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Já, Olga Hepnarová von Tomas Weinreb
Já, Olga Hepnarová von Tomas Weinreb
© Berlinale

Berlinale: Panorama-Programm komplett

Lateinamerika zeigt große Präsenz

Die Programmauswahl für das Panorama 2016 auf der Berlinale ist abgeschlossen: 51 Filme aus 33 Ländern wurden ausgewählt, davon 17 Panorama Dokumente und 34 Spielfilme in Hauptprogramm und Panorama Special. Davon sind 33 Weltpremieren, neun internationale und neun europäische Premieren. Zum 30. Teddy Award wird eine Jubiläumsreihe mit 17 Filmen stattfinden.

Das Panorama-Hauptprogramm eröffnet am Donnerstag, den 11. Februar mit dem tschechischen Debüt "Já, Olga Hepnarová" von Tomas Weinreb und Petr Kazda. Der Film zeigt die Enge, in die eine junge Frau in der damaligen Tschechoslowakei getrieben ist und aus der sie sich mit einem verheerenden Befreiungsschlag zu erlösen sucht - und schließlich mit der dort bis 1989 geltenden Todesstrafe konfrontiert wird. Zwei weitere Filme zum Thema machen die Todesstrafe zu einem eindringlichen Schwerpunkt: "Shepherds and Butchers" aus Südafrika zur Zeit der Apartheid und die brasilianische Dokumentation "Curumim" über den Insassen einer Todeszelle in Indonesien.

"Europe, She Loves", der Eröffnungsfilm der Reihe Panorama Dokumente, ist eine schweizerisch-deutsche Co-Produktion und untersucht die Befindlichkeiten heterosexueller Paare von Sevilla über Tallinn und Dublin bis Thessaloniki. Sie erstellt so ganz nebenbei - lakonisch, witzig, nachdenklich, sexy - eine Temperaturmessung des Patienten Europa. Ein brennendes Thema bringt Rachid Bouchareb's "La route d’Istanbul" ins Programm: Eine belgische Mutter versucht, ihre Tochter, die in den Dschihad gezogen ist, in Syrien zu finden und nach Hause zu holen. Bouchareb präsentierte bereits sechs seiner Werke in Berlin (fünf Spielfilme und ein Kurzfilm). Zuletzt war er 2014 mit "Two Men in Town" im Wettbewerb vertreten.

Aslı Özge zeigt nach "Hayatboyu" (Panorama 2013) ihren ersten deutschsprachigen Film "Auf Einmal", in dem eine falsche Entscheidung die ganze Existenz eines jungen Mannes auf den Prüfstand stellt. Die dänisch-schwedische Co-Produktion "Shelley" von Ali Abbasi geht mit Genre-Mitteln einem der diesjährigen Panorama-Themen nach: Babywunsch, hier verknüpft mit osteuropäischer Arbeitsmigration. Um Blutsbande versus Prägung und die Entdeckung eines Babydiebstahls geht es im brasilianischen "Mãe só há uma": Die Regisseurin Anna Muylaert errang 2015 den Panorama Publikums-Preis für "A que horas ela volta" (The Second Mother).

Den Kultur-Clash zwischen den Amazonas-Indio-Riten seines Herkunftstammes und dem selbstbestimmten urbanen Leben, das ihn anzieht, muss ein junger Mann in "Antes o tempo não acabava" ertragen. Der brasilianischen Menschenrechtlerin Yvonne Bezerra de Mello, vor 15 Jahren Protagonistin in Kriegerin des Lichts, stattet Monika Treut in "Zona Norte" erneut einen Besuch ab und erkundet die Entwicklung ihrer alternativen Pädagogik in der Arbeit mit Straßenkindern. Zwei Filme aus Chile vervollständigen die diesjährige Lateinamerika-Auswahl: Alejandro Fernández Almendras beobachtet in "Aquí no ha pasado nada" (Much Ado About Nothing) Auswirkungen von Klassengesellschaft und Korruption auf eine Gruppe privilegierter Jugendlicher, und im Erstling "Nunca vas a estar solo" (You'll Never Be Alone) von Alex Anwandter sucht ein Vater vergebens Rückhalt, wenn sein junger schwuler Sohn einem Hassverbrechen in der Nachbarschaft zum Opfer fällt.

E J-yong, wiederholt zu Gast, erzählt in "Jug-yeo-ju-neun Yeo-ja" (The Bacchus Lady) die Geschichte einer leisen Heldin: Ihr Leben widmete sie den Männern und nun im Alter gar den Tod - doch war sie, im Rahmen des Patriarchats, selbstbestimmter und freier, als es die Gattinnen ihrer Kunden je sein konnten. Vertiefende dokumentarische Einblicke in die koreanische Welt geben "The Lovers" and "The Despot" um das nach Nordkorea entführte Traumpaar des südkoreanischen Films und "WEEKENDS", der die rasanten Fortschritte und Fallstricke der schwulen Emanzipationsbewegung aufzeigt.

