oder
13 Ways of Looking at a Blackbird von Ana Vaz
13 Ways of Looking at a Blackbird von Ana Vaz
© Stenar Projects

Berlinale Forum Expanded 2021: The Days Float Through My Eyes

18 Filme und acht installative Arbeiten

Die plötzliche Koinzidenz von Stagnation und Veränderung, die wir derzeit erleben, hat unsere Vorstellung von Zeit und Raum – und damit das Kino – verändert. Das betrifft den Blick auf die ausgewählten Arbeiten wie auch das diesjährige Festivalformat, zweigeteilt, im Internet, drinnen und draußen. Die Filmauswahl des Forum Expanded auf der diesjährigen Berlinale besteht aus vier Kurzfilmprogrammen, einem mittellangen und zwei Langfilmen, insgesamt werden im März 18 Filme gezeigt werden. Zusätzlich werden im Juni acht installative Arbeiten zu sehen sein.

Ein Experiment für das vom Arsenal - Institut für Film und Videokunst ausgerichtete Forum Expanded, das sich zum 16. Mal an der Schnittstelle des Kinos zu anderen Bereichen von Kunst und Gesellschaft positioniert. Der Titel "The Days Float Through My Eyes" wurde dem Song "Changes" entliehen. Vor 50 Jahren, als David Bowie ihn veröffentlichte, ging es ihm um sein Bild als Musiker, das sich nicht im gleichen Tempo wie sein wandelbares Selbstverständnis veränderte. Seit letztem Jahr sind Künstler und Filmemacher weltweit so ausgebremst, dass es für viele existenzbedrohend ist. Wenn die Filmauswahl des 16. Forum Expanded pandemiebedingt auch kleiner ausfällt, so möchte es sich doch mit ihnen allen solidarisch erklären.

Die Tage ziehen vorüber, und an jedem einzelnen zerrt die Realität. Die Themen der Kurzfilmprogramme kreisen um Erinnerung und Geschichte, um Rituale und Mythen, um Kolonialismus und Rassismus, und nicht zuletzt um eine Filmpraxis der Subversion und des Widerstands. Eingebettet in die Neuproduktionen ist die Restaurierung des Films "Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl" von Cynthia Beatt, in dem sie gemeinsam mit Heinz Emigholz zu sehen ist. Der Film, der 1984 im Berlinale Forum präsentiert wurde, verbindet Fragen von strukturellem Rassismus und Diskriminierung mit Architekturaufnahmen in Berlin. In "Ploy" erforscht Prapat Jiwarangsan Arbeitsmigration in Singapur, in "Black Bach Artsakh" erinnern Ayreen Anastas und Rene Gabri an Ereignisse in Bergkarabach.

Mit Ausbruch der ägyptischen Revolution begann Sharief Zohairy sieben Jahre lang durch das Nildelta zu reisen. Herausgekommen ist ein fünfeinhalbstündiger Film, "Saba' sanawat hawl delta al-neel" (Sieben Jahre durch das Nil-Delta), der den dortigen Alltag zeigt und das Genre des Reisefilms in Pandemiezeiten in ein neues Licht rückt. Kerstin Schroedinger erinnert mit einminütigen Clips, für die sie 16mm-Film mit Nähnadeln bearbeitet hat, an die Bedeutung von Materialität und die Unmittelbarkeit des Moments.

Kuratiert von Stefanie Schulte Strathaus (Leitung), Anselm Franke (Mitbegründer), Maha Maamoun und Ulrich Ziemons.


Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.