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Ronin
Ronin
© United International Pictures

Kritik: Ronin (1998)


Ein wenig gestrig mutet John Frankenheimers Action-Thriller schon und auch gleich in mehrerer Hinsicht an. Aber das muß ja nicht automatisch von Nachteil sein. Im Fall von "Ronin" gilt: teils, teils. Wohltuend ist allemal die völlige Absenz computeranimierter Spezialeffekte.

Frankenheimer verläßt sich ganz auf die bewährten Tugenden der guten alten Stunts. Weniger originell ist da schon, daß als Bösewichter wieder einmal die Russen, wenn auch reichlich nebulös, herhalten müssen, was dem Film einen völlig unnötigen Kalter-Krieg-Touch verpaßt. Es ist schon tragisch: Früher waren es die bösen Politrussen=KGB, heute sind es die bösen Gangsterrussen=Russenmafia...Hauptsache Russen!

Aber zur Geschichte: In einer leerstehenden Fabrikhalle irgendwo in Paris trifft sich wild zusammengewürfelter Haufen internationaler Söldner. Die Spezialisten für Waffen, Attentate, Entführungen etc. kennen einander nicht. Ihr Auftraggeber ist eine mysteriöse Dame, die weder näheres über ihre Hintermänner preisgibt, noch sich in Detailfragen über den anstehenden Auftrag ergeht. Nur soviel: Ein geheimnisvoller Koffer möge in Besitz genommen werden, dabei sei mit erheblichem - sprich bewaffnetem - Widerstand der jetzigen Besitzer zu rechnen, und weitere Interessenten hätten auch ein Auge auf das Objekt geworfen und könnten sich als Störenfriede erweisen. Unterm Strich: Mit reichlich Krawall sei zu rechnen.

Die Gruppe deckt sich also mit großkalibrigem Gerät ein und geht an die Arbeit. Der Überfall scheint zu klappen. Nach einer wilden Hatz durch Nizza lichten sich die Reihen der Gegner, und der Koffer wechselt den Besitzer. Schnell jedoch müssen die neuen feststellen, nicht nur hereingelegt worden zu sein, sondern dies auch noch von einem Mitglied aus den eigenen Reihen. Der deutsche Computerspezialist Gregor hat beschlossen auf eigene Rechnung zu arbeiten. Für den leicht ramponierten Rest der Mannschaft samt Auftraggeberin geht die Chose also von vorne los. Kreuz und quer durch Frankreich wird der Verräter samt ominösem Köfferchen gejagd. Im Verlauf diverser Auseinandersetzungen dezimiert sich die Gruppe weiter. Zum Finale treffen sich die überlebenden Beteiligten dann am Ausgangspunkt der Affäre, in Paris, wieder. Und zum zweiten Mal entscheidet die virtuose Handhabung fahrbarer Untersätze über den Ausgang der Operation.

Mit ein bißchen Fantasie kann man sich durchaus vorstellen, was Autoren und Produzenten bei der Konzeption von "Ronin" vorschwebte. Offenbar war ein von der Story her archetyischer Thriller intendiert, bei dem die einzelnen Bauelemente, von jedwedem Ballast befreit, in ihrer extremen Reduktion die klassischen Bestandteile des Genre darstellen sollten. Also: die schöne Auftraggeberin, die heimallosen ewigen Soldaten, der Verräter und - als Prototyp des McGuffin - der Koffer (dessen Inhalt nie benannt oder gezeigt wird). Ein besserer Regisseur als der Routinier John Frankenheimer (dessen letzte Werke zurecht in Videotheken vor sich hindümpeln) hätte aus den Drehbuchvorgaben durchaus etwas machen können. Z.B. hätte sich "Ronin" nicht schlecht als Nachfolgeprojekt von "Face Off" für John Woo gemacht. So aber ist nur ein leidlich spannendes Filmchen herausgekommen, das nicht zuletzt an der unzureichenden Herausarbeitung der Charaktere leidet. Immerhin ist die finale Autoverfolgungsjagd quer durch Paris vom Allerfeinsten.




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