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Sliding Doors - Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht
Sliding Doors - Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht
© Capelight Pictures

Kritik: Sie liebt ihn - Sie liebt ihn nicht (1998)


Filmdebuts sind oft schwer. Wenn sich denn mal ein junger Spund dafür begeistert, seinen ersten Film zu drehen, so will er gleich alles auf einmal: Er will witzig sein, künstlerisch wirken und ganz neue Ideen verwirklichen. Wenn dieser Debutant, wie im Falle von "Sie liebt ihn- Sie liebt ihn nicht" der Schauspieler Peter Howitt, hier noch eine so exquisite Idee hat, dann ist der Fall meist sehr tief. Denn einem Debutant fehlt oft eine gewisse Routine für schwierige Stoffe.

Und der Stoff zu diesem Film ist wirklich schwierig. Die Story erzählt zwei mögliche Plotverläufe. Gleichzeitig! Die junge PR-Agentin Helen (Gwyneth Paltrow) verliert ihren Job. Völlig aufgelöst stürmt sie in die Metro, um mit der Bahn nach Hause zu kommen. Dort erwartet sie nämlich ihr Lover Gerry (John Lynch), von dem sie sich eine tröstende Schulter erhofft. Auf dem Weg zur gerade abfahrenden Bahn rennt sie in ein kleines Mädchen und verpaßt den Zug.
An diesem Punkt friert Howitt das Geschehen ein. Er spult zurück und läßt seine Helen dieses Mal nicht in das Mädchen hineinrennen. Sie erwischt den Zug. Ab diesem Zeitpunkt erzählt der Film zwei Plots. Im einen kommt Helen erst spät nach Hause. Ihr Freund erwartet sie unter der Dusche und verheimlicht ihr ein Verhältnis mit seiner ehemaligen (?) Flamme Lydia (Jeanne Tripplehorn). Im anderen erwischt Helen die beiden in flagranti und freundet sich mit James (John Hannah) an, den sie in der U- Bahn getroffen hat und der sich nun tröstend zu ihr gesellt.

Dieser Stoff bietet viele Möglichkeiten. Er schafft Spielraum für den Regisseur, der furios zwischen den beiden Plots hin und herspringen kann. Und er gibt der Hauptdarstellerin, in diesem Falle Gwyneth Paltrow, ungeahnte Möglichkeiten, ihr Talent zu zeigen. Leider nutzt niemand in diesem Film seine Möglichkeiten aus, im Endeffekt krankt er an vielen Kleinigkeiten, die einen ungetrübten Kinospaß vermiesen.

Da ist unter anderem die Regie, die dem Stoff kaum gewachsen ist. Obwohl Regisseur Howitt auch das grundsolide Drehbuch entworfen hat, schafft er es nicht, dem Film eine feste Linie oder Richtung zu geben. Er wechselt die Plotebenen auf mehr oder minder künstlerische Art nach freiem Gusto und gibt dem Zuschauer außer einer veränderten Haarfrisur seiner Portagonistin kaum einen Anhalt zu uterscheiden, welche Geschichte gerade erzählt wird. Auch Gwyneth Paltrow schafft es nicht, ihrer Figur unterschiedliche Nuancen zu geben, die bei so verschiedenen Erlebnissen eigentlich angebracht gewesen wären.

Das Drehbuch macht es den Darstellern aber auch nicht unbedingt leicht. Zu hölzern die Dialoge, zu konstruiert die Begegnungen. Vor allem Jeanne Tripplehorn hat darunter zu leiden. Sie spielt die typische Intregantin, der jegliche Tiefe und Menschlichkeit abgesprochen werden. Und dann muß sie auch fast ausschließlich mit John Lynch zusammenspielen, der seine Rolle klar überinterpretiert und fast immer schweißgebadet und stotternd im Weg rumsteht. Ganz anders sein Kollege John Hannah. Er brilliert als der smarte Lebemann James und hat oft alle Lacher auf seiner Seite.

Der Rest des Filmes funktioniert nach den gängigen Genrezutaten und versucht eine lockere Romantik-Atmosphäre aufzubauen. Leider scheitert er an der lieblosen Behandlung der Figuren, die anscheinend nur als Katalysator für die eher lahmen Drehbucheinfälle angesehen werden. So wird aus einer eigentlich hitverdächtigen Prämisse ein mittelmäßiger Film, der in der Masse heutiger Romanzen untergeht. Denn es gibt wirklich bessere Filme, um einen romantischen Kinoabend zu verbringen. Vielleicht will Howitt einfach zu viel. Aber wie gesagt... Filmdebuts sind schon verdammt schwer und Peter Howitt hat sich da noch wacker geschlagen. Er darf wiederkommen...




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