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Kritik: Virus (1999)


Die Russen sind an allem schuld: Die Raumstation MIR funkt via Parabolantenne einen heimtückischen Alien-Organismus auf ein Forschungsschiff im Ozean, wo dieser die Besatzung tötet und als Ersatzteillager für unappetitliche Mensch-Maschine-Zwitter mißbraucht. Als die von Donald Sutherland angeführte Besatzung eines Schleppers den herrenlosen Forschungsdampfer schließlich bergen will, mutiert das tricktechnisch nur mittelmäßige Splatter-Spektakel des Effekt-Spezialisten John Bruno ("Abyss") immer mehr zur unfreiwilligen Lachnummer ohne Charme.

Da verstricken sich die massiv unterforderten Hauptdarsteller Jamie Lee Curtis und William Baldwin in dummdreiste Dialoge, und auch die ganze Action ist geklaut: Der formelhafte Möchtegernschocker plündert wahllos im schier unendlichen Fundus von Frankenstein bis Terminator, nimmt sich dabei aber leider viel zu ernst. Und: Die besten Schockeffekte wurden in der deutschen Fassung wegzensiert.

Rico

Es ist schon ein paar Jahre her, da galt Gale Anne Hurt in Hollywood als innovative und mutige Produzentin, die durchaus den Jungs der Branche mal gezeigt hat, wo’s langgeht. Einer davon war übrigens James Cameron. Als Duo waren die beiden, die auch privat liiert waren, verantwortlich für bahnbrechende Actionkracher wie "Terminator", "Aliens" oder "Abyss". Das ist alles eine Weile her, und während es mit Cameron karrieremäßig bekanntlich steil bergauf gegangen ist, tritt seine Ex-Frau ziemlich auf der Stelle. Und diese Formulierung ist durchaus wohlwollend, schaut man sich Hurt’s neuestes Produkt an. Bei sich selbst klauen ist ja nicht verboten, aber es sollte mit Stil und Augenzwinkern geschehen. "Virus" ist genau davon meilenweit entfernt. Ein bißchen von jedem der oben genannten Werke plus ein Schuß "Robocop" und fertig ist das ultimative Actionspektakel, so vermutlich die Rechnung der Macher von "Virus". Vergessen wurde leider, daß eine Story zumindest ansatzweise Sinn machen muß und daß die Charaktere zumindest schemenhaft Konturen haben müssen, um beim Publikum Interesse für sich (und somit den Film) zu wecken.

Auch wenn’s schwerfällt, hier ein paar Sätze zur Geschichte. Der mit einer wild zusammengewürfelten Besatzung bestückte Bergungsschlepper "Sea Star" hat sich im Südpazifik aus Seenot in das Innere eines Taifuns gerettet. Hier trifft das Schiff auf einen scheinbar herrenlosen russischen Forschungsdampfer. Die Besatzung der "Sea Star" kann das fremde Schiff identifizieren und beginnt es zu durchsuchen. Schließlich wird beschlossen, es zu übernehmen. Die Bergung des gewaltigen Stahlmonstrums gestaltet sich recht schwierig, zumal keinerlei Strom fließt. Als es schließlich gelingt, wieder für Elektrizitätszufuhr zu sorgen, geschehen merkwürdige Dinge. Tief im inneren des Schiffes rühren sich roboterähnliche Geräte und beginnen zu arbeiten. Schnell stellt sich heraus, daß hier unappetitliche Zwitterwesen - halb Mensch halb Maschine - am Werke sind und nichts Gutes vorhaben. Irgendwie hängt das alles mit einer Energiemasse zusammen, die aus dem All über das Weltraumlabor MIR auf das Schiff gekommen ist.

Es beginnt die in solchen Fällen übliche Dezimierung des Personals.
Nun gibt es genügend Beispiele, wo noch aus den krudesten Geschichten einigermaßen tragfähige und stimmige Filme entstanden sind. Hier jedoch ist das Ganze etwa so überaschend wie ein 60-Grad-Waschvorgang mit Spartaste und im übrigen genauso spannend. Die Dialoge passen sich mühelos dem Niveau der öden Story an. Sprüche wie "wenn ich draufgehe, trete ich dir in den Arsch" mögen als einmalige Entgleisung vielleicht noch amüsant sein. In geballter Form nerven sie gewaltig. Die Schauspieler können einem leid tun, denn die Charaktere sind nicht einmal ansatzweise ausgearbeitet. So grausam verheizt zu werden, daß hat nicht einmal eine so mittelmäßige Aktrice wie Jamie Lee Curtis verdient, die ständig kreischend und augenrollend durch viel zu düstere Sets gejagd wird. Zu allem Überfluß sehen die Sturmsequenzen auch noch aus, als wären sie in der Badewanne bei Kerzenlicht gedreht.

Immerhin, wer zwar auf Plausibilität und Spannung keine, dafür aber auf schmatzende Splattereffekte umso mehr Wert legt, der wird von "Virus" einigermaßem bedient. Ansonsten ab in die Videothek mit dem Schmonzes.





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