Die dramatische Geschichte eines Babydiebstahls gibt in "San Fu Tian" (Dog Days) einen modern-intimen Einblick in das neue China der Mittelklasse - dieser rasant wachsenden Schicht, die im Dokumentarfilm "Wu Tu" den Gemüsebauern jeden Quadratmeter streitig und somit die Grundform der Gentrifizierung erlebbar macht. Das Babythema wiederum wird in "Inside the Chinese Closet" weitergetragen: Scheinehen und andere Gesellschaftskonstruktionen werden erfunden, um der konservativen Familienstruktur Genüge zu tun, ob die Beteiligten wollen oder nicht.

So geht es auch dem jungen Israeli in "Who’s Gonna Love Me Now?", der nach London Reißaus nahm und wo HIV das Familienverhältnis weiter kompliziert - ein wenig beachtetes Thema in den letzten Jahren, das aber von mehreren Produktionen im Panorama 2016 aufgegriffen wird: "Strike a Pose" über die Tänzer von Madonna's legendärer Blond Ambition Tour gehört dazu, ferner "Brüder der Nacht" und "Kiki", sowie die bereits gemeldeten "Der Ost-Komplex", "Uncle Howard", "Mapplethorpe: Look at the Pictures" und als Spielfilm "Théo et Hugo dans le même bateau". Aids ist nicht aus der Welt!

Der Panorama Publikums-Preis wird zum 18. Mal gemeinsam mit radioeins für den besten Spiel- und Dokumentarfilm – 2015 wurden über 32.000 Stimmen abgegeben - am Berlinale Publikumstag: 2016 am 21. Februar, im CinemaxX 7 um 17:00 Uhr verliehen. Im Anschluss kommen die Gewinnerfilme zur Aufführung. Zum vierten Mal wird der Heiner-Carow-Preis in Zusammenarbeit mit der DEFA-Stiftung zur Förderung der deutschen Filmkunst im Panorama an einen Dokumentar-, Spiel- oder Essayfilm vergeben. Im Anschluss an die Verleihung am 18. Februar wird um 17:00 Uhr "Die Russen kommen" von Heiner Carow (DDR 1968) im Kino International aufgeführt.

Panorama 2016:
Antes o tempo não acabava (Time Was Endless) – Brasilien / Deutschland Von Sérgio Andrade, Fábio Baldo Mit Anderson Tikuna, Rita Carelli, Begê Muniz, Emanuel Aragão Weltpremiere

Auf Einmal – Deutschland / Niederlande / Frankreich Von Aslı Özge Mit Sebastian Hülk, Julia Jentsch, Hanns Zischler, Sascha Alexander Gerşak Weltpremiere

Aquí no ha pasado nada (Much Ado About Nothing) - Chile Von Alejandro Fernández Almendras Mit Agustín Silva, Paulina García, Alejandro Goic, Luis Gnecco, Daniel Alcaíno Europapremiere

Jug-yeo-ju-neun Yeo-ja (The Bacchus Lady) - Republik Korea Von E J-yong Mit Youn Yuh-jung, Chon Moo-song, Yoon Kye-sang, An A-zu, Choi Hyun-jun Weltpremiere

La Route d'Istanbul (Road to Istanbul) – Algerien / Frankreich / Belgien Von Rachid Bouchareb Mit Astrid Whettnall, Pauline Burlet, Patricia Ide, Abel Jafri Weltpremiere

Mãe só há uma (Don’t Call Me Son) – Brasilien Von Anna Muylaert Mit Naomi Nero, Dani Nefussi, Matheus Natchergaele, Daniel Botelho, Luciana Paes Weltpremiere

Nunca vas a estar solo (You'll Never Be Alone) – Chile Von Alex Anwandter Mit Sergio Hernández, Andrew Bargsted, Jaime Leiva Weltpremiere

San Fu Tian (Dog Days) – Hongkong, China / Volksrepublik China Von Jordan Schiele Mit Huang Lu, Tian Mu Chen, Luo Lan Shan Weltpremiere

Shelley – Dänemark / Schweden Von Ali Abbasi Mit Ellen Dorrit Petersen, Cosmina Stratan, Peter Christoffersen Weltpremiere

Shepherds and Butchers - Südafrika / USA / Deutschland Von Oliver Schmitz Mit Steve Coogan, Andrea Riseborough, Garion Dowds Weltpremiere

Panorama Dokumente:
Brüder der Nacht - Österreich Von Patric Chiha Weltpremiere
Curumim - Brasilien Von Marcos Prado Weltpremiere
Europe, She Loves - Schweiz / Deutschland Von Jan Gassmann Weltpremiere
Inside the Chinese Closet - Niederlande Von Sophia Luvarà Internationale Premiere
Kiki – Schweden / USA Von Sara Jordenö Europapremiere
Strike a Pose - Niederlande Von Ester Gould, Reijer Zwaan Weltpremiere
The Lovers and the Despot - Großbritannien Von Rob Cannan, Ross Adam Europapremiere
WEEKENDS - Republik Korea Von Lee Dong-ha Weltpremiere
Who’s Gonna Love Me Now? – Israel / Großbritannien Von Tomer Heymann, Barak Heymann, Alexander Bodin Saphir Weltpremiere
Wu Tu (My Land) - Volksrepublik China Von Fan Jian Europapremiere
Zona Norte - Deutschland Von Monika Treut Weltpremiere

