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Kritik: Mit Schirm, Charme und Melone (1998)


Surreale Bösewichte, schrille Ausstattung und ein charmantes Agentenduo, dem Stil vor Aktionismus geht und eine Tasse Tee wichtiger erscheint als die Rettung der Welt: Der urbritische Humor von Patrick Macnee und Diana Rigg alias John Steed und Emma Peel faszinierte in den 60er Jahren (und in vielen Wiederholungen danach) auch die deutschen Fernsehzuschauer - klar, daß die beiden Spitzenkräfte des obskuren "Ministeriums" irgendwann auch auf der Kinoleinwand erscheinen mußten.

Das Ergebnis ist erschütternd. Den amerikanischen und britischen Kritikern wurde der Film gnädigerweise vom Verleih vorenthalten, das zahlende Kinopublikum aber genießt keinen solchen Schutz. Daß hier Dilettanten am Werk waren, merkt der geschundene Betrachter spätestens beim dritten ungläubigen Blick auf die Uhr - dabei dauert der Film nicht einmal 90 Minuten. Kein Wunder: Ralph Fiennes als milchbärtiger Gentleman und Uma Thurman als Möchtergern-Vamp verbreiten vor allem Langeweile, und sogar Sean Connery enttäuscht in der Rolle eines sichtlich unmotivierten Bösewichts.

Cool und schrill soll alles sein, in Wirklichkeit aber zeigt der Film nur eine unfreiwillige Karikatur der stilvollen Kultserie, indem er deren bekannte Zutaten mit schmerzhafter Lieblosigkeit zu einem unverdaulichen Brei vermengt.

Effekte statt Esprit, Spektakel statt Charme - die Kinofassung der "Avengers" setzt auf visuelle Effekthascherei und auf die Vergeßlichkeit des Publikums, das die scheinbar spektakuläre Explosion von Big Ben am Ende des Films längst kennen sollte: Um Kosten zu sparen, wurde die Sequenz nämlich aus Tim Burtons "Mars Attacks", einer anderen Warner-Produktion, herauskopiert.

Armes England.





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