VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Im Schatten der Frauen
Im Schatten der Frauen
© Schwarz-Weiss Filmverleih

Kritik: Im Schatten der Frauen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das geringe Budget von Philippe Garrels neuestem Spielfilm macht sich nicht etwa in Form eines Mangels bemerkbar, sondern stellt wieder einmal deutlich die Stärken dieses auf deutschen Leinwänden leider allzu vernachlässigten Filmemachers heraus. Äußerst konzentriert und mit minimalistisch anmutenden, aber effektiven Mitteln erzählt Garrel in "Im Schatten der Frauen" in gerade einmal 73 Minuten von der Beziehung zwischen Liebenden, in diesem Falle Mann und Frau.

In zeitlos wirkenden, grobkörnigen Schwarzweiß-Aufnahmen von Renato Berta entfaltet sich der private Kosmos der beiden Protagonisten und fasziniert von der ersten Szene an ebenso durch seine Glaubwürdigkeit wie durch seinen nachdenklichen Tonfall. Die Hauptfiguren Pierre und Manon leben ein gewöhnliches Leben, mitunter treten sie als Archetypen auf, und erscheinen durch das präzise Spiel der Darsteller dabei doch zu keinem Zeitpunkt schablonenhaft oder hölzern. Es sind ganz alltägliche Szenen, denen das Publikum hier beiwohnt und die in ihrer Zugänglichkeit nie banal sind.

Das ist nicht nur den großartigen Hauptdarstellern Clotilde Courau und Stanislas Merhar zu verdanken, sondern liegt auch an der bisweilen verspielten formalen Gestaltung sowie einem reichen Subtext: Denn Garrel reflektiert mit knappen Kommentaren aus dem Off sowie einer Nebenhandlung gekonnt das Hadern der männlichen Hauptfigur, die sich zeitweise freiwillig in Männlichkeitsklischees verstrickt, obwohl sie genau um deren Abgedroschenheit weiß. So lässt sich "Im Schatten der Frauen" durchaus als feministischer Film lesen, der Frauen nicht verklären muss, um sie als gleichberechtigt darzustellen, und sogar seinem männlichen Helden im Finale ein wunderbares Lächeln abringt.

Fazit: Philippe Garrel entwirft mit bescheidenen Mittel eine durch ihre Klarheit und Präzision bestechende Vision vom Zusammenleben von Mann und Frau. Nicht zuletzt dank der herausragenden Hauptdarsteller und Renato Bertas Bildgestaltung wird dieser zugängliche, aber niemals banale Beziehungsfilm mit feministischem Subtext zu einem Genuss.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.