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Drei Türken und ein Baby
Drei Türken und ein Baby
© Wild Bunch

Kritik: Drei Türken und ein Baby (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Die Komödie des deutsch-türkischen Regisseurs Sinan Akkuş ("Evet, ich will!") versucht, ein altes und ein neues Erfolgsrezept miteinander zu verbinden. Das Thema ist seit der Komödie "Drei Männer und ein Baby" von 1985 einerseits schon richtig klassisch. Trendiger wirkt der Umstand, dass es sich diesmal um Deutsch-Türken handelt, denn Culture-Clash und Migrationshintergrund sind als Themen deutscher Komödien gerade ziemlich beliebt. Aber leider funktioniert dieser Film irgendwie nicht. Obwohl es dafür durchaus Gründe gibt, hat es wohl auch einfach mit Pech zu tun, wenn das komödiantische Timing nicht stimmt und die Witze nicht wie beabsichtigt zünden.

Es gibt zu viele kindische Elemente in dieser in alle Richtungen auseinanderstrebenden Geschichte. Die Figuren sind tölpelhaft und hölzern zugleich. Obwohl sie viel zu tun und zu sprechen haben, bleiben sie zu oberflächlich gezeichnet, um sympathisch oder glaubhaft zu wirken. Generell sind die Brüder, die ihren Platz im Leben noch nicht wirklich gefunden haben, zu viel mit sich selbst beschäftigt, um sich für das Baby interessieren zu können. Zwar versorgen sie es, aber die Interaktionen wirken mechanisch und lieblos. Die Absenz von Gefühlen, von Herzlichkeit betrifft nicht nur den Umgang mit dem Baby, sondern auch die Atmosphäre generell. Zwar soll Celal zum Beispiel immer noch in Anna verliebt sein, wirkt aber am Krankenbett der im Koma liegenden Frau verblüffend sachlich und beeilt. Zum Teil verlässt den Boden der Glaubhaftigkeit auch bewusst mit eigenwilligem Humor: Celal schleppt das Baby eben mal ins Spielcasino, denn es könnte ja wie einst WM-Tintenfisch Paul als Orakel dienen. Für diesen Besuch schmeißen sich die beiden in Nullkommanichts in Schale und katapultieren sich auch schon dadurch mächtig weit ins Universum der abwegigen Einfälle.

Zu allem Überfluss reißt die Geschichte jede Menge weiterer Themen an, wie Samis Liebe zu Laura (Anna Böger), die Religiosität Mesuts und Celals Flucht ins Kriminelle, weil das immer noch besser wäre als die Einladung einer Seniorin zum bezahlten SM-Sex. Christoph Maria Herbst bekommt eine interessanten Gastauftritt als spröder Polizei-Einsatzleiter. Vermutlich sollte das alles quirlig und turbulent wirken, ist aber eher lahm und konfus. Da helfen auch Aufnahmen der Frankfurter Skyline nicht weiter, denn die drei Brüder leben in einer zeitlos weltfremden Parallelwelt.

Fazit: Die Komödie wirkt mit ihren naiven, oberflächlich gezeichneten Figuren weltfremd und hölzern. Ihre Geschichte besteht aus zu vielen Einzelthemen, die für Herzlichkeit und Charme keinen Platz lassen.





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