VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott
Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott
© Concorde

Kritik: Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der britische Regisseur Stuart Hazeldine verfilmt eine Buchvorlage, die es in sich hat. William Paul Youngs Erzählung "Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott" rangierte 70 Wochen auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times. Die fantasievoll bebilderte Kinoadaption spricht vor allem ein religiöses oder spirituell interessiertes Publikum an. Der Held der Geschichte, Mack, begegnet Gott, Jesus und dem Heiligen Geist, den die Japanerin Sumire verkörpert, um den Verlust seiner Tochter zu verarbeiten. Diesen sehr ernst gemeinten Film als Erbauungskitsch abzutun, greift zu kurz. Denn er behandelt eine Grundsatzfrage, die sich viele Menschen stellen: Warum lässt Gott, wenn es ihn gibt, auf der Welt so schreckliche Dinge geschehen?

Mit Wohlfühlprogrammen und Konfrontationstherapie rücken Gott, Jesus und die Heilig-Geist-Figur Sarayu dem vereinsamten, verhärteten Mack zu Leibe. Er soll lernen, zu vergeben. Worin der Sinn und die Qualität dieses Vergebens besteht, wird sehr eindrucksvoll erklärt. Einer weiteren philosophisch interessanten Frage widmet sich der Dialog, den Mack mit der personifizierten Weisheit (Alice Braga) führt: Warum spielt sich der Mensch gerne zum Richter über Gut und Böse auf, als wäre er allwissend?

Obwohl Mack und sein Umfeld dem konservativ-christlichen Amerika angehören, in dem auch reaktionäres oder zumindest autoritäres Gedankengut gepflegt wird, setzt der Film an vielen Stellen auf Toleranz und Weltoffenheit. Octavia Spencer macht sich gut als mütterlich liebende, gütige Göttin – das einzig Störende ist, dass Mack sie mit "Papa" anredet. Auch der Heilige Geist ist eine Nicht-Weiße und Jesus wird von einem gläubigen israelischen Juden gespielt. Mack erzählte Missy vor ihrer Entführung eine religiöse Indianerlegende. Diese ethnische Vielfalt und der Vergebungsgedanke kontrastieren auf spannende Weise die alttestamentarisch eingefärbte puritanische Tradition, mit der Mack wohl aufwuchs und die ihm den gewalttätigen Vater nicht ersparte.

Hazeldine beweist Mut zu bunten, paradiesischen Bildern, lässt Mack sogar mit Jesus auf dem Wasser wandeln. Der triefende Kitsch sprengt den Rahmen dessen, was hiesige Kinogänger sonst so zu sehen bekommen. Aber in diesen Bildern spiegelt sich eben auch menschliches Wunschdenken, das simpel ist und doch den Kern der Heilung birgt. Gut möglich, dass der durchaus berührende Film Menschen Trost spendet, die einen Schicksalsschlag erlitten haben.

Fazit: Stuart Hazeldine verfilmt den gleichnamigen Bestseller von William Paul Young als buntes Therapiespektakel mit Octavia Spencer in der Rolle von "Papa" Gott. Mit der Genderthematik und ethnischen Vielfalt der Rollen plädiert das Drama für eine Horizonterweiterung gerade im christlich-weißen Milieu, dem der amerikanische Filmheld angehört. Die Argumentation, wie dieser Vater eines ermordeten Mädchens zurück zum Glauben finden kann, überzeugt mit ihrer Ernsthaftigkeit, während die Bilder enthemmten Kitsch zelebrieren.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.