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25. Internationales Filmfest Braunschweig
25. Internationales Filmfest Braunschweig
© www.filmfest-braunschweig.de

Jubiläumsrückblick

25. Internationales Filmfest Braunschweig

(Pressemitteilung) 25.000 Zuschauer zum 25. Internationalen Filmfest Braunschweig – sogar die Zuschauerzahlen passten zur Jubiläumslaune, von der sich auch Stargast und „Europa“-Preisträgerin Isabelle Huppert anstecken ließ. Angesichts des lang anhaltenden Beifalls bei der Preisverleihung im ausverkauften Braunschweiger Staatstheater lobte sie: „Wenn alle so filmbegeistert wären wie die Braunschweiger, gäbe es keine Krise des Kinos!“.

Das Festival zeichnete die französische Schauspielerin für ihre herausragenden darstellerischen Leistungen und ihre Verdienste um die europäische Filmkultur aus und widmete ihr eine Retrospektive mit neun Filmen, darunter ihr aktueller Film „I’m not a f**king Princess“ von Eva Ionesco und „Die Spitzenklöpplerin“ von Claude Goretta aus dem 1977, mit dem ihre Karriere begann. Die Laudatio hielt Produzent Alfred Hürmer, mit dem Isabelle Huppert für Claude Chabrols „Geheime Staatsaffären“ zusammen gearbeitet hatte.

Begeistert zeigten sich die Braunschweiger von der spanischen Öko-Komödie „What are bears for?“ (Originaltitel: ¿Para qué sirve un oso?) mit Emma Suàrez und Geraldine Chaplin. Tom Fernández’ Erstling gewann den „Heinrich“, den Publikumspreis für europäische Debüt- und Zweitfilme. Produzentin Lola Salvador nahm den Preis anstelle des Regisseurs entgegen und widmete ihn „der Komödie, der Wissenschaft und dem Braunschweiger Wissenschaftler Gauß“.

Der junge niederländische Komponist Lennert Busch freute sich über den Kurzfilmmusikpreis „Der Leo“ für „The Origin of Creatures“, den er gemeinsam mit Regisseur Floris Kyaak realisiert hatte. Die Jury befand: „The Origin of Creature“ ist eine Endzeit-Geschichte ohne Happy-End, die es schafft, das Sound Design fast nahtlos in die Musik zu verweben. Eine Musique Concrete ohne Stockhausensche Dogmatik. Musik und Bilder liegen im Rhythmus und ergänzen sich. Er lässt sich als Parabel aber auf viele Ereignisse projizieren und das macht ihn auf eine gewisse Art zwar angreifbarer, aber auch universeller. Es gibt nicht eine Wahrheit, sondern viele - jeder von uns trägt seine mit sich herum und kann sich hier wiederfinden." Juroren waren Regisseurin Verena S. Freytag, Film- und Musikredakteur Uwe Golz, Filmkomponist Dieter Schleip sowie Carsten Spicher von den Kurzfilmtagen Oberhausen wählte.

Den Deutsch-Französische Jugendpreis KINEMA vergab die fünfköpfige Jugendjury unter dem Vorsitz des Regisseurs Gordian Maugg („Zeppelin!“) an die französische Produktion „Ne nous soumets pas à la tentation“ („Und führe uns nicht in Versuchung“) von Regisseurin Cheyenne Carron. Die Jury war „besonders beeindruckt vom intensiven Spiel der Darsteller, vor dem Hintergrund einer simplen Kulisse – alles eingefangen und unterstützt von einer intimen Kameraführung beeindruckt“. Herausragend sei außerdem, dass der Film nicht nur eine Geschichte erzähle, sondern dass er ebenfalls als eine Reflexion über das Kino als Illusionsmaschine anzusehen sei.

In der Reihe „Musik und Film“ stand Klassisches neben Aktuellen. Unter der Leitung von Helmut Imig führte das Staatsorchester Braunschweig Fritz Langs „Die Nibelungen I+II“ in der restaurierte Fassung von 2010 auf. Neue Projekte entstanden aus der Begegnung der Gäste des Programms zu aktueller elektronischer Filmmusik „Ohm Sweet Ohm 2.5“: Tim Norfolk und Bob Locke alias „The Insects“ sprachen erstmals auf einem Filmfestival über ihre Arbeit. Sie wurden begleitet von „Owning Mahowny“-Regisseur Richard Kwietniowski. Die drei verstanden sich blendend mit dem New Yorker Komponisten-Duo Will Bates und Phil Mossman von „Fall on your Sword“, die u.a. ihre Musik zu Mike Cahills „Another Earth“ vorstellten. Unter der Regie von Kwietniowski drehten sie nicht nur spontan einen Kurzfilm als Dank an „our favorite festival – and we’ve been to a few!“, sondern widmen diesem auch eine gemeinsame CD.

Den weitesten Weg nach Braunschweig hatten die Gäste aus Hong Kong und China. Regisseur Clemens Cheng stellte seinen Film „Merry-go-round“ in einer Deutschlandpremiere vor. Gemeinsam Derek Kwok präsentierte er außerdem ihre Koproduktion „Gallants“. Zusammen mit Produzentin Jacqueline Liu gaben sie im Rahmen eines Vortrages einen Einblick in die zeitgenössische Film- und Festivalkultur Chinas.

Deutsche Filmfestivals standen im Mittelpunkt eines Panels auf dem Linde Fröhlich, Künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage Lübeck, Silke Johanna Räbiger vom Internationalen Frauenfestival Dortmund/Köln, Andreas Ströhl, früherer Leiter des Filmfests München und Volker Kufahl, Festivalleiter in Braunschweig über die Frage „Filmfestivals – Kinos der Zukunft?“ debattierten.

In der Reihe „Neue deutsche Filme“ stellte Regisseurin Anna Justice zusammen mit den Schauspielerinnen Alice Dwyer und Dagmar Manzel ihren Film „Die verlorene Zeit“ vor. Liedermacher Hannes Wader kam eigens zur Vorstellung von Rudi Gauls „Wader Wecker – Vater Land“ und Regisseurin Elke Hauck begleitete ihren Film „Der Preis“.

Ebenso informativ wie persönlich verlief die Präsentation der Filmsammlung Schneider. Während Michael Schurig vom DIF Wiesbaden das Archiv des Wolfsburger Sammlers wissenschaftlich einordnete, berichtete dessen Sohn Christian Schneider sehr unterhaltsam über die Sammelleidenschaft seines Vaters.

Festivalleiter Volker Kufahl zog eine rundherum positive Bilanz: „Wir haben mit dieser Jubiläumsausgabe ein starkes Plädoyer für das Kino als Erlebnisort und das Filmfestival als Veranstaltungsform gehalten. Dafür steht ein Star wie Isabelle Huppert ebenso wie die junge Regisseurin Tuyet Le. Dafür steht der Experimentalfilm „Totale Mondfinsternis über dem Meer“ von Michael Brynntrup ebenso wie Marcel Carnés Meisterwerk „Hafen im Nebel“. Ein Filmfestival muss es schaffen, gleichzeitig Begeisterung für „elektronische Filmmusik“ wie für „neue Filme aus Hong Kong zu wecken und durch diese Reibung Spannung zu erzeugen. Das 25. Filmfest Braunschweig hat Funken geschlagen!“
Save the date!
26. Internationales Filmfest Braunschweig 6. - 11. November 2012


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