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Kritik: Honig und Asche (1996)


Zu den besonderen Entdeckungen beim letztjährigen Filmfestival von Locarno zählte "Honig und Asche" von Nadia Fares. Die in der Schweiz geborene, in den USA ausgebildete Regisseurin, verfolgt in ihrem Erstling Schicksale nordafrikanischer Frauen. Die Frauen des Films erleiden eine Menge, schon in den ersten zehn Minuten werden sie verprügelt und fast vergewaltigt. Aber sie tanzen auch miteinander, feiern, lachen viel. Leila flieht vor den dauernden Schlägen des Vaters. Doch ihr heimlicher Freund weist sie ab, hinter ihm steht seine Mutter. Die verlorene Leila geht in die Stadt, beginnt ein Studium, das sie sich durch Prostitution finanzieren muß. Nach dem Abschluß des Studiums - und nach letztem Freier - macht ihr ein früher scheinbar verständnisvoller Kommilitone klar, daß sie der "Schmach" nicht entkommen wird. Laila landet im Gefängnis, weil sie sich gegen ihre Vergewaltigung wehrt. Die Studentin Amina heiratete ihren Professor; nach Jahren der Ehe schlägt er sie wegen seiner Wahnvorstellungen krankenhausreif. Das stille Leiden, die Sorge um das gemeinsame Kind unterbrechen Träume einer besseren, liebevollen Vergangenheit.
Bei der emanzipierten, selbständigen Ärztin Naima laufen die episodisch erzählten, detailliert lebendigen Geschichten zusammen. Sie durchblickt den Wahnsinn und die Gewalt, kann aber auch nichts ändern. Naima lebt zwar finanziell unabhängig und relativ sicher, doch selbst in ihrer Vergangenheit schmerzt eine gegen ihren Willen arrangierte Heirat und der Verlust einer Liebe.
Der erstklassige Erstling von Nadia Fares fesselt mit seiner Form und den Geschichten voller Leben. Die Lebenswege der drei Frauen kreuzen sich in der eleganten Verflechtung des Films. Die zeigen unterschiedliche Frauenleben und Leben allgemein in Tunesien. Trotz harter Szenen, einer dauernden Bedrohung strahlt "Honig und Asche" eine Menge Kraft und Hoffnung aus: Naimas Tochter wird zur Schule gehen und mit dem wachen Wissen um die drei Geschichten für ihr Recht einstehen.




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