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The Mermaids
The Mermaids
© Karrabing Film Collective

Berlinale 2019: 14. Forum Expanded

Anti-Kino und Echokammern

In einer Zeit, in der Bewegtbilder allgegenwärtig sind, werden mediale Grenzüberschreitungen, wenn sie überhaupt noch so zu nennen sind, durch andere Parameter bestimmt. Spannungsverhältnisse zwischen Mainstream und Underground, Erzählkino und Avantgarde, Kunst und Kino scheinen weitgehend aufgelöst. Heute stellen sich verstärkt übergreifende Fragen zum Verhältnis der Bilder zum Realen. Das 14. Forum Expanded der Berlinale zeigt 30 Kurz- und Langfilme, 17 installative Arbeiten und eine Performance, die auf das Leben außerhalb der Echokammern verweisen, in denen wir uns nicht nur in den sozialen Medien wiederfinden.

Der argentinische Beitrag "Parsi" von Eduardo Williams und Mariano Blatt nimmt das Motiv des Echos auf und überhöht es durch Wiederholung: Ein repetitives, virtuell endloses Gedicht wird zur Grundlage einer sich überschlagenden filmischen Tour de Force.

Das Karrabing Film Collective findet einen Gegenentwurf zur Echokammer in der Mythologie der australischen Indigenen. In "The Mermaids, or Aiden in Wonderland" wird die Figur der Meerjungfrau zum Ansatz für eine Kritik an Kolonialismus und extraktivem Kapitalismus.

Um Ressourcen geht es auch in "Labour Power Plant" von Robert Schlicht und Romana Schmalisch. Der Film entwirft eine unangenehm vertraute Zukunft des Arbeitens, in der Menschen im "Arbeitskraftwerk" normiert und zugerichtet werden.

Eine Brücke in die Geschichte des Persischen Golfs schlägt Monira Al Qadiri's "Installation Diver". Vor der Entdeckung von Erdöl war das Perlentauchen die Grundlage der Wirtschaft der Golfregion. Synchronschwimmerinnen in schillernden Anzügen stehen symbolisch für beide Rohstoffe ein, und für eine Vergangenheit, die heute in die Popkultur verbannt wurde.

Auch Ala Younis widmet sich mit "Drachmas" der Populärkultur des arabischen Raums. Die minimalistischen Modelle von Sets arabischer TV-Dramen lösen diese aus ihren sozialen, politischen, ökonomischen und geografischen Kontexten und feiern das Studio als Ort bescheidener Mittel und hoher Produktivität.

Wie ein Komet streifte Ricky Shayne zwischen 1967 und 1972 die bundesdeutsche Unterhaltungskultur. Stephan Geene nimmt in "SHAYNE" Fan-Material und persönliche Erinnerungen als Ausgangspunkt für ein serielles TV-Anti-Portrait des Musikers, dessen lebensgroße "Starschnitte" gleich zwei Mal in der Jugendzeitschrift BRAVO erschienen.

Die beängstigende Kehrseite des Pops zeigen Paul und Damon McCarthy in "DADDA – Poodle House Saloon": In einer wilden Westernfarce bekämpfen sich bizarre Varianten von Pop-Ikonen wie Donald und Daisy Duck, Minnie Mouse, Andy Warhol oder die Cartwrights unerbittlich – bis zum blutigen Ende.

Einen kritischen Einblick in das Filmfestivalgeschäft wagen schließlich Mpumelelo Mcata und Perivi Katjavivi: Film Festival Film, die dokumentarisch-fiktive Geschichte einer jungen Schwarzen Regisseurin, die auf einem Festival ihren Debütfilm zu pitchen versucht, wehrt sich gegen die kommerzielle Vereinnahmung künstlerischer Visionen und entwirft ein Anti-Kino - nicht nur für den afrikanischen Kontext, in dem der Film entstand.


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