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Der Campus
Der Campus
© Constantin Film

Kritik: Der Campus (1998)


Die verlorene Ehre des Hanno Hackmann

Sönke Wortmanns Filmfiguren sind Comicfiguren - plakativ, überzeichnet, stereotyp. Das ist ein Grund für den bemerkenswerten (Lach-)Erfolg seiner Filme in den letzten Jahren. Ob kleine Haie allein unter Frauen, bewegte Männer oder Superweiber, in solchen Klischeebildern ertappt man sich immer ein bißchen selber, erkennt man gehässig andere. Hätte Wortmann die charakterlichen Stärken, Schwächen und Eigenarten dieser Figuren nur hauchzart angedeutet, wären sie entweder todlangweilig oder der Zuschauer fühlte sich gleich persönlich angegriffen, weil er sich etwas zuviel wiedererkannt hat. Mit Dialogen wie in Sprechblasen trieb und übertrieb er seine Geschichten bis ins Groteske. Das war bunt, das war schrill. Und das war gut so.

Nicht so gut ist dieser Comiccharakter, wenn eine Geschichte aus dem Rahmen fällt oder der Regisseur meint, sie müsse aus dem Rahmen fallen.

Denn eigentlich umrahmt "Der Campus" nur die verlorene Ehre des Universitätsprofessors Hanno Hackmann, der sich den Sex mit seiner Studentin Babsi durch eine 'Scheinerpressung' erzwungen haben soll.

Unzucht mit Abhängigen nennen das die einen, Vergewaltigung die anderen. Und nur zu schnell hat sich der ehrbare Akademiker in einem Netz aus verbitterten Emanzen, karrieregeilen Kollegen und skandallechzenden Journalisten verfangen. Das ist Komödienstoff, das ist Comicstoff, das ist Wortmannstoff - aber nur einen halben Film lang. Denn daß Hanno Hackmanns Schicksal nicht nur lustig, sondern auch tragisch und nachdenklich sein kann, das wissen wir. Aber wollen wir das auch sehen?

Wir müssen es, denn die Ereignisse vom Campus ziehen nicht mehr nur satirische Kreise. Verzettelt hat sich ein Film in Tragik und Gesellschaftskritik, der meint dem Zuschauer unter Rührung ein paar Lebenswahrheiten mit auf den Weg geben zu müssen, was in der Romanvorlage von Dietrich Schwanitz hintergründig noch bestens funktionierte. Doch im Film werden belehrend geschriebene Worte zu aufdringlichen, peinlich inszenierten Momenten. Hanno Hackmann alias Heiner Lauterbach, steht am Rednerpult, entlarvt eine große, öffentliche Lüge als kleine, persönliche Wahrheit und jeder ist mitgenommen, in Mitleid versunken. "Der arme, zu Unrecht gebeutelte Professor! Ach du grausame, ungerechte Welt!" denkt man und hofft auf das Ende, das leider nicht mehr wie der Anfang ist.





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