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Eliza Petkova
Eliza Petkova
© Constanze Schmitt

Berlinale 2021: Verleihung des Kompagnon-Förderpreises

"Die Arbeiter" und "Wir waren Kumpel" prämiert

Gemeinsam vergeben Perspektive Deutsches Kino und Berlinale Talents seit 2017 den Kompagnon–Förderpreis für eine Projektweiterentwicklung. Teilnahmeberechtigt sind Regisseure und Drehbuchautoren eines Kurz- oder Langfilms aus dem jeweils letzten Jahrgang der Perspektive Deutsches Kino sowie in Deutschland lebende Teilnehmende der "Script Station", "Doc Station" oder "Short Form Station" der aktuellen Edition von Berlinale Talents.

Mit dem Kompagnon-Förderpreis möchten Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino Regisseure und Drehbuchautoren nachhaltig bei ihrer Arbeit unterstützen. Die Auszeichnung bietet neben dem Stipendium von 5000 Euro (Kurzfilme: 2500 Euro) ein individuell zusammengestelltes Mentoringprogramm mit berufsbegleitenden Coachings zur Stärkung der persönlichen Handschrift und zur Vernetzung in der Branche.

Die Kompagnon-Förderpreise Perspektive Deutsches Kino und Berlinale Talents gehen in diesem Jahr an Eliza Petkova für "Der Arbeiter" sowie Jonas Matauschek und seinen Co-Regisseur Christian Johannes Koch für "Wir waren Kumpel". Die Preisgewinneren wurden von den Juroren Lili Hering, Claudia Lehmann und Simon Dat Vu ausgewählt.

In "Der Arbeiter" möchte Georgi aus Bulgarien seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen. Nach einem Unfall in seiner Heimat folgt er einem Glücksversprechen des westlichen Europas und kommt alleine nach Berlin. Doch ist Wohlstand dort nicht für alle vorgesehen und er findet sich in einer gesetzlosen Grauzone wieder, die von Ausbeutung, Illegalität, Wohnungslosigkeit und Formen moderner Sklaverei geprägt ist. So wie der Protagonist im Laufe des Films ein Bild von sich selbst erfindet, um seiner Familie und nicht zuletzt sich selbst Erfolg vorzuspielen, entwirft Eliza Petkova in ihrem Spielfilm ein Abbild der ökonomischen und sozialen Konflikte unserer Zeit. Georgi's subjektive Wahrnehmung und seine abweichende Selbstdarstellung schaffen eine moderne Hochstaplerfigur, die sich zwischen ihrer Erfahrung des Fremdseins, Zukunftsträumen und den harschen Umständen bewegt. Der Kompagnon-Förderpreis geht an ein Projekt, das sichtbar macht, was das herrschende System verschleiert.

"Wir waren Kumpel" erzählt von einem Paradigmenwechsel und holt die Gegenwart ins Bergwerk. Vor dem Hintergrund der Schließung der letzten Steinkohlenzeche in Deutschland will dieser künstlerische Dokumentarfilm Veränderungen und Aufbruch anhand einer Trans-Bergfrau und diverser Bergmänner aufzeigen: Nicht nur ist die Arbeitswelt des Bergbaus als Folge der Klimapolitik im Begriff zu verschwinden, auch das Selbstverständnis von Gender und Rollenbildern ist im Wandel. Wie sehen Männlichkeiten heute aus, und wie werden sie gestaltet? Im Zusammenspiel von großen Arrangements in Kinobildern und enger dokumentarischer Begleitung der Protagonisten wird die Neuerfindung der Figuren und ihr Umgang mit der Krise nachgezeichnet. Neben diesem Abgesang auf eine alte Männlichkeit wird die Aufmerksamkeit auch auf den Niedergang der Industrie gerichtet.


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