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Kritik: Uns geht es gut (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Das Langfilmdebüt des deutschen Regisseurs Henri Steinmetz ist eines dieser Werke, die mehr einer Kunstperformance ähneln, als dass sie eine Geschichte im engeren Sinn erzählen. Es stellt fünf junge Protagonisten in eine merkwürdig morbide, mehr oder weniger verwaiste Umgebung, in der sie sich wie Traumwandler bewegen. Vielleicht spielen sie Erwachsensein, vielleicht machen sie sich über die Welt der Erwachsenen, die im Dahinsiechen begriffen zu sein scheint, nur lustig. Es macht ihnen Spaß, das Fremde zu inspizieren, zum Beispiel eine Villa und ihren Swimmingpool. Mit der Zeit verstärken sich schwelende Konflikte in der Gruppe, die um das einzige Mädchen und um die Frage kreisen, wer das Sagen hat.

Im Grunde haben die Fünf zwei Interessengebiete: Sex und Gewalt. Die meisten ihrer Spielchen sind davon erfüllt, die Übergänge fließend. Zwischen den Männern gibt es Eifersucht, Rivalität, aber auch homoerotische Anziehung und den Wunsch nach Freundschaft. Marie mit ihren rot geschminkten Lippen und den Stöckelschuhen gibt das naive Blondchen, das als das andere Geschlecht sowohl anziehend, als auch abstoßend wirken kann. Manchmal mischen sich diese Jugendlichen zwischen andere Menschen, die, selbst wenn sie zum Establishment gehören, eindeutig keine gute Gesellschaft sind. Als Tim offen gegen Tubbie opponiert, muss sich dieser dringend abreagieren und schlägt einen unbeteiligten Rentner in einem Exzess der Gewalt zusammen. Die widerwärtig in die Länge gezogene Szene führt ungewöhnlich schonungslos vor, wie ein Mensch zum Opfer gemacht wird.

Zum ausgeprägten Stilwillen des Films gehören die rätselhaften Dialoge ebenso wie das häufige verlorene Herumstehen der Figuren, ihr theatralisch verlangsamtes Gehabe. Einmal zerbricht ein Glas, und alle, auch die vielen Partygäste im Raum, richten ihre Blicke auf die Scherben und verharren wie eingefroren in dieser Position. Alles ist sehr bedeutungsschwanger, läuft jedoch ins Leere, weil sich die Symbolik nicht erschließen will. Die jugendlichen Protagonisten werden keine Charaktere, in die man sich einfühlen könnte. Das Ambiente schwankt optisch prunkvoll zwischen Luxus und Verfall, was vermutlich den Zustand der Wohlstandsverwahrlosung ausdrücken soll. Von ihr scheint auch der Film selbst infiziert, wenn er im Wust der Ideen und Bilder den roten Faden nicht findet.

Fazit: Die Frage, ob das Kunst ist, oder weg kann, lässt sich bei diesem bühnenhaft surrealen Drama über fünf junge Außenseiter nicht pauschal beantworten. Mit ausgeprägtem Stilwillen folgt es der von Sex und Gewalt geprägten Erlebniswelt der Charaktere, doch die unschlüssige Handlung, das häufige Schweigen und die bruchstückhaften Dialoge wollen sich nicht zu einem verständlichen Ganzen fügen.





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