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INFINITY minus Infinity
INFINITY minus Infinity
© The Otolith Group

Berlinale Forum Expanded 2020: Part of the Problem

Migration, Rassismus, Sexismus

Das neue Jahrzehnt beginnt in einer Zeit, die viel Sprachlosigkeit auslöst und umso klarere Worte braucht. Wie verändert eine solche Gegenwart den kuratorischen Blick? Was ist die Rolle von Kino und Kunst? 39 Installationen und Filme widmen sich im Forum Expanded der diesjährigen Berlinale den Themen Migration, Rassismus, Sexismus, Staatsgewalt, Kapitalismus, Kolonialismus, Extraktivismus, Klimakrise, Zukunftsangst, Geschichtsverlust und mehr. Vor allem aber verweisen sie auf sich selbst als Teil einer größeren Struktur, aus der heraus sie entstanden sind.

In der Gruppenausstellung, die am 19. Februar in der Betonhalle des silent green Kulturquartier eröffnet wird, ist bereits zum zweiten Mal The Otolith Group vertreten. Ihre Installation "INFINITY minus Infinity" nimmt mit Tanz, Musik, Vortrag und Animation das Verhältnis von Kapitalismus und Rassismus in den Blick und verwebt diese mit den Auswirkungen der Klimapolitik. Anhand der Geschichte des Webens in Westafrika erzählt Filipa César in ihrer kollektiv entstandenen Arbeit "Quantum Creole" eine Geschichte der Subversion. Ein ähnliches Anliegen verfolgt das palästinensische Kollektiv RIWAQ, das mit dem multimedialen Projekt "Secrets of a Digital Garden: 50 Villages – 50 Flowers" das subversive Potential von Saatgut als Erinnerungsspeicher in den Blick nimmt.

In "Shipwreck at the Threshold of Europe, Lesvos, Aegean Sea: 28 October 2015" rekonstruiert Forensic Architecture akribisch das Unglück eines Boots mit Migranten nahe der europäischen Küste. Zugrunde liegt der Arbeit Video-Material, das die Künstlerin und Überlebende Amel Alzakout beim Untergang des Bootes aufnahm. Wie man mit solchen Bildern umgeht und in welchem Verhältnis sie zu ihrer Geschichte stehen, ist Thema ihres Films "Purple Sea", eine gemeinsame Arbeit mit dem Filmemacher Khaled Abdulwahed, die bereits vorab entstand.

Weitere zwölf Filmprogramme enthalten Kurz- und Langfilme, zu deren Sprachvielfalt die Gebärdensprache einer Gruppe von Menschen im Nordosten Brasiliens zählt wie "Jogos Dirigidos" von Jonathas de Andrade wie auch die Körpersprache im kongolesischen Kurzfilm "Matata" von Petna Ndaliko Katondolo oder experimentellen Klänge und Töne in Akram Zaatari's "Al-Houbut".

"Letter from a Guarani Woman in Search of the Land Without Evil", eine Ausstellung bei SAVVY Contemporary, durchforscht das Archiv der audiovisuellen Reise von Patricia Ferreira Pará Yxapy, der wohl aktivsten Vertreterin des brasilianischen indigenen Kinos.

Im Marshall McLuhan-Salon ist die "NDN Survival Trilogy" von Thirza Cuthand zu sehen, die sich mit den Folgen der Rohstoffgewinnung für die indigene Bevölkerung Kanadas befasst. Drei Videos schaffen Raum, um das Thema um queere Perspektiven zu erweitern.


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