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Berlinale 2016 Poster
Berlinale 2016 Poster
© Berlinale

Berlinale Kamera 2016 für Marlies Kirchner, Ben Barenholtz und Tim Robbins

"Dead Man Walking" jährt sich zum 20. Mal

Bei den 66. Internationalen Filmfestspielen werden drei Persönlichkeiten mit der Berlinale Kamera geehrt: Der Produzent, Kinobetreiber und Filmverleiher Ben Barenholtz (USA), der Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Tim Robbins (USA) und die Kinobetreiberin Marlies Kirchner (Deutschland). Mit der Berlinale Kamera zeichnen die Internationalen Filmfestspiele Berlin seit 1986 Filmpersönlichkeiten oder Institutionen aus, denen sie sich besonders verbunden fühlen und denen sie mit dieser Ehrung ihren Dank ausdrücken möchten.

Der im östlichen Polen, heute Teil der Ukraine, geborene Ben Barenholtz ist eine der wichtigsten Schlüsselfiguren im US-amerikanischen Independent-Kino. Nachdem er 1947 in die USA immigrierte, begann er 1959 seine Karriere als Assistent im RKO Bushwick Kino in New York. Von 1966 bis 1968 leitete er das Village Theater – bedeutender Treffpunkt für Anti-Vietnam-Aktivisten und Bühne damaliger Musiklegenden wie Nina Simone, John Coltrane, aber auch Bands wie The Who und Cream. 1968 eröffnete Barenholtz das New York Elgin Cinema, das zu einem wichtigen Forum für Independent-Filmemacher wurde und unter anderem Künstler wie Jack Smith, Andy Warhol, Jonathan Demme und Martin Scorsese eine erste Plattform für ihre Arbeiten bot. Zudem nahm er Klassiker der Filmgeschichte wie Filme von Buster Keaton wieder ins Kinoprogramm auf.

Er war Erfinder des legendären "Midnight Movie"-Formats mit dem Film "El Topo" (R: Alejandro Jodorowsky, 1970) und verhalf in der Folge vielen Underground-Filmen zum Kultstatus. 1972 gründete Ben Barenholtz den Filmverleih Libra Films, unter dessen Dach Filme wie "Vor Einbruch der Nacht" (R: Claude Chabrol, 1971), "Cousin Cousine" (R: Jean-Charles Tachella, 1975) und "Eraserhead" (David Lynch, 1977) in die Kinos kamen. 1984 folgte der Wechsel zu Circle Releasing. Als Vorsitzender des Filmverleihs war er für die Herausbringung von Filmen wie "Lolita 90" (R: Catherine Breillat, 1988), "Geschichten aus dem Gimli Hospital" (R: Guy Maddin, 1988), "Thérése" (R: Alain Cavalier, 1986) und dem ersten Spielfilm der Coen-Brüder "Blood Simple – Eine mörderische Nacht" (1984) verantwortlich.

Während dieser Zeit begann sein Engagement im Bereich Filmproduktion mit den Coen-Brüdern, darunter "Arizona Junior" (1987), "Miller’s Crossing" (1990) und "Barton Fink" (1991), Gewinner aller drei Hauptpreise des Filmfestivals in Cannes. Weitere Erfolge als Produzent verzeichnete er mit "Georgia" (R: Ulu Grosbard, 1995) und "Requiem for a Dream" (R: Darren Aronofsky, 2000). 2008 wurde er in die Jury für den Preis Bester Erstlingsfilm der 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin eingeladen. Sein Regiedebüt gab er 2005 mit "Music Inn" über den berühmten New Yorker Musikladen, gefolgt von "Wakaliwood: The Documentary" (2012), der gänzlich in Kampala (Uganda) gedreht wurde.

Am Freitag, den 12. Februar 2016 um 14:30 Uhr wird Ben Barenholtz im Kinosaal des Martin-Gropius-Baus in Anwesenheit der Coen Brüder mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet. Im Anschluss an die vom polnischen Fernsehen produzierte Dokumentation "Perseverance" (work in progress) über Barenholtz' Leben findet ein Q&A statt, moderiert von Michael Barker.

Die Vergabe der Berlinale Kamera an Ben Barenholtz ist der Auftakt für eine in Zukunft jährliche Verleihung dieses renommierten Preises im European Film Market an eine herausragende Produzentin oder einen herausragenden Produzenten.

Seit nunmehr fast 40 Jahren arbeitet Tim Robbins erfolgreich als Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Hollywood. Für seine Darstellung in "Mystic River" (R: Clint Eastwood, 2003) erhielt er sowohl einen "Oscar" als auch einen Golden Globe für die "Beste männliche Nebenrolle". Das Filmfestival in Cannes ehrte ihn 1992 als Besten Hauptdarsteller in Robert Altman's "The Player". Er spielte des weiteren in Filmerfolgen wie "Annies Männer" (R: Ron Shelton, 1988), "Short Cuts" (R: Robert Altman, 1993), "Die Verurteilten" (R: Frank Darabont, 1994), "Hudsucker - Der große Sprung" (R: Joel & Ethan Coen, 1994), Isabel Coixet's "Das geheime Leben der Worte" (2005) und Fernando Leòn de Aranoa's A Perfect Day (2015).

