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Je suis Charlie
Je suis Charlie
© temperclayfilm production & distribution GbR

Kritik: Je suis Charlie (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Genau ein Jahr nach dem Pariser Anschlag auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo kommt der Dokumentarfilm zum Gedenken an die Toten in die deutschen Kinos. Das Vater-Sohn-Regieduo Daniel und Emmanuel Leconte machte sich bereits in den ersten Tagen nach dem Anschlag an die Arbeit und griff dabei auf Interviews aus Daniel Lecontes Dokumentarfilm von 2008 mit dem Titel "C'est dur d'être aimé par des cons" zurück. So geben ermordete Charlie-Hebdo-Karikaturisten wie Tignous, Charb oder Cabu selbst Auskunft über ihre Arbeit und ihre Motivation. Die Gefahr, in der sie schwebten, war ihnen seit dem 2005 in Dänemark begonnenen Karikaturenstreit bewusst, der auch das Magazin Charlie Hebdo erfasste. Die Menschen, die im Januar 2015 mit "Je suis Charlie"-Plakaten auf die Straße gingen, ahnten nicht, dass der islamistische Terror im November erneut und noch schrecklicher zuschlagen würde. Aber sie spürten schon damals, dass sich der religiöse Fanatismus nicht nur gegen einzelne Satiriker richtete, sondern generell gegen die Grundrechte einer freien Gesellschaft.

Wegen der Mohammed-Karikaturen erhielten die Charlie-Hebdo-Zeichner schon viele Jahre vor dem Anschlag vom Januar 2015 Morddrohungen und Hass-Mails. Der Karikaturist Charb hatte einen Leibwächter, der mit ihm am 7. Januar starb. Die eindringlichsten Szenen des Films entstehen, wenn sich die überlebenden Zeugen an das Attentat und an die ermordeten Kollegen erinnern. Vom Bedürfnis der Überlebenden, sich anzufassen, ist die Rede, vom selbst auferlegten Druck, die Ermordeten mit einer neuen, pünktlich am 14. Januar erschienenen Ausgabe des Magazins zu ehren. Die Charlie-Hebdo-Mitarbeiter empören sich aber auch über die kritischen Gegenstimmen, die nach der ersten öffentlichen Solidaritätswelle auftauchten und den ermordeten Karikaturisten vorwarfen, zu weit gegangen zu sein. Die Schriftstellerin und Philosophin Elisabeth Badinter warnt vor dem allgemeinen Reflex, den Kopf einzuziehen und sich in Zeiten der Bedrohung passiv zu verhalten. Sie spricht außerdem den Muslimen ihren Respekt aus, die sich öffentlich vom islamischen Radikalismus distanzieren.

Immer wieder fügen die Regisseure Karikaturen ein und Archivaufnahmen, in denen einige der späteren Opfer auf einer Feier singen. Der schnell gedrehte und montierte Film gilt dem Andenken der Ermordeten, so dass sein Fokus recht eng gefasst bleibt. Sein Verdienst ist es, daran zu erinnern, dass die Opfer nicht nur eine Vorliebe für die spitze Feder hatten, sondern dafür auch mutig ein hohes Risiko in Kauf nahmen.

Fazit: Der Dokumentarfilm rekapituliert den Anschlag vom 7. Januar 2015 auf das Pariser Satire-Magazin Charlie Hebdo aus der Sicht der Überlebenden und ehrt die Opfer als Verfechter der Meinungsfreiheit. Das sehenswerte Zeitdokument bleibt nahe an den betroffenen Menschen, wodurch bewegende und ausdrucksstarke Szenen entstehen.





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