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Berlinale Shorts-Jury-Mitglieder Lemohang Jeremiah Mosese, Reka Bucsi und Fatma Colakoglu
© Thabi Thindi, Heinrich Völkel und Caglayan Cevik

Berlinale Shorts: Von der Freiheit, sich selbst die Freiheit nicht zu nehmen

Programm und Jury vorgestellt

Vor 70 Jahren wurde die Berlinale gegründet, als "Schaufenster der freien Welt". Wie sieht Freiheit heute aus? Wie nimmt man sich Freiheit - im doppelten Sinne des Wortes? In 24 Filmen aus 18 Ländern ziehen sich diese und weitere Fragen durch das Wettbewerbsprogramm der Berlinale Shorts 2020.

Für die Berlinale Shorts selbst beginnt dieses Jahr ein neues Kapitel. Nachdem Maike Mia Höhne die Sektion zwölf Jahre leitete, übernimmt Anna Henckel-Donnersmarck nun die Position als Kuratorin und Sektionsleiterin und präsentiert ihr erstes Programm.

"Der Kurzfilm genießt eine besondere Freiheit", so Henckel-Donnersmarck. "Er muss keiner Norm gerecht werden, keine Erwartungshaltung erfüllen, keine Verwertungsketten bedienen. Seine besondere Magie entfaltet sich jenseits der gängigen Sehgewohnheiten. Diese Magie möchten wir mit dem Publikum teilen."

Die insgesamt 24 Filme bewegen sich fließend im weiten Spektrum der Themen sowie Ästhetiken und laden ein zu Reflexion, Inspiration und Diskussion.

1988 nahm Gabriele Stötzer sich die Freiheit und bat ihre Freunde im ostdeutschen Erfurt, sich an selbst gewählten Orten in Ekstase zu tanzen ("Veitstanz/Feixtanz"). 22 Jahre später versuchen virtuelle Soldaten innerhalb eines Computerspiels zu desertieren und damit die gesellschaftlichen Regeln des Spieles und des Krieges zu unterlaufen ("How to Disappear"). Nach kleinen und großen Momenten der Verweigerung und Widerspenstigkeit ("HaMa'azin", "Filipiñana", "Girl and Body", "So We Live", "Inflorescence") wird ebenso gesucht wie nach dem konkreten Freiheitsgefühl, das einem durch eine Gefängnisstrafe genommen wurde ("Huntsville Station").

Auch Tod und Verschwinden ziehen sich durch das Programm ("Gumnaam Din", "A l'entrée de la nuit"). Eigenwillige Trauerrituale spenden Trost und stiften Gemeinschaft ("T", "Playback", "Ensayo de una despedida", "Écume") und sind darüber hinaus eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart ("Union County", "Atkūrimas") und Vergangenheit ("Cause of Death") unserer Gesellschaft.

Und dann gibt es noch all die filmischen Welten, die jenseits des Realen liegen und ihm damit seine Schwere nehmen ("Genius Loci", "Celle qui porte la pluie"). Oder die absurden Kosmen, die ihre ganz eigenen Regeln aufstellen und damit Freiheit für sich neu definieren ("It Wasn't the Right Mountain, Mohammad", "Stump the Guesser", "My Galactic Twin Galaction"). Nicht zuletzt ermöglicht das Entwickeln eigener ästhetischer Regeln filmische Denkräume, die jenseits von Worten und Analysen zu finden sind ("2008", "Aletsch Negative", "A Demonstration"). Eine Freiheit, die eine Wonne sein kann.

Neben den etablierten Spielstätten CinemaxX und Colosseum wird Berlinale Shorts auch das CUBIX und den Zoo Palast bespielen. Im Zoo Palast finden erstmals die ausführlichen Publikumsgespräche statt, frei nach dem Motto "Shorts take their time".

Sondervorführungen für Presse und Akkreditierte werden am 22. und 23. Februar 2020 im CUBIX stattfinden, sowie im Vorfeld am 4. Februar 2020 im Kino Arsenal. Die Premieren der Berlinale Shorts-Filme beginnen offiziell am Montag, den 24. Februar 2020.

Für die Internationale Kurzfilmjury 2020 wurden die ungarische Animationsfilmerin Réka Bucsi, die türkische Kuratorin Fatma Çolakoğlu und der Filmemacher Lemohang Jeremiah Mosese aus Lesotho gewonnen.

Réka Bucsi's magisch-surreale Animationsfilme "Symphony No 42", "LOVE" und "Solar Walk" feierten ihre Premieren bei Berlinale Shorts, wurden auf Festivals weltweit gezeigt und mit über 50 Preisen ausgezeichnet. Für "Solar Walk" erhielt sie bei der Berlinale den Audi Short Film Award 2018. Diese Arbeit basiert auf einer 45-minütigen filmischen Symphonie, die sie im Auftrag und in Kollaboration mit dem Aarhus Jazz Orchestra realisierte. Bucsi hat sowohl den Bachelor als auch den Master of Arts an der Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design absolviert. Zu ihren Kunden gehören Adult Swim, FX Networks und Cartoon Network. Sie lebt und arbeitet in Budapest.

Fatma Çolakoğlu ist seit nunmehr 15 Jahren als Kuratorin sowohl für Ausstellungen als auch für Film und Videokunst tätig. 2005 etablierte sie die Filmabteilung des Istanbul Modern - Museum für zeitgenössische Kunst. Anschließend war sie verantwortlich für das Film- und Videoprogramm von Pera Film und leitete die Kommunikationsabteilung des Pera Museums Istanbul. Heute ist Çolakoğlu stellvertretende Direktorin für Forschung und Programmgestaltung am SALT in Istanbul. Çolakoğlu absolvierte ihren Bachelor of Arts in Filmgeschichte und -produktion am Emerson College in den USA und ihren Master of Arts in Theaterregie am Goldsmiths College der University of London.

Lemohang Jeremiah Mosese ist Filmemacher und Künstler und derzeit ansässig in Berlin. Er arbeitet als Autor, Regisseur und Kameramann. Seine preisgekrönten Kurzfilme und Videokunst-Arbeiten wurden international präsentiert. Mosese's Langfilmessay "Mother, I Am Suffocating. This Is My Last Film About You." feierte 2019 bei der Berlinale seine Premiere. Sein Spielfilm "This Is Not a Burial, It's a Resurrection" wurde bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig und Rotterdam, dem Museum of Modern Art (MoMA) sowie dem Sundance Film Festival aufgeführt. Mosese ist Alumnus von Berlinale Talents (2012) und Teilnehmer des "Focus Features Africa First", der "Realness Screenwriter‘s Residency", dem "Final Cut Venice" und "Venedig Biennale Cinema College" und "Cannes L’Atelier”.


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