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Berlinale Panorama 2018: Ungehorsam

"Body Politics", Auftritt gegen den Machismo und große Präsenz Lateinamerikas

Im Februar 2018 präsentiert das Panorama auf der Berlinale sein erstes Programm, das von der neuen Sektionsleiterin Paz Lázaro gemeinsam mit Michael Stütz und Andreas Struck kuratiert wird. Zu diesem Zeitpunkt sind die ersten elf Filme ins Programm eingeladen.

In der deutschen Dokumentation "Zentralflughafen THF" begleitet der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Aïnouz den Alltag von Geflüchteten, die in den Hangars des stillgelegten Berliner Flughafens davon träumen, endlich anzukommen, während nebenan auf dem Tempelhofer Feld Berliner ihrem Alltag entfliehen.

Timur Bekmambetov's US-amerikanischer Spielfilm "Profile" lässt eine britische Journalistin undercover in die digitalen Propagandakanäle des sogenannten Islamischen Staats eintauchen, der immer mehr junge Frauen aus Europa mobilisiert. Ihr täglicher Internet-Kontakt mit einem ISIS-Rekrutierer wird für sie zum fesselnden Sog, in dem sich die Grenzen ihrer Nachforschungen verschieben.

In "Yocho Foreboding", dem neuesten Science-Fiction-Film des japanischen Regisseurs Kiyoshi Kurosawa, bemächtigen sich Aliens menschlicher Gefühle. Ihr unheimliches Unterwerfungssystem entzündet eine Paranoia, die jede individuelle Bestrebung in Gefügigkeit umwandelt. Ebenso aus Japan und inspiriert von dem gleichnamigen Manga ist "River's Edge" von Isao Yukisada. Kurz nach dem Zusammenbruch des japanischen Wirtschaftsbooms in den neunziger Jahren ringt eine Gruppe Jugendlicher um Verbindung zu ihren Gefühlen. Frustration und Wut entladen sich in einem Rausch aus Sex und Aufruhr.

Aus Lateinamerika sind bereits vier Produktionen bestätigt: In seinem ersten Spielfilm "La omisión" erzählt der Argentinier Sebastián Schjaer in intimen Bildern von einer Gelegenheitsarbeiterin, die sich in dicke Winterkleidung hüllt – gegen die Kälte Feuerlands und gegen Erwartungen, denen sich die junge Mutter nicht unterordnen will. Ebenfalls aus Argentinien kommt "Malambo, el hombre bueno" von Santiago Loza. Verzaubernde Schwarz-Weiß-Bilder schildern die Geschichte eines Malambo-Tänzers, für den die eigenen Knochen zum Rivalen werden. Ein ganzes Leben lang trainieren die "Malambistas" für den Wettbewerb – und wer gewinnt, muss aufhören. Eine Freiheitsbestrebung, in der Qual und Erfüllung eindrucksvoll verschmelzen. Atmosphärisch dicht zeigt die brasilianische Dokumentation "Ex-Pajé" von Luiz Bolognesi den drohenden Ethnozid der im Amazonasbecken lebenden indigenen Paiter Suruí. Ein ehemaliger, christianisierter Schamane wendet sich seinen im Stich gelassenen Geistern wieder zu, um seine kulturelle Identität zu bewahren.

Um "Body Politics" geht es im ebenfalls aus Brasilien stammenden Dokumentarfilm "Bixa Travesty". Der weibliche TransKörper wird zum politischen Ausdrucksmittel im öffentlichen wie privaten Raum. Die schwarze, transidente Sängerin Linn da Quebrada dekonstruiert das Selbstverständnis der Alpha-Männer. Kiko Goifman und Claudia Priscilla porträtieren eine charismatische Gender-Denkerin und Künstlerin mit beachtlicher Bühnenpräsenz. Auch das traumwandlerische Film-Poem "Obscuro Barroco" der griechischen Regisseurin Evangelia Kranioti stellt eine transidente Persönlichkeit Brasiliens in den Mittelpunkt: Luana Muniz (1961-2017), Ikone der queeren Subkultur, treibt durch die Realität Rio de Janeiros, einer Stadt der Extreme mit ihren politischen Kämpfen, Fassaden des Karnevals und neuen Körpern, deren Transformationen kein klares Geschlecht mehr kennen.

In beiden Werken manifestiert sich ein weiteres wichtiges Thema des Panorama 2018: "Auftritt gegen den Machismo" – dafür steht der bereits erwähnte "La omisión" ebenso wie der österreichische Spielfilm "L'Animale" von Katharina Mückstein: Eine 18-jährige Abiturientin macht mit ihrer Motocross-Clique die Gegend unsicher. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, maskuline Überlegenheit und leidenschaftliche Hingabe wecken widersprüchliche Kräfte in ihr.

Nach seinen Panorama-Erfolgen "The Black Power Mixtape 1967-1975" und "Concerning Violence" präsentiert Göran Hugo Olsson "That Summer" und lässt darin das exzentrische Universum des symbiotischen Mutter-Tochter-Duos aus dem Klassiker Grey Gardens aufleben. Die Dokumentation enthüllt verloren geglaubtes Filmmaterial aus dem Sommer 1972 von Peter Beard und Jacqueline Kennedy Onassis' Schwester Lee Radziwill. Ergänzende Filmaufnahmen von Andy Warhol, Jonas Mekas, Albert Maysles und Vincent Fremont geben einen Einblick in die Dynamik der damaligen Künstler-Community der Hamptons.



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