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Ma Folie
Ma Folie
© Filmladen Filmverleih

Kritik: Ma Folie (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Schon zahlreiche Dramen und Thriller handelten von einer amour fou. Viele dieser Werke begnügten sich damit, von Klischees Gebrauch zu machen und eine reizlose Schema-F-Story über obsessive Liebe zu erzählen. Anderen gelang es wiederum, die Untiefen von Leidenschaft und Wahn spannungsvoll auszuloten. "Ma Folie" – das Spielfilmdebüt von Andrina Mračnikar – gehört erfreulicherweise zur zweiten Gruppe. Die 1981 in Österreich geborene Drehbuchautorin und Regisseurin arbeitet geschickt mit Genre-Elementen und erzeugt so etwas wie einen Gefühls-Horrorfilm, in welchem die Worte "Ich liebe dich" bedrohlicher wirken können als sämtliche Monster der kinematografischen Fantastik. Als große Stärke des Skripts und der Inszenierung erweist sich das Ungewisse, in dem uns Mračnikar über die letzte Kameraeinstellung hinaus lässt. Als Publikum werden wir zum Mit- und Nachdenken aufgefordert; Eindeutigkeiten bleiben aus.

In der klugen Auseinandersetzung mit Themen wie Verfolgung und Paranoia lässt sich erkennen, dass Michael Haneke ("Caché") an der Filmakademie Wien zu Mračnikars Professoren zählte. Gleichwohl wird man "Ma Folie" bei Weitem nicht gerecht, wenn man dieses einnehmende Werk auf die Berührungspunkte zum Œuvre Hanekes reduziert. So haben etwa die mit einem Smartphone aufgenommenen Videobotschaften, die der zunächst überglückliche und später äußerst zornige Yann der Protagonistin Hanna zusendet, eine ganz eigene Qualität, die von herzgewinnend-poetisch bis hin zu hochgradig verstörend reicht. Das Hollywood-Melodram "Duell in den Wolken" von Douglas Sirk kommt in diesen Mini-Filmen ebenso stimmig zum Einsatz wie Luis Buñuels surrealistisches Meisterstück "Ein andalusischer Hund".

Auch in der Schauspielführung zeigt sich Mračnikars beachtliches Talent. Alice Dwyer verkörpert Hanna als vielschichtige Figur; wir erleben diese als kompetente Therapeutin im Kinderschutzzentrum, die sich mit Einfühlungsvermögen einer traumatisierten jungen Patientin (Rayana Sidieva) nähert, sowie als verliebte Frau, die bei aller anfänglichen Schwärmerei reif und reflektiert erscheint – und doch kommen uns im weiteren Verlauf durchaus Zweifel an Hannas Wahrnehmung des Geschehens. Diese ambivalente Darstellung ist hervorragend und wird von Sabin Tambreas Aura als unberechenbarer Geliebter und mutmaßlicher Stalker perfekt unterstützt.

Fazit: Ein intelligent geschriebener sowie gekonnt umgesetzter Mix aus Liebesdrama und Psychothriller mit exzellenter Besetzung.





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