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Tobias Totz und sein Löwe
Tobias Totz und sein Löwe
© Warner Bros.

Kritik: Tobias Totz und sein Löwe (1999)


Es gehört zu den schwierigeren Aufgaben, etwas zu bewerten, was man selbst nicht mehr nachvollziehen kann. Der Film "Tobias Totz und sein Löwe" ist so ein Problem. Wie nur kann man sich in einen 3- bis 6-jährigen Zuschauer hineinversetzen?
Dies ist wohl kaum möglich, deshalb kann ich auch nur pädagogische Anmerkungen machen und Vermutungen anstellen.

"Tobias Totz" ist eine deutsch-holländische Koproduktion. Erzählt wird die Geschichte des einsamen Löwen aus dem Zoo, der trotz aller Freiheiten und viel Fußball etwas in seinem Leben vermisst. Ihm fehlt die Partnerin, die Liebe, die Mensch und Tier auf rosa Wolken schweben lässt. Auch die Zebradame, welche der Würstchenhändler Paul Pommes mitten in der Stadt gefunden hatte, kämpft mit der Liebe. Finstere Tierhändler haben sie aus der Savanne entführt und sie somit von ihrem Freund getrennt. Auch ist sie im Zoo scheinbar unsicher, denn die Tierfänger lassen ihr Kapital ungern verschollen. Bei beiden Problemen soll der Tierpfleger Tobias Totz für Abhilfe sorgen. Der tierliebe Schnauzbartträger setzt sich kurzerhand ins Flugzeug, um in Afrika eine Löwin zu finden. Und da der Löwe von den dort lauernden Gefahren weiß, reist er mit Paul Pommes kurzerhand nach. Aber auch die Tierfänger befinden sich wieder auf Beutefang.

Diese turbulente Geschichte wurde kindergerecht aufbereitet. Der Spannungsbogen hält sich in moderaten Maßen und die Handlung wird behutsam und sehr transparent erzählt. Aus dieser Sicht mag er kleinen Kinogängern viel Spaß bereiten, Schulkindern wird er aber vielleicht etwas zu blöd erscheinen, geht es doch um Liebe und Knuddeltiere. Einem RTL-gestählten Zweitklässler mag man damit nicht mehr kommen.

Dennoch ist der sympathische Film mit sehr wichtigen Themen ausgestattet worden. Es geht um Freundschaft und die damit verbundenen Pflichten. Hilfsbereitschaft und die Entlarvung von Vorurteilen stehen im Mittelpunkt. Schade, dass mit den beiden Tierfängern zwei sinistre Ausländerwitze verarbeitet wurden. Klar, hier wird weniger auf Rassenhass, denn auf die Mafia angespielt, doch kann die Wirkung gerade bei dem jungen Zielpublikum auch andersherum gehen.

Technisch bleibt "Tobias Totz" natürlich hinter den ausgefeilten Kunstwerken von Dreamworks und Disney zurück. Man merkt dem Film aber viel Liebe zum Detail an. Bei der Umsetzung wurde sehr darauf Acht gegeben, dass die Figuren der Vorlage so ähnlich wie möglich bleiben. Deshalb weisen die bedächtig gewählten Farben und die meist runde Strichführung auf die Herkunft hin: Tobias Totz existiert schon als Bilderbuch und Fernsehreihe im Rahmen des Sandmännchens.

Wie gesagt, es ist sehr schwer, einen solchen Film zu bewerten. Er wird seinem Zielpublikum wohl Spaß machen, die erwachsene Begleitung wird dafür aber mit weitaus weniger Spaß entlohnt als bei Disney, die sich immer weiter vom kindgerechten Zeichentrick fortentwickeln. Man merkt "Tobias Totz" in jeder Szene die Liebe seiner Macher an. Sie engagierten sich wirklich für dieses Projekt, entsprechend sehenswert ist das Resultat. Von der typischen Schludrigkeit bei Animation und Farbwahl, wie sie sonst bei den Filmen für diese doch noch recht leicht zu beeindruckende Zielgruppe aufkommt, ist kaum etwas zu spüren. Ebenfalls lobenswert ist, dass kaum ein didaktischer Hintergedanke direkt spürbar ist, so gut wurde er in die Geschichte eingewoben. Zusammen mit der hervorragenden Stimmenwahl ergibt sich so ein Film, der sich als sehr gutmütig, vielleicht etwas sehr brav erweist. Als kleiner Gag für die Eltern sei erwähnt, dass der Löwe mit der deutschen Stimme von Leo (DiCaprio) ausgestattet wurde.





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