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No Land's Song
No Land's Song
© Basis-Film © Hanfgarn & Ufer Filmproduktion GbR

Kritik: No Land's Song (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der iranische Filmemacher Ayat Najafi ("Football Under Cover"), der in Berlin lebt, schildert in "No Land's Song", mit welchen absurden Zensurregelungen Sängerinnen in seiner Heimat konfrontiert werden. Die zentrale Protagonistin seines Dokumentarfilms ist seine junge Schwester Sara Najafi, eine Pianistin, die zudem als erste Frau im Iran ein Diplom in Komposition erworben hat. Sie trifft sich in Teheran mit Sängerinnen, die ihre Stücke gerne öffentlich vortragen würden – allein, sie dürfen es nicht. Seit der Islamischen Revolution von 1979 ist es Frauen nicht erlaubt, solo vor einem Publikum zu singen, in dem sich auch Männer befinden. Sara Najafi aber ersucht trotzdem um Genehmigung für ein Sängerinnen-Konzert. Mit einem einfachen Nein gibt sie sich nicht zufrieden.

Die Komponistin besucht einen Islam-Gelehrten und fragt, was denn an weiblichem Solo-Gesang so schlimm sein. Der alte Mann argumentiert, dass eine singende Frau den Mann sexuell errege. Die Stimmen mehrerer Frauen hingegen würden sich gegenseitig neutralisieren. Die Mitarbeiter der Zensurbehörde, die Sara Najafi aufsucht, verzichten oft ganz auf Erklärungen, raten ihr, die Gruppe um ein paar männliche Sänger zu erweitern. Die Gespräche im Ministerium für Kultur und islamische Führung sind heimlich aufgenommen, die Leinwand bleibt schwarz. Die Komponistin möchte ein paar französische Sängerinnen und Musiker ins Boot holen. Sie reist nach Paris, knüpft Kontakte, aber dann folgt der Rückschlag: Vor der Präsidentenwahl 2013 darf in Teheran kein Konzert mehr stattfinden, die Franzosen sind im Iran nicht willkommen. Die Regierung hat Angst, dass die Grüne Revolution wieder aufflammen könnte. Nach der Wahl ändert sich die Lage, die französische Gruppe kommt in Teheran an, aber dann stellt sich das Ministerium noch einmal quer.

"No Land's Song" ist nicht nur das Porträt einer mutigen Frau, sondern auch ein Musikfilm: Traditionelle Lieder, begleitet von persischen Instrumenten und Gitarre, erklingen sowohl im finalen Konzert, als auch während des Films. Die KünstlerInnen proben gemeinsam und musizieren zum Spaß. Sara Najafi begibt sich auch auf die Spuren zweier berühmter Sängerinnen von einst, der legendären Qamar, die 1924 öffentlich auftrat und deren Stimme auf Band erklingt, sowie der Interpretin Delkash, die mit einem Filmausschnitt von 1960 gewürdigt wird. Aufgrund der Nähe zu seinen ProtagonistInnen und den Momentaufnahmen auf den Straßen der Großstadt wirkt der Film sehr lebendig. Dass sich der Wunsch nach einer liberaleren Gesellschaft immer wieder Bahn bricht, stimmt hoffnungsfroh.

Fazit: Der lebendige Dokumentarfilm schildert die Anstrengungen der iranischen Komponistin Sara Najafi, das Auftrittsverbot für Solosängerinnen in ihrer Heimat zu lockern und ein Konzert zu veranstalten. Er demaskiert mit schalkhaftem Humor die Verhinderungsstrategien und fadenscheinigen Argumente der Zensoren und schenkt Künstlerinnen, die das Leben im Schatten leid sind, die verdiente Aufmerksamkeit.





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