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Kritik: Das Leben ist ein Chanson (1997)


Mit seinen stolzen 76 Jahren hätte man von Frankreichs Regie-Altmeister Alain Resnais so einiges erwarten dürfen: z.B. ein weise-melancholisches Alterswerk, seiner gewichtigen und nicht immer leicht zugänglichen Filmographie angemessen. Aber die Erwartungen an sein Werk haben Resnais, der zu Zeiten der Nouvelle Vaque zu arbeiten begann, jedoch nie so recht dazugehörte, selten geschert. Und so ist denn "Das Leben ist ein Chanson" etwas ganz anderes geworden, nämlich eine leichtfüßige Beziehungskomödie mit einer ganzen Reihe unerwarteter und kurioser Gesangseinlagen. Den 6 nicht mehr ganz jungen Protagonisten seines munteren Liebesreigens legt der Regisseur immer wieder einzelne Strophen populärer französischer Chansons in den Mund. Wobei die Schauspieler (gottseidank) nicht singen, sondern lediglich die Lippen textsynchron bewegen.
Die einzelnen Lieder kommentieren mal ironisch mal sarkastisch, aber immer verblüffend präzise die Befindlichkeit der jeweiligen Person in einer bestimmten Situation.

Die Herrschaften um die es geht sind allesamt Angehörige des betuchten Pariser Mittelstandes. Der Film folgt ihrem emotionalen Geplänkel eine gewisse Zeit. Ruhig wird beobachtet wie man sich umkreist und annähert, dabei leidet oder sich freut, meist zu zweit und in wechselnder Besetzung. Woody Allen hätte diese nicht selten frivolen Piruetten nicht stilsicherer einfangen können. Wie überhaupt der ganze Film von Geist des Amerikaners beseelt scheint.
Zusammen kommen die zwei Frauen und vier Männer erst zum großen Finale, wo dann so manche Maske (nicht immer freiwillig) fällt. Aber das kommt nur für die jeweils anderen im Film überraschend. Wir die Zuschauer kennen da unsere Pappenheimer längst, uns können sie nichts mehr vormachen. Und längst haben wir uns auch in ihnen wiedererkannt und geben uns mit ihnen der schlichten Tröstung hin, daß schließlich niemand perfekt ist.

Erzählt wird das Ganze ebenso kunstvoll wie einfach. "Das Leben ist ein Chanson" strahlt alle positiven Eigenschaften traditionellen Erzählkinos aus. Ein ruhiger Bilderfluß, denkbar weit von modernistischem Firlefanz entfernt, konzentriert die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf das famose Spiel der Darsteller und das originelle Entblättern und Zusammenfalten der Geschichte.
Das I-Tüpfelchen auf diesem gleichermaßen amüsanten wie intelligenten Filmspaß sind dann aber doch die unverhofft einsetzenden und gleichermaßen wieder abbrechenden Chansons. Und wer mit französischem Liedgut nun aber auch gar nichts am Hut hat, für den sei erwähnt, daß die Gesangspassagen jeweils nur Sekunden einnehmen, von einem Musikfilm also eher nicht gesprochen weden kann. Wie auch immer, nach 50 Jahren Filmregie hat Alain Resnais eine wunderbar unkonventionelle Komödie hingelegt, bei der man sich auf bemerkenswert hohem Niveau köstlich unterhalten kann. Kommt nicht alle Tage vor...sowas !




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