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Eolomea von Herrmann Zschoche
Eolomea von Herrmann Zschoche
© DEFA Stiftung / Alexander Kühn

Berlinale-Retrospektive 2017: "Future Imperfect. Science · Fiction · Film"

Sonderschau, Ausstellung und Veranstaltungen

Die Retrospektive der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin widmet sich dem Science-Fiction-Film und damit einem der bildgewaltigsten und spektakulärsten Genres der Filmgeschichte. Sie zeigt imaginierte Welten einer unvollendeten Zukunft, wie sie der Science-Fiction-Film seit seinen Anfängen inszeniert. Im Zentrum der Schau stehen zwei Themen: die Gesellschaft der Zukunft und das Fremde. Insgesamt umfasst die Retrospektive 27 internationale Spielfilme, darunter Klassiker, Kultfilme und weitgehend unbekannte Produktionen etwa aus Japan sowie Mittel- und Osteuropa.

"Der Science-Fiction-Film ist eines der kommerziell erfolgreichsten Film-Genres. Die möglichen Welten auf der Erde oder im All eröffnen einen weiten Raum, um Fragen nach kollektiven Visionen und Ängsten immer wieder neu zu verhandeln. Als Spiegel gesellschaftlicher Debatten sind Science-Fiction-Filme deshalb hochaktuell", so Festivaldirektor Dieter Kosslick.

Der Reiz dieser Filme liegt insbesondere darin, dass sie eine ferne Zukunft sinnlich erfahrbar machen. Positive Zukunftswelten sind hierbei allerdings die Ausnahme. Dominiert wird das Genre von Dystopien, die zeitgenössischen Fragen in der pessimistischen Zuspitzung eine besondere Brisanz verleihen. Die Öko-Dystopie "Soylent Green" von 1973 zum Beispiel handelt von Überbevölkerung und Umweltverschmutzung. In reduzierten Farben entwirft sie eine Welt, in der Wasser, Nahrung und Wohnraum hart umkämpft sind und die Bevölkerung wie Abfall recycelt wird.

Zentral für das Genre ist die Auseinandersetzung mit totalitären Systemen und allgegenwärtiger Überwachung wie in "1984" aus dem Jahr 1956, der ersten Kinoverfilmung von George Orwell's bekanntem Roman. Einprägsam zeichnet George Lucas in "THX 1138" aus dem Jahr 1971 eine technokratische Zukunftsvision von einer hocheffizienten und vollautomatisierten Gesellschaft, in der Gefühle und der freie Wille des Einzelnen durch Medikamente unterdrückt werden.

In postapokalyptischen Filmen ist die Erde unbewohnbar. So haben sich in dem polnischen Film "O‑bi, o‑ba: Koniec cywilizacji" von 1985 die Überlebenden einer atomaren Katastrophe unter die Erdoberfläche zurückgezogen. Wo jegliche zivilisatorische Ordnung ausgelöscht ist, herrschen Gewalt und Chaos, es bilden sich aber auch neue Formen von Gemeinschaft heraus.

Allgegenwärtig ist in Science-Fiction-Filmen das Sujet des Fremden oder unbekannten Anderen. Immer wieder entwickeln sie Szenarien, in denen Menschen mit extraterrestrischen Lebensformen in Kontakt treten und wie Außerirdische aussehen und leben. Der dänische Stummfilm "Himmelskibet" (Das Himmelsschiff), der 1918 uraufgeführt wurde und damit zu den frühesten Science-Fiction-Filmen überhaupt gehört, beschwört noch die friedliche Vision von einer Mars-Erkundung und der Begegnung mit den dort lebenden Wesen. Freundlich wirken auch die seesternförmigen Außerirdischen in dem japanischen Streifen "Uchūjin Tōkyō ni Arawaru" (Die Außerirdischen erscheinen in Tokio) von 1956 oder Steven Spielberg's kindliche Wesen in "Close Encounters of the Third Kind" (Unheimliche Begegnung der dritten Art) von 1977.

Der Genre-Klassiker "The War of the Worlds" von 1953 hingegen steht exemplarisch für bedrohliche Alien-Invasionen aus dem All. Das Andere kann jedoch auch innerhalb der menschlichen Gesellschaft oder gar im Individuum selbst zutage treten. Künstliche Intelligenz, Androiden und Roboter werfen die Frage nach dem Unterschied zwischen Mensch und Maschine auf. Sie stellt sich auf düstere und erbarmungslose Weise auch in dem sowjetischen Werk "Test Pilota Pirxa" von 1979.

"Bei der Filmauswahl haben wir uns von den Themen unserer Ausstellung ‚Things to Come‘ inspirieren lassen. Die Retrospektive nimmt nun die Geschichte des Genres in den Blick und zeigt cineastische Vorstellungswelten auch aus Ländern wie Dänemark, Japan, Polen oder der Tschechoslowakei", kommentiert Rainer Rother, Leiter der Retrospektive und Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek.

Parallel zur Retrospektive zeigt die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen seit Juni 2016 die Ausstellung "Things to Come. Science · Fiction · Film". Sie ist bis zum 23. April 2017 im Filmhaus am Potsdamer Platz zu sehen und widmet sich als einem weiteren Schwerpunkt auch der Verflechtung von Science und Fiction, von Wissenschaft und Fiktion. Die Begleitpublikation zur Retrospektive erscheint erstmals ausschließlich in englischer Sprache. Der reich illustrierte Band im Bertz + Fischer Verlag präsentiert Essays von renommierten internationalen Autoren, die den Science-Fiction-Film im Kontext von nationalen Kinematografien ergründen.

Bereits zum zweiten Mal ergänzt die Mediathek Fernsehen der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen die Retrospektive: In einer Sonderschau zeigt sie, wie intensiv sich das deutsche Fernsehen seit Jahrzehnten mit dem Thema Zukunft auseinandersetzt. Zur Retrospektive wird es zahlreiche Veranstaltungen in der Deutschen Kinemathek geben. The Museum of Modern Art (MoMA) in New York City ist seit 2011 Partner der Retrospektive. Im Sommer 2017 wird es seine erweiterte Schau von Science-Fiction-Filmen, organisiert vom MoMA Curator of Film Joshua Siegel, präsentieren.



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