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Beim virtuellen Dream von Berlinale Talents dabei: Celine Sciamma, Ava DuVernay, Welket Bungue und Adina Pintilie
© Claire Mathon / Danielle Levitt / Kussa Productions / Dirk Michael Deckbar

Berlinale Talents 2021: Traumräume erobern

Ava DuVernay bringt Filmschaffende ins Gespräch

Das traumhafte Programm von Berlinale Talents ist komplett. Auch im Rahmen der ansonsten der Filmbranche gewidmeten ersten Stufe des Festivals präsentiert sich die Berlinale als Heimat für Begegnungen zwischen herausragenden Künstlern und der filmbegeisterten Öffentlichkeit. Zu diesem Anlass bietet Berlinale Talents vom 1. bis 5. März wie gewohnt Veranstaltungen mit hochkarätigen Gästen, die für die 205 eingeladenen Talente ebenso virtuell frei zugänglich sind wie für das Berliner und internationale Publikum.

Das 2021er Talents-Thema "DREAMS" zieht sich durch alle Talks, Diskussionen und Workshops, die live und kostenlos gestreamt sowie später auch als Höhepunkt-Aufzeichnungen on demand zur Verfügung gestellt werden. Und niemand träumt dabei für sich allein: Kollaboration, Zusammenhalt und die gemeinsame Erkundung neuer Visionen stehen im Fokus fast aller Angebote - als Mutmacher in Zeiten der Pandemie, aber auch über sie hinaus.

Für die einen beginnt der Feierabend, für die anderen schon ein neuer Tag: Vom 1. bis 5. März versammelt Berlinale Talents täglich prominente Gäste aus aller Welt in seinem virtuellen "sDream". Zum Träumen und Weiterträumen in poetischen wie gesellschaftlichen Sphären ist Céline Sciamma ("Petite Maman", Wettbewerb 2021) zu Gast, der Großmeister des traumhaften Kinos Apichatpong Weerasethakul ("Cemetery of Splendour") wird direkt aus Thailand zugeschaltet, Ava DuVernay ("Selma", "When They See Us") bringt die ARRAY- und Berlinale-Filmschaffenden Takeshi Fukunaga, Hepi Mita und Elle-Máijá Tailfeathers ins Gespräch.

Und auch die Mitglieder der diesjährigen Internationalen Jury treffen sich als vielfältiges Team von Künstlern mit Carlo Chatrian, dem Künstlerischen Leiter der Berlinale, zum Talents Tabletalk der Träumer. Kirsten Johnson ("Cameraperson", "Dick Johnson is Dead") begleitet Berlinale Talents dieses Jahr durchgehend als Kameramentorin und bringt ihre Inspirationen in eine persönliche Session abseits des klassisch moderierten Formats. Und Fiktion und Wirklichkeit treffen erneut aufeinander, wenn der Szenenbildner Uli Hanisch im von ihm selbst und Alumnus Josef F. Brandl entworfenen Berlinale Talents-"Filmset" im HAU3 Einblicke in die Entstehung der amerikanischen, russischen und am Ende doch sehr berlinerischen (T)Raumwelten von "The Queen's Gambit" gewährt.

Die Kinos sind vielerorts noch geschlossen, aber Filmschaffende müssen gehört und gesehen werden. Die produktive Auseinandersetzung mit den Realitäten der Gegenwart ist nicht nur ein Aspekt des nächtlichen Träumens, sondern steht auch im Fokus zahlreicher Veranstaltungen mit Möglichkeit zur aktiven Publikumsbeteiligung: Die Co-Produzenten Marie Dubas, Thao Dong und Weijie Lai nehmen Fachleute wie interessierte Öffentlichkeit auf die vietnamesisch-singapurisch-thailändisch-taiwanesisch-französisch-deutsche Entstehungsreise ihres Films "Vị", der vom World Cinema Fund (WCF) gefördert und 2021 für Encounters ausgewählt wurde. Ebenfalls in Kooperation mit dem WCF fragen einander und das Publikum Vincenzo Bugno (Leiter WCF) und Franz Rodenkirchen (Script Consultant und Berlinale Talents-Mentor): "Non-Scripted: Can We Write Cinema?". Und auch die Talente 2021 selbst bringen ein - nicht nur - für sie pressierendes Thema ein: Zensur und das Risiko der Selbstzensur stehen im Fokus eines öffentlichen Webinars mit dem Titel "Censored: Limits on Our Dreams".

Zoom-Fatigue gilt nicht zwischen dem 1. bis 5. März, denn Berlinale Talents arbeitet neugierig mit den veränderten Formaten. Der öffentliche Gipfel bietet trotz und gerade wegen der digitalen Ausgangslage zahlreiche Erfahrungen für alle Sinne und unter Beteiligung aller Filmgewerke: Den Bildschirm dimmen und mit offenen Ohren träumen heißt es, wenn die Sound-Designer Rana Eid aus dem Libanon, Tim Nielsen aus den USA und Alastair Sirkett aus dem Vereinigten Königreich zu einer eigens für diesen Anlass komponierten akustischen Erdumrundung durch die "Sounds of Our Cities" in Zeiten der Pandemie einladen.

In die große Welt en miniature lädt dann Tristan Oliver ein, Wes Anderson's Kameramann des Vertrauens für seine Animationsfilme. Und weil das Körperliche und die Begegnung in diesen digitalen Zeiten so in Frage stehen, geht es zwischen Schauspieler und Regisseur Welket Bungué ("Mudança", Forum Expanded 2021; "Berlin Alexanderplatz") und Natascha Noack, einer Wanderin zwischen Tanz, Bewegung, Sprache und Film, genau um unsere körperliche Präsenz und die Präsenz des politischen Körpers.


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