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Kritik: American History X (1998)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Das beeindruckende Kinodebüt des gefeierten britischen Werbefilmers Tony Kaye hat einen Schönheitsfehler: Der Regisseur möchte sein Meisterwerk am liebsten in Säure auflösen und distanziert sich von seinem eigenen Film – was umso kurioser erscheint, als es sich bei "American History X" um ein packendes, kontroverses, vielschichtiges und vor allem bildgewaltiges Epos von solcher Intensität handelt, daß es die vollen zwei Stunden seiner Laufzeit an den Nerven des Betrachters zerrt: "American History X" ist die Erfüllung eines Cineasten-Traumes und ein Film, dessen Bilder einen so schnell nicht wieder verlassen.

Wie viele Kinoproduktionen haben sich schon mit amerikanischen Neo-Nazis, Jugend-Gangs und Rassenhaß beschäftigt, es dabei aber versäumt, ihre Protagonisten – meist perspektivlose Loser aus der Gosse – als Charaktere darzustellen, deren Schicksal das Publikum im Innersten berührt? Genau dies aber gelingt "American History X": Tony Kayes grandiose Bilder – der Regisseur zeichnet auch für die Kamerarbeit verantwortlich – verbinden Intellekt und Emotion und wirken trotz ihrer Größe stets subtil. Dabei betont die Hyperrealität der in Schwarzweiß stilisierten Rückblenden Edward Nortons unlängst für den Oscar nominierte Darstellung des sich vom Saulus zum Paulus wandelnden Nazis Derek, die mit zum Besten gehört, was das amerikanische Kino seit langem aufzubieten hatte.

Kritiker werfen dem bis in die Nebenrollen mit überzeugenden Darstellern besetzten Film mitunter vor, er greife zu viele Aspekte auf einmal auf. Angesichts der Tatsache aber, daß es sich das amerikanische Kino in der Regel viel zu leicht macht, sollte man einen Film, der mehr Fragen aufwirft als er beantworten kann, mit offenen Armen begrüßen. Natürlich ist "American History X" auch ein Lehrstück – aber eines ohne erhobenen Zeigefinger und einfache Patentlösungen: packender kann keine Geschichtsstunde sein.





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