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10. Pornfilmfest Berlin
10. Pornfilmfest Berlin
© Moviemento

10. Pornfilmfest Berlin

Vom 21. bis 25. Oktober im Moviemento Kino

Als sich Filmproduzent Jürgen Brüning im Jahr 2006 an das Experiment eines von jeder Förderung und Einflussnahme unabhängigen Pornfilmfestivals Berlin wagte, ahnte er nicht, welche Erfolgsstory er auslösen würde. Wegen Titel und Inhalt zunächst skeptisch von den Medien und zögerlich von Gästen besucht, kam mit dem Umzug ins Kreuzberger Kino Moviemento im Jahr 2009 der Durchbruch. Das Festival, das von Anfang an eher wenig mit klassischer Pornografie, sondern vielmehr mit allen Themen rund um Sexualität, Geschlechter-Identitäten, Körper, Sexarbeit und vor allem Feminismus zu tun hat, kann mittlerweile über 7.000 verkaufte Tickets pro Ausgabe verbuchen und gilt weltweit als eine der zukunftsweisendsten und tabubrechendsten Kulturveranstaltungen überhaupt.

Auch zum 10. Jubiläum verspricht das Festival zwar beliebt aber nicht angepasst zu sein, angesagt aber nicht anbiedernd zu werden und stets politisch-feministisch zu sein ohne in political correctness zu erstarren.

Zur 10. Ausgabe des Festivals freuen sich die ehrenamtlich arbeitenden Organisator/innen auf eine bunte Mischung aus Hetero/Homo/Queer-Publikum, das mindestens zur Hälfte aus Frauen besteht, was einmal mehr beweist, dass die kritische und lustvolle Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität nicht den Männern vorbehalten ist. Das Festival hat im Laufe der Jahre eine kommunikative Diskussions- und Begegnungskultur zwischen allen sexuellen Identitäten, Geschlechtern und sexuellen Vorlieben geschaffen – einen Raum wo sich die heterosexuelle Hausfrau, die auf "Blümchensex” steht, genauso wohl und ernstgenommen fühlt, wie der Gummifetischist, die feministisch-sexpositive Lesbe oder der polyamouröse Hipster.

Das Programm des 10. Pornfilmfestivals Berlin umfasst mindestens 26 Spielfilme, 13 Dokumentarfilme, sowie rund 90 Kurzfilme, die in 11 Kurzfilmprogrammen wie "Lesbian Porn", "Fetish Porn" oder "Experimental Porn" zusammengefasst werden. Neu dabei sind Programme wie "Berlin Porn" und "Political Porn".

Der Eröffnungsfilm des Festivals ist erstmals ein deutscher Spielfilm, die Sex-Komödie "schnick, schnack, schnuck" von Maike Brochhaus aus Köln.

Den Abschluss bildet das lesbische SM-Drama "The Duke of Burgundy" von Peter Strickland aus Großbritannien.

Als Blick zurück auf Filme die in ihrem Umgang mit Sexualität ihrer Zeit weit voraus waren, läuft zum 40-jährigen Jubiläum erneut die "Rocky Horror Picture Show". Ein Blick zurück in jeder Hinsicht: Die Filmversion des Musicals von Richard O’Brien lief Ende der 70er Jahre dauerhaft im Moviemento Kino, das damals noch Tali hieß.

Ein weiteres Jubiläum: 20 Jahre "Hustler White", der Film um die Sexindustrie in L.A. wird in Anwesenheit von Regisseur Bruce LaBruce wieder aufgeführt.

Eine Auferstehung im Rahmen des Festivals feiert das gute alte Bahnhofskino: mit der Doku "Cinema Perverso – Die wunderbare und kaputte Welt des Bahnhofkinos" sowie mit dem Film "Ich - Ein Groupie" mit Ingrid Steeger von 1970 und dem Beitrag zum Tode des Regisseurs Lasse Braun "Sensations" von 1975.

Noch weiter zurück in die Zeit schaut ein Programm mit Pornostummfilmen aus den 1910er bis -20er Jahren, die mit Live-Musik aufgeführt werden.

Einen modernen und zukunftsweisenden Blick bietet der thematische Schwerpunkt "Sex mit Behinderung". Hierzu laufen unter anderem Filme wie die deutsche Doku "Die Menschenliebe", "Margarita with a Straw", "Dora oder Die sexuellen Neurosen unserer Eltern" und die spanische Doku "Yes we fuck", sowie diverse Kurzfilme.

Mit dem schwulen Episoden-Drama "Like Cattle Towards Glow" freut sich das Festival den ersten gemeinsamen Film von Zac Farley und Dennis Cooper zeigen zu können.

Anschauliche Perspektiven von Frauen und feministische Blicke auf das Thema Sex sind beim Pornfilmfestival nicht nur Wunschdenken: Wie jedes Jahr und anders als bei den meisten Filmfestivals sind beim Pornfilmfestival fast die Hälfte aller Filme von Frauen gemacht. Verdeutlicht wird dies zum Beispiel in der Reihe "Filmmaker in Focus”, hier präsentieren dieses Jahr die Künstlerin und Filmemacherin Catherine Corringer aus Frankreich sowie die Pariser Fotografin und queer-feministische Pornofilmerin Emilie Jouvet ihre Kurzfilme.

Begleitet wird das Festival von mehreren Workshops, Performances, Vorträgen, Buchpräsentationen und natürlich Partys und Get-togethers.

Als Gesprächsrunden wird es unter anderem eine Diskussion zum Niedergang der deutschen Pornoindustrie geben. Außerdem stellt sich das 5-köpfige Kuratorium des PFF den Fragen und Anregungen des Publikums in einer eigenen Podiumsdiskussion.

Wie auch in den Jahren zuvor werden über die Hälfte aller Filmemacherinnen und -macher zum Festival anwesend sein. Erneut werden viele Gäste aus Australien sowie den USA aber auch dem europäischen Ausland erwartet.

Der Festival-Abschluss mit Preisverleihung findet am Sonntag, den 25. Oktober statt. Erstmals werden die drei Preise des Festivals – bester Spielfilm, bester Dokumentarfilm und bester Kurzfilm, jeweils mit je 500 Euro dotiert und vergeben von je einer dreiköpfigen international besetzen Jury – beim Abschlussabend im Südblock vergeben.


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