Bereits gemeldet:
Aloys – Schweiz / Frankreich, von Tobias Nölle, Weltpremiere
El rey del Once (The Tenth Man) – Argentinien, von Daniel Burman – Internationale Premiere
Goat – USA, von Andrew Neel - Internationale Premiere
Grüße aus Fukushima (Fukushima, mon Amour) – Deutschland, von Doris Dörrie - Weltpremiere
Indignation – USA, von James Schamus - Internationale Premiere - Debütfilm
Já, Olga Hepnarová (I, Olga Hepnarová) - Tschechische Republik / Polen / Slowakische Republik / Frankreich, von Tomas Weinreb, Petr Kazda - Weltpremiere
Jonathan – Deutschland, von Piotr J. Lewandowski - Weltpremiere – Debütfilm
Junction 48 – Israel / Deutschland / USA, von Udi Aloni - Weltpremiere
Kater (Tomcat) – Österreich, von Händl Klaus - Weltpremiere
Les premiers, les derniers (The First, the Last) – Frankreich / Belgien, von Bouli Lanners - Internationale Premiere
La helada negra (The Black Frost) – Argentinien, von Maximiliano Schonfeld- Weltpremiere
Lantouri – Iran, von Reza Dormishian - Internationale Premiere
Little Men – USA, von Ira Sachs - Internationale Premiere (Cross-Section Generation)
Maggie's Plan – USA, von Rebecca Miller - Europapremiere
Nakom – Ghana / USA, von Kelly Daniela Norris, TW Pittman - Weltpremiere
Ranenyy Angel (The Wounded Angel) – Kasachstan / Frankreich / Deutschland, von Emir Baigazin - Weltpremiere
Remainder – Großbritannien / Deutschland, von Omer Fast - Internationale Premiere
S one strane (On the Other Side) - Republik Kroatien / Serbien, von Zrinko Ogresta - Weltpremiere
Starve Your Dog – Marokko, von Hicham Lasri - Europapremiere
Sufat Chol (Sand Storm) – Israel, von Elite Zexer - Europapremiere - Debütfilm
Théo et Hugo dans le même bateau (Paris 05:59) – Frankreich, von Olivier Ducastel, Jacques Martineau - Weltpremiere
The Ones Below – Großbritannien, von David Farr - Europapremiere - Debütfilm
War on Everyone – Großbritannien, von John Michael McDonagh - Weltpremiere
While the Women Are Sleeping – Japan, von Wayne Wang – Weltpremiere

Panorama Dokumente:
Der Ost-Komplex (The GDR Complex) – Deutschland, von Jochen Hick -Weltpremiere
Don't Blink - Robert Frank – USA / Frankreich, von Laura Israel - Internationale Premiere
Hotel Dallas – Rumänien / USA, von Livia Ungur, Sherng-Lee Huang - Weltpremiere - Debütfilm
Mapplethorpe: Look at the Pictures – USA / Deutschland, von Fenton Bailey, Randy Barbato - Internationale Premiere
Mariupolis – Litauen / Deutschland / Frankreich / Ukraine, von Mantas Kvedaravicius - Weltpremiere
Uncle Howard – Großbritannien / USA, von Aaron Brookner - Europapremiere

Teddy30:
1 Berlin Harlem – Deutschland (BRD), 1974, von Lothar Lambert, Wolfram Zobus
Anders als die Andern - Deutschland, 1919, von Richard Oswald
Before Stonewall – USA, 1984, von Greta Schiller, Robert Rosenberg
Die Betörung der Blauen Matrosen - Deutschland (BRD), 1975, von Ulrike Ottinger
Die Wiese der Sachen - Deutschland (BRD), 1974-1987, von Heinz Emigholz Gendernauts - Eine Reise durch die Geschlechter - Deutschland, 1999, von Monika Treut
Hedwig and the Angry Inch – USA, 2001, von John Cameron Mitchell
Je, tu, il, elle (I, You, He, She) - Frankreich / Belgien, 1974, von Chantal Akerman
Looking for Langston - Großbritannien, 1989, von Isaac Julien
Machboim (Hide and Seek) – Israel, 1979, von Dan Wolman
Marble Ass – Jugoslawien, 1995, von Želimir Žilnik
Nitrate Kisses – USA, 1992, von Barbara Hammer
Parting Glances - USA 1986, von Bill Sherwood
The Watermelon Woman – USA, 1996, von Cheryl Dunye
Tongues Untied – USA, 1989, von Marlon Riggs
Toute une nuit (A Whole Night) - Frankreich / Belgien, 1982, von Chantal Akerman
Tras el cristal (In a Glass Cage) – Spanien, 1987, von Agustí Villaronga



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