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City Walls: Meine Familie in Teheran
City Walls: Meine Familie in Teheran
© hugofilm.ch

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City Walls: Meine Familie in Teheran (2006)

City Walls: My Own Private Teheran

Fünfundzwanzig Jahre iranische Revolution. Die Exil-Iranerin Afsar Sonia Shafie kehrt zurück in ihre Heimat und erzählt uns ihre Geschichte: Von der Emanzipation im Iran bis zur Sehnsucht nach Freiheit. Ein Film über starke Frauen, die die Lebensbedingungen ihrer Töchter verbessern wollen.User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

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In Zeiten, in denen vom „Kampf der Kulturen“ geredet wird, stimmt die 38-jährige Filmemacherin Afsar Sonia Shafie in ihrem Film leisere Töne an. Sie, die selbst vor fünf Jahren die Gelegenheit ergriff, den Iran zu verlassen um in der Schweiz weiter zu studieren, kehrt zurück in ihre Heimat, um ihre Familie zu besuchen. Nicht alleine, sondern in Begleitung ihres Schweizer Ehe- und Kameramanns Martin Frei. Welche Bedeutung das Zurückgelassene für sie hat, wird bereits beim Empfang am Flughafen Teheran deutlich. Zu den betörenden Klängen des iranischen Chansoniers Dariush fällt sich die Verwandtschaft vor Glück weinend in die Arme. „Meine Heimat“, singt Dariush in den 70er Jahren, „ist eine Blume, die erst im Blut erblüht“. Tränen werden zu einem Motiv des Films werden, die Poesie der iranischen Sprache zu einem seiner starken Elemente.

Die Exiliranerin nimmt uns mit auf eine Reise in ihre Heimat und zu ihrer Familie, und wir kommen in den Genuss einer intimen Innenansicht von einem Land, das sonst durch Zerrbilder und Klischees tapeziert scheint. Nicht weniger als ein halbes Jahrhundert wandern wir mit Shafie durch eine Familiengeschichte im Iran. Dabei stehen drei Frauen aus drei Generationen im Zentrum der Erzählung: die Grossmutter der Regisseurin, Shafies Mutter sowie ihre Schwester Sona. Mehr als einmal endet ein Gespräch in Tränen, etwa, als die Grossmutter ihrer Enkelin erzählt, wie sie sich als 15-jährige Mutter vom Land auf die Suche nach ihrem Mann in Teheran machte, um ihn dort arbeitslos, verlumpt, versoffen und opiumabhängig zu finden. „Schon als ich das erste Mal meine Augen öffnete, sah ich die Welt durch Tränen verschwommen“, fasst sie ihr entbehrungsreiches Leben zusammen.

Männliches Holzwerk dagegen ist rar im Familienbaum, den Shafie uns zeichnet. Mit gutem Grund, denn es waren die Frauen, Mütter und Töchter, die nach Kräften für das Wohl der Familie sorgten. Grossartig die Szene, in der der Grossvater mit der Grossmutter auf dem Sofa sitzt und diese frank und frei von der früheren Trunk- und Opiumsucht ihres Mannes erzählt, von seiner Arbeitslosigkeit und von seinen Schlägen gegen sie. Am Ende ihres Lamentos wendet sie sich an ihn: „Du musst dich nicht schämen, die Ausländer verstehen kein Persisch!“ - eine posthume Ohrfeige und Demütigung für einen Mann, der mittlerweile zu wissen scheint, wem er „sein“ Haus und „seine“ Kinder zu verdanken hat.

Die Frauen sind es, die bei den Shafies trotz Schleier die Hosen anhaben. Und so öffnen sich dem westlichen Betrachter erstaunliche Erkenntnisse: Haben wir Abendländler nicht ein anderes Bild von der muslimischen Frau? Verschleiert und wortlos? Shafies Familiengeschichte bricht mit gängigen Vorurteilen und zeichnet ein ungleich reicheres Bild der islamischen Gesellschaft. Je näher Shafie ihrer eigenen Geschichte kommt, desto näher rückt der Zuschauer ans bewegte, noch junge Leben der Regisseurin: ihren Ehrgeiz, ihren Gang an die Universität, ihre erste Liebe und Ehe, die Scheidung und das Leben einer Geächteten im Iran und der Gang ins Schweizer Exil.

In seinem Gedichtband „Westöstlicher Diwan“ schrieb Goethe 1819: „Wer sich selbst und andere kennt / Wird auch hier erkennen / Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen.“ So fern dieser Gedanke im Angesicht der politischen Grosswetterlage heute scheint – in den persönlichen Erzählungen von „City Walls – My own private Tehran“ kommt der westliche Zuschauer der iranischen Gesellschaft bewegend nahe.

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Land: Schweiz
Jahr: 2006
Genre: Dokumentation
Länge: 87 Minuten
Kinostart: Kein deutscher Kinostart
Regie: Afsar Sonia Shafie

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