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Der grosse Tag - Le grand jour
Der grosse Tag - Le grand jour
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Der grosse Tag - Le grand jour (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der französische Filmemacher Pascal Plisson widmet sich nach "Auf dem Weg zur Schule" aus dem Jahr 2013 erneut dem Thema des Zugangs zu Bildung und Talentförderung in weit entfernten Regionen der Welt. Die vier jungen Menschen, die er in seinem Dokumentarfilm "Der große Tag" vorstellt, stammen wie die Kinder aus dem Vorgängerfilm aus armen Verhältnissen und eher bildungsfernen Schichten in Lateinamerika, Afrika oder Asien. Sie streben eine gute Ausbildung oder eine sportliche Karriere an, die sie mangels finanzieller Unterstützung von zuhause nur durch eigenes Talent und viel Fleiß verwirklichen können.

Plisson dreht nicht nur Filme zum Thema, er engagiert sich auch als Botschafter der Stiftung "Aide et Action" für verbesserte Bildungschancen in Entwicklungsländern. In "Auf dem Weg zur Schule" stellte er dem staunenden westlichen Publikum Kinder vor, deren Schulbesuch wegen der Länge und Beschwerlichkeit des täglichen Weges schon physisch eine besondere Leistung erforderte. Zu seinem neuen Film über Schüler, die sich auf eine wichtige Prüfung vorbereiten, inspirierte ihn ein Junge, den er im Zug nach Sankt Petersburg kennen lernte. Der etwa 15-Jährige stammte aus einem kleinen sibirischen Dorf und fuhr mit seiner Geige im Gepäck zur Aufnahmeprüfung an einer großen Musikschule. Seine Familie hatte monatelang sparen müssen, um die Reise zu bezahlen. Später erfuhr Plisson, dass der Junge bestanden hatte und ein Stipendium bekam.

Auch die Geschichten von Albert, Nidhi, Tom und Deegii sind wahr und faszinierend, aber sie werden leider ziemlich laienhaft und spannungsarm erzählt. Von jungen europäischen Spitzensportlern etwa, die ebenfalls hart arbeiten und kaum Freizeit haben, unterscheidet diese Biografien vor allem die Chance eines großen sozialen Aufstiegs. Plisson hätte also umso mehr darauf achten müssen, die Porträtierten sehr lebensnah abzubilden. Das aber gelingt nicht so recht, weil er seiner schon im Vorgängerfilm praktizierten Methode nachinszenierter Dialoge treu bleibt. Geradezu standardisiert drehen sich alle der braven, hoch artifiziellen Gespräche, die Albert, Nidhi, Tom und Deegii mit Eltern, Trainern, Lehrer und Freunden führen, um ihre Leistung. Das Umfeld macht den Schülern Mut, spornt sie an. Die Wortwechsel werden trotz aller Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern monoton und austauschbar. Plisson soll gerne weiterhin Schüler aus Entwicklungsregionen vorstellen, die Unglaubliches zustande bringen. Nur muss er sich selbst dabei ein wenig mehr Mühe geben und kreativer werden.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Pascal Plisson stellt nach dem Strickmuster seines Vorgängers "Auf dem Weg zur Schule" vier junge Menschen aus Lateinamerika, Afrika und Asien vor, die sich eisern um eine gute Ausbildung und sozialen Aufstieg bemühen. Trotz lobenswerter Botschaft gelingt es dem Filmemacher diesmal nicht in befriedigendem Maße, die Porträts auch wirklich interessant und lebensnah zu gestalten.





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