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Kritik: Magie der Moore (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Moorlandschaften üben auf den Menschen seit jeher eine eigentümliche Faszination aus. Man kann sich im Nebel verlaufen, im Morast versinken, wo Moos- und Grasbewuchs einem eben noch festen Boden unter den Füßen vorgaukelte. Man ist dort mit der Natur allein, ihren Stimmen und ihrer ungezähmten Wildnis. Der Dokumentarfilm von Jan Haft ("Das grüne Wunder – Unser Wald") widmet sich dieser urtümlichen Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten, an verschiedenen Orten in Europa. Er fängt mit aufwändiger Kameratechnik ihre geheimnisvolle, mal romantische, mal eher unheimliche Stimmung ein und beobachtet ihre Bewohner – zum Beispiel Vögel, Amphibien und Insekten - aus nächster Nähe. Als Erzähler eines Textes, der informativ und manchmal auf dezente Weise auch poetisch ist, fungiert der Schauspieler Axel Milberg. Er trifft dabei genau den richtigen Ton zwischen Sachlichkeit und Emotion.

Viele Aufnahmen entstanden in Skandinavien, was man daran erkennt, dass Elche und Braunbären vor die Kamera laufen oder am Himmel die Polarlichter flackern. Kreuzottern aber gibt es auch in deutschen Moorgebieten: Das Kräftemessen der männlichen Rivalen, die ihre Körper ein Stück weit aufrichten und sich gegenseitig niederzuringen versuchen, ist in diesem Film sehr eindrucksvoll zu beobachten. Die Kamera spürt die Nester seltener Vögel auf, fängt in Zeitlupe den Balzflug der Birkhähne ein und schaut sich auch im Wasser um, wo die kleinen durchsichtigen Rädertierchen und die Bärtierchen wohnen. Das "melancholische Hupen", wie die Rufe der Rotbauchunke passend beschrieben werden, klingt faszinierend. Ebenfalls zu hören sind die Explosionen der Sporenkapseln einer Moosart. Auch der weit verbreitete Sonnentau, eine Pflanze, die mit ihren klebrigen roten Tentakeln Insekten festhält und verzehrt, wird in Aktion gefilmt.

Die Musik wirkt ausgesprochen stilvoll, unaufdringlich und doch sehr schön auf die zuweilen morbide Grundatmosphäre abgestimmt. Die verschiedenen Aufnahmetechniken, seien es nun Zeitlupen oder im Flug gedrehte Bilder, werden so eingesetzt, dass der Zuschauer informative Entdeckungen machen kann und die visuelle Gestaltung in ihrer Gesamtheit ästhetisch überzeugt. Für manche Geschmäcker mag es die eine oder andere Zeitrafferaufnahme zu viel geben, insbesondere wenn der Text gerade die mysteriöse Stimmung thematisiert. Aber auf diese Weise wird zum Beispiel auch hübsch demonstriert, wie eine Spinne ihr Netz baut. Dieser schöne Film verfügt über genügend positive Eigenschaften, um Liebhaber von Naturdokus überzeugen zu können.

Fazit: Jan Hafts Dokumentarfilm über Moorlandschaften ermöglicht interessante Tierbeobachtungen, fängt die typische geheimnisvolle Atmosphäre ein und hält eine gute Balance zwischen Information und Gefühl. Der Erzähler Axel Milberg und auch die Musikkompositionen ergänzen die überzeugende visuelle Gestaltung gut abgestimmt durch einen jeweils eigenen, aber unaufdringlichen Charakter.





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