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Nightlife - Frederick Lau und Elyas M'Barek
Nightlife - Frederick Lau und Elyas M'Barek
© Warner Bros.

Kinobilanz Deutschland 2020: Der Horror, der Horror

Bitterer Rekordwert beim Marktanteil deutscher Filme

Dass 2020 für die Kinos dramatisch sein würde, hat sich schon beim ersten Corona-Lockdown Mitte März angekündigt. Erst im Juli durften alle deutschen Kinos wieder spielen – aber unter bekanntlich hygienebedingten Abstandsregelungen, die eine maximale Auslastung auf bis zu 25 Prozent beschränkten. Seit November 2020 sind die Kinos wieder geschlossen, bis heute und auf gegenwärtig noch nicht absehbare Zeit. Die Bilanz für 2020: 80,5 Millionen weniger verkaufte Tickets als im Vorjahr – ein Rückgang von knapp 68 Prozent – und 706 Millionen Euro weniger Umsatz – ein Rückgang von 69 Prozent.

"38 094 623 Kinobesuche hat die FFA für 2020 gezählt", stellt FFA-Vorstand Peter Dinges fest. "Das ist ein sehr schlechtes Ergebnis, wie es in dieser Situation aber zu erwarten war. Die FFA hat gemeinsam mit den anderen Förderungen des Bundes und der Länder alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Not zu mildern. Auch sonstige Hilfsprogramme der Bundesregierung haben geholfen. Trotzdem ist die Lage für die Branche sehr schwierig."

Die Situation ist an den wichtigsten Branchen-Kennzahlen noch nicht ablesbar. So ist die Zahl der Kinounternehmen mit 1227 unverändert, die Zahl der Spielstätten lediglich um sechs auf 1728 zurückgegangen, die Zahl der Leinwände um 35 auf 4926 und die Zahl der Standorte, also der Städte und Gemeinden mit einem Kino, um drei auf 943 – alle Verluste liegen unter 1 Prozent.

"Die Auswirkungen der Pandemie auf die Kinolandschaft werden sich erst im Laufe dieses Jahres zeigen", so Peter Dinges. "Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen die Kinos als Kultur- und Erlebnisorte schon lange schmerzlich vermissen und nur darauf warten, dass die Häuser endlich wieder öffnen dürfen. Deshalb wird es nach dem Neustart wieder richtig losgehen."

Meistgesehener Film im letzten Jahr war der vor dem ersten Lockdown gestartete "Bad Boys For Life" mit 1,8 Millionen verkauften Tickets – diese Zahl hätte 2019 nicht mal für einen Platz in den Top 10 gereicht. Auf Platz zwei: "Tenet", gestartet am 26. August, der es trotz der Beschränkungen auf immerhin 1,7 Millionen Besuche brachte. Insgesamt wurden für US-amerikanische Filme 17,4 Millionen Tickets verkauft, 73 Prozent weniger als im Vorjahr.

Ein wenig anders sieht es beim deutschen Film aus. Nachdem potentielle US-Blockbuster verschoben wurden und werden, blieb mehr Platz für deutsche Produktionen. Meistgesehen war "Nightlife", gestartet am 13. Februar, mit 1,4 Millionen Besuchen. Auf dem zweiten Platz: "Die Känguru-Chroniken", der mit dem Starttermin am 5. März vom ersten Lockdown besonders betroffen war und es so nur auf 809 000 verkaufte Tickets bringen konnte. Für "Jim Knopf und die Wilde 13", am 1. Oktober gestartet, konnten in den besuchsbeschränkten vier Wochen, die ihm bis zum zweiten Lockdown noch blieben, immerhin noch 782 000 Tickets verkauft werden.

Insgesamt wurden für deutsche Filme inklusive internationale Co-Produktionen 13,3 Millionen Tickets verkauft, 46 Prozent weniger als im Vorjahr. Deutlich gestiegen ist dagegen der deutsche Marktanteil, der wegen der fehlenden internationalen Konkurrenz bei über 35 Prozent liegt – angesichts der Umstände ein bitterer Rekordwert.


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