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Krokus: As Long as We Live
Krokus: As Long as We Live
© hugofilm.ch

Krokus: As Long as We Live (2004)

Krokus

Die Krokus-Saga erstmals im Film: "Krokus – As Long As We Live" erzählt die Geschichte der erfolgreich- sten Schweizer Rockband aller Zeiten.User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

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Die damals wie heute schier unglaubliche Story vom steilen Aufstieg und jähen Fall der Solothurner Band Krokus hat Reto Caduff in einen mitreissenden Dokumentarfilm gepackt. Und siehe da: Die Mär der Hardrocker spiegelt auch ein Stück helvetischer Kulturgeschichte.

Der Zeitpunkt für einen Krokus-Film könnte besser nicht sein: Im dreissigsten Jahr nach der Gründung des bis dato erfolgreichsten Schweizer Rock-Exports feiert die neu formierte Band um Fernando von Arb ein Comeback. Ausserdem ist Chris von Rohr als gnadenlos sprücheklopfender «Music-Star»-Juror allgegenwärtig, und die britische Band The Darkness hat soeben ein Hardrock-Revival losgetreten.

Demnach dürfen sich alle schön die Augen reiben, ewig junge 50-Jährige ebenso wie die mit Hip-Hop oder Techno gross gewordenen Kids:Wie fünf Solothurner „Giele“ den Weg aus der Schweizer Provinz in die grossen Arenen in den USA, Kanada oder England schafften, ist eine exemplarisch traumhafte Geschichte von epischem Ausmass. Ausgangspunkt in den frühen Siebzigern ist – Paul Nizons „Diskurs in der Enge“ lässt grüssen – der helvetische Kleinstadtmief, den sich Krokus ab 1974 zunächst mit symphonischem Rock a la Zappa vom Leibe spielen und spätestens nach dem Besuch des legendären AC/DC-Konzertes im Zürcher Volkshaus mit Sänger Mark Storace auf den Punkt bringen: „Reduce to the max, gekoppelt mit dem Jurasüdfuss-Frust“, wie von Rohr Stil und Erfolgsgeheimnis benennt.

Statt in der Genossenschaftsbeiz „Rüebli zu schälen bis der Doktor kommt“ (von Rohr) oder Primarlehrer zu werden (von Arb) landen Krokus nach Alben wie „Metal Rendez-vous“ (1980) oder „One Vice At A Time“ (1982) international in der ersten Hardrock-Liga. Und also dort, wo sie der Umschlaggestalter ihres ersten Albums, Polo Hofer, schon von Anfang an sah: in Amerika.Eben noch Buben in Solothurn,werden sie in San Diego als weltberühmte Stars angesagt, und auf dem Parkplatz winkt der amerikanische Roadie die Mädels mit einem Gummischwanz zum Backstagebereich. Sex & Drugs & Rock´n`Roll bedeutet im Zeitalter vor Aids, dass einem „die Frauen im Siebnerpack nachgeschossen“ werden. Dubiose US-Manager,die sich auch schon mal an der Seite von Bush zeigen, wollen die naiven Schweizer „zum Fluss bringen,wo das Geld fliesst“ – mit Revolution hatte Hardrock noch nie was am Hut. Die Rückkehr in die Schweiz ist jedes Mal ein Schock, die Stimmung in der Heimat erscheint von Rohr „wie eine permanente Beerdigung“.

Doch so schnell der Traum wahr wurde, so schnell wurde er zum Alptraum. Am Ende sind Freundschaften und Ehen zerbrochen, haben Krankheiten und Tod ihren Tribut gefordert – und alle finden sich geläutert und halbwegs glükklich wieder in Solothurn. Das viele Touren habe „ihre Hirne und Herzen“ kaputt gemacht, resümiert von Rohr, und sein Gegenpart von Arb stellt fest, dass ihnen auf dem Weg „der Kompass verloren ging“.
Die ausführlichen Selbstreflexionen der Protagonisten gehören zu den stärksten Momenten eines Films, der sich als eine ironische Hommage begreift. Den in Los Angeles lebenden Schweizer Fernsehjournalisten und Filmemacher Reto Caduff interessierte am Krokus-Stoff vor allem der „Lebenstraum,der mit einer Intensität gelebt wurde,wie ihn nur wenige je erleben“.Mit dem stilsicheren Gespür eines Musikfans und Seelenverwandten, der im Aargau „unter derselben Nebeldecke“ aufwuchs, lässt er die mit reichlich Archivmaterial und geschickt verwendeten eigenen Aufnahmen (Kamera:Michael Saxer) bebilderte Geschichte von jenen erzählen, die sie selber erlebt haben. Dabei kann er auf mehrere bekannte Vertreter der Schweizer Kulturszene zählen: Hannes Hug schrieb am Drehbuch mit, Suzanne Zahnd spricht den äusserst sparsamen, präzisen Off-Kommentar, und Adi Weyermann spielt das von Chris von Rohr komponierte Piano-Intro.

Caduff schafft es, den Mythos zu erklären und ihm trotzdem seinen Zauber zu lassen. Am Ende wird gar manch ein 60er- und 70er-Jahrgänger, die damals in der Schule die Hardrocker mied oder gar verachtet, seine Klischees von den vermeintlichen „Doofmännern“ revidieren müssen. Krokus sind „echt coole Typen“ und gemäss von Rohrs Memoiren-Buchtitel tatsächlich jene „Hunde, die ewig rocken wollen.

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Land: Schweiz
Jahr: 2004
Genre: Dokumentation
Länge: 82 Minuten
Kinostart: Kein deutscher Kinostart
Regie: Reto Caduff
Darsteller: Marc Storace, Krokus




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