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The Book of Henry
The Book of Henry
© Universal Pictures International Germany

Kritik: The Book of Henry (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In diesem Drama von Regisseur Colin Trevorrow ("Jurassic World") geht es um schlimme Dinge, aber der Erzählton ist leicht und herzlich. Im Zentrum steht die Beziehung einer liebevollen Mutter zu ihrem hochbegabten Sohn. Nach Henrys frühem Tod glaubt die Kellnerin Susan, die sich auch noch um den jüngeren Sohn Peter kümmern muss, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Doch Henry hat seiner Mutter ein Buch mit Ratschlägen hinterlassen, so dass er sie auch durch den Trauerprozess begleitet. Vor allem aber hat der Junge noch einen wichtigen Auftrag für seine Mutter, denn nun muss sie an seiner Stelle die junge Nachbarin Christina aus der Gewalt ihres Stiefvaters befreien. Und Henry weiß auch schon wie. Obwohl das Thema Kindesmissbrauch die Geschichte streckenweise in einen Krimi verwandelt, dient dieser dramaturgisch doch vor allem dazu, dass Susan noch eine Weile länger Henrys geistige Nähe spürt.

Die Dynamik der Mutter-Sohn-Beziehung ist das reizvollste Element dieses Spielfilms, der viel Wert auf einen naiv-entwaffnenden Eindruck legt. Jaeden Lieberher spielt Henry als wandelndes Lexikon und als frechen, schlagfertigen Kerl. Der Junge kann mit seiner Besserwisserei nerven, aber er ist stets bestrebt, Gutes zu tun. In der Familie verhält er sich oft erwachsener als seine Mutter. So fordert er sie einmal auf, ihr Shooter-Videospiel endlich zu beenden. Aber wenn Susan dem jüngeren Bruder abends Geschichten vorliest oder wenn sie ein Lied singt, ist Henry ganz Ohr. Nach seinem Tod fühlt sich Susan weniger erwachsen denn je. Sie muss sich neu auf sich besinnen. So bekommt diese merkwürdige und doch gelungene Mutter-Sohn-Beziehung nach Henrys Tod noch einmal eine spannende Wendung.

Naomi Watts spielt Susan mit natürlicher Wärme und Fröhlichkeit. Obwohl Susan so oft im Dialog mit Henry einen kindlichen Eindruck macht, lässt Watts keinen Zweifel daran, dass dieser Eindruck täuscht. Henrys Altklugheit bietet Anlass für humorvolle Szenen. Obwohl die Not des Mädchens nebenan mit dem nötigen Ernst geschildert wird, bestimmt sie nicht den Tonfall des Dramas. Auch mit seiner zentralen Mutter-Sohn-Geschichte will der Film zwar anrühren, aber nicht auf die Tränendrüse drücken. Das geht aber paradoxerweise auf Kosten der Substanz und der Gesamteindruck gerät, passend zu den herbstlich-warmen Farben am Set, etwas zu lieblich.

Fazit: Naomi Watts spielt in diesem anrührenden, herzlich-naiven Drama eine Mutter, die es gewöhnt ist, sich auf den Rat ihres hochbegabten Sohnes zu verlassen. Als er stirbt, muss sie diese Beziehung neu reflektieren. Trotz des traurigen Themas, das auch noch von einer Missbrauchsgeschichte im Nachbarhaus flankiert wird, drückt Regisseur Colin Trevorrow nicht auf die Tränendrüse. Mit seinem Sinn für Humor, der sich oft auf Henrys Altklugheit bezieht, bevorzugt der Film insgesamt lieber einen sanft dahinplätschernden Erzählton, der etwas gefällig anmutet.





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