1992 war Robbins für Drehbuch und Regie bei der Politsatire "Bob Roberts" verantwortlich und 1999 bei "Das Schwankende Schiff", der in den Wettbewerb des Cannes Filmfestivals eingeladen wurde und zwei Gran Agular Preise (Bester Film und Beste Regie) beim Sitges Film Festival (Festival Internacional de Cinema Fantàstic de Catalunya) erhielt.

Bei der Berlinale 1996 wurde Robbins’ Regiearbeit "Dead Man Walking – Sein letzter Gang" mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Silbernen Bären für Hauptdarsteller Sean Penn. Der Film erhielt vier "Oscar"-Nominierungen, darunter in der Kategorie "Beste weibliche Hauptrolle", die Susan Sarandon gewann. Tim Robbins beehrte die Berlinale erneut 2013, diesmal als Mitglied der Internationalen Jury.

Zusätzlich zu seiner Arbeit im Filmbusiness ist Tim Robbins seit mehr als 30 Jahren Künstlerischer Direktor der Theatergruppe The Actor's Gang in Los Angeles, die mit ihren Produktionen auf fünf Kontinenten, unter anderem mit Stücken wie William Shakespeare's "Ein Sommernachtstraum", George Orwell's "1984", "The Trial of the Catonsville Nine" und "Embedded" gastierte. Darüber hinaus setzen Tim Robbins und das Actors’ Gang Prison Project Schauspiel als Mittel zur Rehabilitierung kalifornischer Häftlinge ein. Bis zum heutigen Tag nahmen mehr als 500 Gefängnisinsassen an diesem Projekt teil, dem kürzlich die Anerkennung der Strafvollzugsbehörde und der US-amerikanischen Justizbehörde zu Teil wurde.

2014 wurde Robbins mit dem National Guild for Community Arts Education Leadership Award ausgezeichnet. Anerkannt wurde seine innovative und soziale Arbeit als Film- und Theaterkünstler sowie sein leidenschaftlicher Einsatz für soziale Gerechtigkeit und kulturelle Bildung. Als Begründung gab die Gilde an: "The Actor’s Gang Prison Project ist ein innovatives, nationales Vorbild in diesem Bereich, das demonstriert, wie sehr Kultur Menschen dabei unterstützen kann, ihr Leben zu ändern und soziales und kreatives Potenzial zu fördern."

Die Verleihung der Berlinale Kamera an Tim Robbins findet am Samstag, den 13. Februar 2016 um 22:30 Uhr im Kino International statt. Die Laudatio hält die katalanische Regisseurin Isabel Coixet. Moderiert wird die Veranstaltung von dem deutschen Schauspieler Louis Klamroth. Im Anschluss wird der Berlinale-Gewinner "Dead Man Walking – Sein letzter Gang" (1995) gezeigt.

Dem Film ist die Münchner Kinobetreiberin Marlies Kirchner seit mehr als 40 Jahren verschrieben. Zu Beginn für den Verleih Neue Filmkunst bei den Filmfestspielen in Cannes tätig, später als Mitinhaberin des Theatiner Filmkunst Kinos in München, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Walter Kirchner führte und seit 1975 alleine leitet. Das heute denkmalgeschützte Kino wurde 1957 mit der italienischen Filmkomödie "Räuber und Gendarm" mit Totò eröffnet und entwickelte sich in den Jahren zu einer Münchner Institution und einem Zuhause für Cineasten.

Die Qualität des Programms war seit jeher hoch: Verbotene Filme aus dem Dritten Reich, frühe Avantgarde-Filme und das europäische Autorenkino, zumeist im Original mit Untertitel, sorgten für eine abwechslungsreiche und anspruchsvolle Filmauswahl für das Münchner Kinopublikum. Mit dem Verleih Neue Filmkunst wurde das Angebot zudem mit Filmfestival-Entdeckungen ergänzt. Der Beitrag des Kinos zur Erhaltung der Filmkunst und die Bemühungen Marlies Kirchners um die Aufrechterhaltung eines künstlerisch wertvollen Programms in der bayerischen Hauptstadt wurde mehrmals mit dem Kinoprogrammpreis der Stadt München gewürdigt, zuletzt im Jahr 2015. Das Filmfest München widmete ihr darüber hinaus 1999 eine Hommage.

Die Verleihung der Berlinale Kamera an Marlies Kirchner findet am Mittwoch, den 17. Februar 2016 um 12:30 Uhr im Berlinale Lunch Club statt.

Die Berlinale Kamera wird seit 1986 verliehen. Bis 2003 war der Berliner Juwelier David Goldberg Stifter dieser Auszeichnung. In den Jahren 2004 bis 2013 übernahm das Düsseldorfer Atelier Georg Hornemann Objects die Stiftung des Preises und im Rahmen der Berlinale 2008 wurde die Trophäe vom Goldschmiedekünstler Hornemann neu gestaltet: Die Berlinale Kamera besteht aus 128 Einzelteilen und ist einer realen Filmkamera nachempfunden. Viele der Silber- und Titanteile von Schwenkkopf bis Stativ sind beweglich.


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