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Berlinale 2021 World Cinema Fund
Berlinale 2021 World Cinema Fund
© Cine Guimbi

Berlinale World Cinema Fund 2021: Decolonising Cinema

Regisseure im Gespräch am WCF Day

Seit 2004 unterstützt der Berlinale World Cinema Fund (WCF) mit seinem zunehmend differenzierten Förderprogramm (WCF, WCF Europe, WCF Africa, WCF ACP) erfolgreich die Filmproduktion in filminfrastrukturell schwachen Regionen und setzt sich für kulturelle Vielfalt in den deutschen Kinos ein. Gefördert wird darüber hinaus die Kooperation zwischen Produktionsfirmen aus den Förderregionen beziehungsweise -ländern und deutschen und europäischen Produktionsfirmen.

"Zum größten Teil kommen die für eine WCF-Förderung eingereichten Projekte aus Ländern und Regionen, die sich mit Kolonialismus und Postkolonialismus auseinandersetzen müssen. Aber was bedeutet das für die dortige Filmproduktion inhaltlich und strukturell? Inwiefern sind neue dekolonisierende Bestrebungen notwendig? Das müssen wir differenziert hinterfragen, uns ist dieser kulturelle und historische Kontext sehr bewusst", sagt WCF-Leiter Vincenzo Bugno.

"Decolonising Cinema" ist das zentrale Thema des WCF Day am 5. März 2021 von 14 bis 17:30 Uhr. Der WCF Day wird pandemiebedingt online angeboten. Im Rahmen der Veranstaltung werden sich Regisseure von aktuellen Förderprojekten und weitere Gäste mit diesem komplexen Thema befassen. Ergänzt wird das Programm durch "Director’s Talks" mit Regisseuren von WCF-Filmen der Festivalauswahl. Alle Veranstaltungen finden in englischer Sprache statt.

Die Gegenwart ist ein Spiegel der Vergangenheit. Die Folgen des Kolonialismus spiegeln sich im Alltag vieler Länder wider, und das Thema wird immer sichtbarer in den Projekten, die beim WCF eingereicht werden. Der WCF Day möchte ein Schlaglicht auf beeindruckende und originäre lateinamerikanische und afrikanische Projekte und Initiativen werfen, die sich mit Kolonialismus und dessen langfristigen Auswirkungen beschäftigen.

Inwiefern hat die koloniale Geschichte bestimmte Länder und deren Filmkulturen geprägt? Inwiefern werden Kolonialismus und Postkolonialismus in früheren Filmen und in der aktuellen Filmproduktion reflektiert? Gehen Filmschaffende aus Förderregionen mit diesem dramatischen historischen Erbe bewusst um?

Reflektiert werden auch die Erfahrungen und das Vermächtnis der "Drittes Kino"-Bewegung der Sechziger und Siebziger und die "Decolonising and Decolonised"-Bemühungen der Filmemacher aus WCF-Regionen und -Ländern in den letzten Jahrzehnten, insbesondere im Hinblick darauf, dass ihre Filme oft von europäischen Förderinstitutionen unterstützt wurden.

Kino bedeutet auch Kinoraum, und der WCF glaubt fest an das Kino als sozialen Raum. Kinoräume (cinema spaces) generieren neue Realitäten, Energiequellen und neue kreative Zusammenschlüsse, deren Ziel es ist, die notwendigen Bedingungen für eine Stärkung des unabhängigen Kinos in den WCF-Regionen zu schaffen. Der Kinoraum (cinema space) ermöglicht auch die Wiederherstellung von Strukturen, damit sich lokale zeitgenössische Kunst und lokales Kino entfalten können - für ein lokales wie auch ein internationales Publikum.

Ein Gespräch mit Vertretern des afrikanischen "Cinema Spaces Network" (CSN) wird sich mit der Förderung bereits existierender und Erschaffung weiterer Kinoräume in Afrika beschäftigen.


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