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'In the Name of Scheherazade oder der erste Biergarten in Teheran', 'Sorge 87' und 'Auf den zweiten Blick'
© Oasys Digital / Thanh Nguyen Phuong / Anita Back

Berlinale Forum-Zusatzprogramm: "Fiktionsbescheinigung"

16 filmische Perspektiven auf Deutschland

Wie Kultur im Allgemeinen, Kino im Besonderen, Gesellschaft und Rassismus zusammen hängen, ist gegenwärtig Gegenstand kontroverser Diskussionen. Das Berlinale Forum greift in die Debatte ein, indem es die Film- und Diskussionsreihe "Fiktionsbescheinigung. 16 filmische Perspektiven auf Deutschland" präsentiert: Ein Experiment in geteilter kuratorischer Verantwortung und ein Schlaglicht auf ein zu Unrecht unbekanntes Kapitel deutscher Filmproduktion.

Das Berlinale Forum hegt ein großes Interesse an den kaum ausgeleuchteten Bereichen der Filmgeschichte und sucht stets nach Wegen, über das Zusammenspiel von Kino und Gesellschaft nachzudenken. Im diesjährigen Zusatzprogramm "Fiktionsbescheinigung. 16 filmische Perspektiven auf Deutschland” vereinen sich beide Interessen. Die Film- und Diskussionsreihe, die in Kooperation mit dem Berliner SİNEMA TRANSTOPIA ausgerichtet wird, widmet sich dem Schaffen von Schwarzen Regisseuren und Regisseuren of Color in Deutschland.

Die Kuratoren Enoka Ayemba, Karina Griffith, Jacqueline Nsiah, Biene Pilavci und Can Sungu haben die Filmauswahl getroffen. Acht Programme aus Lang- und Kurzfilmen vereinen Arbeiten aus vier Jahrzehnten, etwa "Auslandstournee" von Ayşe Polat von 1999, "Gölge" von Sofoklis Adamidis und Sema Poyraz aus dem Jahr 1980 oder "In the Name of Scheherazade oder der erste Biergarten in Teheran" von Narges Kalhor aus dem Jahr 2019.

Manche der Filme greifen die Erfahrung von Migration auf, thematisieren sie mal direkt, mal vermittelt, andere nehmen sich die Freiheit, sie gar nicht weiter wichtig zu nehmen. Während Mala Reinhardt's "Der zweite Anschlag" aus dem Jahr 2018 sich schonungslos mit dem strukturellen Rassismus der Mehrheitsgesellschaft auseinandersetzt und das Versagen der Behörden im Fall des NSU-Terrors anklagt, interessiert sich Visar Morina in "Exil" aus dem Jahr 2020 vor allem für die subkutanen Wirkungen, die die Erfahrung von Rassismus für ein Individuum bedeutet.

Sheri Hagen's "Auf den zweiten Blick" aus dem Jahr 2012 lässt spezifische Schwarze Erfahrungen sichtbar werden, aber nicht als solche, die ein Individuum determinieren. Die fünf Kuratoren erläutern ihre Auswahl in einem Statement: "Die Reihe versteht sich als Momentaufnahme in einem selbstbestimmten und fortlaufenden Prozess der Einmischung und des Widerspruchs. Jeder Film ist ein Vorschlag, den weißen deutschen Blick mit vielfältigen, intersektionalen Perspektiven zu parieren, und allen gemein ist eine eigene visuelle und textuelle Praxis der Zeugenschaft von innen, nicht vom Rand."

Zu sehen sind die Filme zunächst vom 9. bis zum 30. Juni auf der Streamingplattform des Arsenals – Institut für Film und Videokunst. Auch das diskursive Programm – Gespräche mit den Filmemachern, eine experimentelle, interaktive Diskussionsrunde, Panels mit Wissenschaftlern, Festivalmachern, Schauspielerinnen und den Kuratoren, eine Keynote mit Wissenschaftler Kevin B. Lee und eine Lecture mit Filmemacherin Biene Pilavci – findet digital statt. Das Filmprogramm wird im August im Open-Air-Kino des SİNEMA TRANSTOPIA auf der Leinwand zu sehen sein.


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