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Si t'as un coeur - Lucie Vincentelli
Si t'as un coeur - Lucie Vincentelli
© Juliette Barrat / L'Endroit

Berlinale Shorts 2021: Eigener Zugang zur Realität

20 Kurzfilme aus 17 Ländern

"Kunst an sich und der Film im Besonderen ermöglichen es uns, die Welt durch andere Augen zu sehen. Er hilft uns, die Wirklichkeit mit der Wahrnehmung eines anderen Menschen zu erfahren, neu zu denken und unseren Platz darin zu finden", so Anna Henckel-Donnersmarck, Sektionsleiterin der Berlinale Shorts. "Gleichzeitig braucht er einen Resonanzkörper, ein Publikum, in dem das Gesagte seinen Widerhall finden und weiterschwingen kann."

Jeder der 20 Filme der Berlinale Shorts 2021 hat seinen eigenen Zugang zur Realität: Die einen blicken in die Kolonialgeschichte und finden neue Lesarten ("Al motociclista no le cabe la felicidad en el traje", "Strange Object", "One Hundred Steps"). Die anderen stellen sich gegen politische Gewalttaten ("International Dawn Chorus Day") und den rechten Terror, um das Vergessen zu verhindern ("Deine Strasse"). Sie begegnen den Traumata in den eigenen Körpern und Familien, um Antworten zu finden ("A Love Song in Spanish", "Nanu Tudor"). Sie müssen unsere Gesellschaft verdauen ("Vadim na progulke", "Das Glitzern im Barbieblut", "One Thousand and One Attempts to Be an Ocean") oder ihre Institutionen hinterfragen ("Rehearsal"). Die Sehnsucht zu verstehen ("Zonder Meer") und verstanden zu werden, ist groß ("Easter Eggs", "Si t’as un coeur", "Xia Wu Guo Qu Le Yi Ban", "Les Attendants", "More Happiness"). Ein neues Miteinander zu imaginieren, ist möglich ("Luz de Presença", "Blastogenese X"), die Fenster zur Zukunft stehen weit offen ("Ventana").

Die 20 Kurzfilme aus 17 Ländern weisen unterschiedliche Formsprachen auf und reichen von fiktionalen Formaten über Experimentalfilme und Animationen bis hin zu hybriden und dokumentarischen Formen.

Bárbara Wagner und Benjamin de Burca (Audi Short Film Award 2019), Diogo Costa Amarante (Goldener Bär für den Besten Kurzfilm 2017), Sasha Svirsky und Ulu Braun kehren mit neuen Arbeiten zu Berlinale Shorts zurück. Zhang Dalei, Güzin Kar, Truong Minh Quý, Ana Elena Tejera und John Greyson sind für ihre Langfilme bekannt. Charlotte Maria Kätzl und Conrad Veit sowie Wang Yuyan kommen aus der freien Kunst zum Film, Émilie Vandenameele vom Theater.

Alle Filme sind für den Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm und den Silbernen Bären Preis der Jury (Kurzfilm) nominiert. Außerdem wird der Berlin Short Film Candidate for the European Film Awards ausgewählt. Die Preisträger werden von einer dreiköpfigen internationalen Jury bestimmt und während des Online-Industry Events Anfang März bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet beim Berlinale Summer Special im Juni vor Publikum statt.

Auf dem Blog der Berlinale Shorts sind auch in diesem Jahr wieder Interviews mit den Filmemachern zu finden und Texte, in denen Mitglieder der Auswahlkommission und des Teams der Berlinale Shorts ihre Wahrnehmungen der Filme in Worte fassen.


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