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Kritik: Jakob der Lügner (1999)


Für wie dumm darf man das Kinopublikum verkaufen? "Jakob der Lügner" von Peter Kassovitz ("Bonjour Tristesse"), die Neuverfilmung von Jurek Beckers vor 30 Jahren in Ostberlin erschienenem Roman, ist bestenfalls ein kitschig-einfallsloses Star-Vehikel für einen salbungsvoll lächelnden Robin Williams - und erweist der 1944 im Warschauer Ghetto spielenden Geschichte einen Bärendienst.

Dort ist der Jude Jakob Heym (Williams) zusammen mit tausenden Leidensgenossen eingepfercht und ist der Willkür der deutschen Besetzer hilflos ausgeliefert. Bis Jakob, wegen einer angeblichen Unpünktlichkeit aufs Gestapo-Revier bestellt, dort eine Radiomeldung aufschnappt, die den Ghetto-Bewohnern Hoffnung macht: Die deutsche Wehrmacht ist in Russland auf dem Rückzug! Von einem Tag zum nächsten gilt Jakob als Held, glauben doch alle, dass er - was selbstverständlich streng verboten ist - ein Radio besitzen muss. Und so versorgt der freundliche Kartoffelpufferbäcker die Gemeinde weiterhin mit hoffnungsfrohen Frontberichten - die jedoch alle seiner Fantasie entspringen.

Dem Film freilich fehlt jene Doppelbödigkeit, die unbedingt von Nöten ist, wenn man sich einem bitterernsten Thema mit den Mitteln der Komödie nähert. Die allgemeine Dämlichkeit der hier versammelten Figuren soll anscheinend besonders witzig sein, doch übrig bleibt nur ein in oberflächlichen Klischees erstickendes Moralgeplänkel. Den Todesstoß versetzt dem Film die oft absurde deutschen Synchronisation, in der die Ghetto-Juden schließlich "Jesus!" fluchen. Peinlich, peinlich...





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