht mehr lassen will und in ihrem Wahn sogar über Leichen geht.

Allerdings verschwendet der Film enorm viel Zeit, um die allmähliche Veränderung so akribisch wie möglich einzufangen; in der Absenz echter Nebenhandlungen wirkt dies aber übertrieben ausgedehnt und erzeugt reichlich unangenehme Längen. Dies sucht man zwar damit zu kompensieren, dass sich ungemein viel Mühe in der Art und Weise gegeben wurde, wie der Film visuell gestaltet ist. So gibt sich "The Roommate" rein handwerklich tatsächlich keine ernstlichen Blößen: Perspektiven, Kamerafahrten und der der stimmige Score wirken durchdacht und sollen dazu beitragen, dass Spannung sowie atmosphärischer Suspense entstehen.

Das mag wohl gemeint sein, wird aber schon damit größtenteils wieder zunichte gemacht, dass die Charaktere allesamt ungemein eindimensional und flach gehalten sind und geradewegs aus einem Hochglanz-Trendguide für junge Erwachsene entstiegen sein könnten. Im Kombination mit der sehr gemächlich fortschreitenden Story erweist sich das in puncto Dichte und Glaubwürdigkeit aber beinahe schon als fatal. Schlussendlich mag "The Roommate" im Finale noch mit einem furiosen Show Down aufwarten, es bleibt aber fraglich, ob das dann noch reicht, um das Gesamtbild gerade zu biegen.

Fazit: "The Roommate" versucht aus dem Alltag an einer Universität eine spannende und beklemmende Geschichte zu entwickeln. Leider wimmelt die Story vor Klischees und stereotypen Charakteren. Der Überraschungsgehalt ist überdies leidlich gering. Am besten eignet sich der Film vielleicht noch dazu, ängstlich-schüchterne Erstsemester davon abzuhalten, eine Bude im Studentenwohnheim zu beziehen.




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