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Kritik: Lulu on the Bridge (1990)


Als Paul Auster bei Wayne Wangs "Blue in the Face" bereits zum Teil die Regie übernahm zeichnete sich ein Wechsel ins Regiefach förmlich ab. Bei der Premiere des Erstlings in Cannes 1998 wurde das Werk des genialen Schriftstellers von der Kritik äußerst zwiespältig aufgenommen. Das hat auch gute Gründe, denn "Lulu on the Bridge" ist symbolüberfrachtetes, schwerfälliges Autorenkino mit einer Fülle interessanter Ideen und praktischen philosophischen Binsenweisheiten.
Auster schließt mit seiner Dramaturgie einen Kreis, der den Sinn seines Films erst in den letzten Sekunden erklärt. Davor aber herrscht Irritation und großes Rätselraten, wenngleich Stil und Schauspieler ein reiner Genuß sind. So findet der innerlich steinerne Izzy in seiner tiefsten Depression einen mystischen Talisman, der dem verbitterten Menschenhasser durch geheimnisvolles Leuchten die Gefühle lehrt. Mit Cecilia erlebt er eine kurze Phase des Glücks, doch schon bald zeigt sich eine erschreckende Affinität zur Büchse der Pandora – lediglich die Hoffnung bleibt zurück. Als ihn ein Unbekannter (Willem Dafoe) entführt und tagelang verhört, mündet die bereits um mystische Elemente angereicherte Realität in einem alptraumhaften und verwirrenden Strudel aus dunklen Gestalten, ungeklärter Vergangenheit und dem Kampf gegen das eigene Ich.
"Lulu on the Bridge" übermittelt die einfache Botschaft, daß man sein Leben selbst in die Hand nehmen muß und benutzt dafür ausgiebig Schuldgefühle, Sehnsucht nach der reinen Liebe und Erlösung. Obwohl Auster seine Botschaften mitunter weder vermitteln kann geschweige denn auf den Punkt bringt, schwant dem Zuschauer recht bald die Auflösung, die jede Mysterie im Nachhinein als Psychotrauma verwandelt. Hoffentlich legt Paul Auster bei seinem nächsten Projekt noch ein paar Gänge zu, oder besinnt sich wieder auf seine erfolgreicheren Wurzeln als Autor.






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