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Noma - My perfect Storm
Noma - My perfect Storm
© NFP marketing & distribution

Kritik: Noma - My perfect Storm (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

René Redzepi erinnert sich bei seiner Dankesrede 2014, als das Noma wieder zum weltbesten Restaurant gekürt worden ist, dass die Köche dort anfangs belächelt wurden. "Robbenficker" habe man sie genannt, wegen der traditionellen nordischen Küche, die dort serviert wurde. 2003 eröffnet, hat das Kopenhagener Restaurant das Renommee nordischer Gerichte aber längst überall in die Welt getragen. Der Dokumentarfilmer Pierre Deschamps porträtiert den Starkoch René Redzepi und schaut ihm bei der Arbeit über die Schulter.

Wundersame Gerichte werden den Gästen im stets ausgebuchten Restaurant serviert. In Heu geräucherte Eier, Saft von Birken, Seeigel, Seetang, Blütenblätter usw. Permanent erfinden die Köche neue Speisen. Die Kreationen von Redzepi und seinen Leuten sind eine Hommage an die skandinavische Natur und ihre Produkte. Das Lokal hat Stammlieferanten für Seeigel, für Gemüse und vieles mehr. Im Laufe der Beobachtungen im Noma wird die Kamera Zeuge von Höhen und Tiefen. Redzepi ermuntert sein Team zur Kreativität, ist aber als Chef nicht immer umgänglich. Nichts entgeht seinem kritischen Blick und wenn er zornig wird, putzt er seine Köche ganz schön herunter. Ein so berühmtes Lokal zu führen, ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Der ständige Kreativitätsdruck, die hohe Arbeitsbelastung entlädt sich gelegentlich in Sinnkrisen. Eine solche rafft das Noma 2013, als eine Norovirus-Infektion im Lokal ihren Anfang nimmt, fast dahin. Doch Redzepi und seine Leute rappeln sich wieder auf – und wie! Hört man Redzepi erzählen, ist stets die Leidenschaft für das Kochen, das Kombinieren, das Ausprobieren von Geschmacksnoten zu spüren, oder eben das Künstlerische an dieser Arbeit.

Redzepi steht im Mittelpunkt des Films, mit seinen Handlungen und Ansichten. Auch seine Eltern kommen zu Wort, einige seiner Köche, Lieferanten, Weggefährten. Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen orchestrieren die Dynamik, die in dieser Küche herrscht. Ausführlich zeigt die Kamera, wie sorgfältig die Teller angerichtet werden. Sehr spannend sind die Verkostungen neuer Kreationen im Team, wenn Redzepi etwas als langweilig oder in der Konsistenz irritierend kritisiert, Ideen verworfen oder aufgegriffen und verbessert werden. Wer es nie geschafft hat, im Noma einen Tisch zu reservieren, wird hier zumindest optisch ein wenig entschädigt: Dem Film gelingt es sehr ansprechend und facettenreich, das Abenteuer Spitzengastronomie am Beispiel dieser Top-Adresse zu präsentieren.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Pierre Deschamps porträtiert den Kopenhagener Starkoch René Redzepi, der das Restaurant Noma viermal an die Spitze der kulinarischen Weltrangliste geführt hat. Die Kamera beobachtet den arbeitsintensiven Betrieb und seine Atmosphäre, spürt der Faszination für nordische Gerichte nach, von der so viel die Rede ist. Ein inspirierender, facettenreicher Film über sinnliche Kreativität und kulinarische Kunst.





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