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Schlaf - Sandra Hüller
Schlaf - Sandra Hüller
© Marius von Felbert / Junafilm

Berlinale Perspektive Deutsches Kino: Heimatfilm und Heimathorror

Acht Weltpremieren

Mit einem kompakten Programm von acht Filmen feiert die Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale 2020 die Weltpremieren von jeweils vier herausragenden Spiel- und Dokumentarfilmen. Aus mehr als 200 angemeldeten Arbeiten kristallisierten sich diese visuell, formal und inhaltlich interessanten Filme heraus. 2020 wird erstmals das Kino International Premierenkino der Perspektive Deutsches Kino sein. Alle acht Filme konkurrieren um den mit 5000 € dotierten Kompass-Perspektive-Preis. Die Regisseurin Mia Spengler, der Drehbuchautor Bernd Lange und die Produzentin Melanie Andernach entscheiden über den Preis für den besten Film des Programms, der am Freitag, den 28. Februar um 19.30 Uhr im Kino International vergeben wird. Im Anschluss wird der Gewinnerfilm gezeigt.

Welche Perspektiven eröffnet der deutsche Film? Und welchen filmischen Ausdruck finden die Regisseure für ihre ersten Arbeiten? Die Perspektive Deutsches Kino zeigt, was die neuen Autorenfilmer bewegt und welche Fragen sie an die Gesellschaft und ihre soziale und politische Ausrichtung haben. "Ich betrachte jeden Film des Programms als einen Heimatfilm, nicht als Verklärung im romantisch-kitschigen Stil der fünfziger Jahre, sondern als Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben – bis hin zum Heimathorror", kommentiert Sektionsleiterin Linda Söffker ihre diesjährige Auswahl.

In fast allen Filmen der Auswahl werfen die Regisseure das Licht vor allem auf agierende Frauen, die in kleinen und großen Zusammenhängen die Geschicke der Welt bewegen und ihre eigene Vorstellung von Heimat haben. Die Filme zeigen, dass neue Fragen gestellt werden müssen in einer Welt, in der sich der Begriff von Heimat wandelt.

Wie lässt es sich leben, wenn die Arbeit durch Automatisierung und Digitalisierung verschwindet?, fragt "Automotive" von Jonas Heldt. Welchen Einfluss hat unsere Vergangenheit auf nachfolgende Generationen, und wie definieren wir uns dadurch?, fragen "Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt" von Eliza Petkova, "Schlaf" von Michael Venus und "Walchensee Forever" von Janna Ji Wonders. Was haben Flucht, Vertreibung und Integration für einen Einfluss auf unsere Identität?, fragt "Im Feuer" von Daphne Charizani. Wie kann man in prekären Verhältnissen unter Patchwork-Bedingungen bei seinen Kindern ein sicheres Heimatgefühl entwickeln?, fragt "Kids Run" von Barbara Ott. Sind Hobbyräume als Projektionsfläche für große Träume eine Alternative zum getakteten Leben?, fragt "Garagenvolk" von Natalija Yefimkina. Und wie wollen wir in Zukunft leben, und in welche Richtung bewegt sich unser Land?, fragt "Wagenknecht" von Sandra Kaudelka.

Das Programm wird am Berlinale Publikumstag mit dem Gewinnerfilm des FIRST STEPS Award (Dokumentarfilm) "Out of Place" von Friederike Güssefeld abgeschlossen (Sonntag, den 1. März um 20:30 Uhr im CinemaxX 1).


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