VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
The True Cost - Der Preis der Mode
The True Cost - Der Preis der Mode
© Grandfilm

Kritik: The True Cost - Der Preis der Mode (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wenn die Menschen zum Beispiel in Deutschland Monat für Monat neue günstige T-Shirts und Partyklamotten kaufen, hat das globale Auswirkungen. Der Mehrkonsum drückt die Preise, vergrößert die Müllberge, intensiviert die Landwirtschaft, verdammt Millionen von Fabrikarbeiterinnen in Asien zu einem Leben in Armut und Not. Der amerikanische Dokumentarfilmer Andrew Morgan stellt das oft unreflektierte Konsumverhalten in der westlichen Welt in einen direkten Zusammenhang mit dem Elend am Anfang der Produktionskette. Sein aufrüttelnder Film besticht durch drastische Bilder und eine kluge Argumentation. Nach dem gewachsenen Problembewusstsein der Verbraucher – und einer Vielzahl entsprechender Filme – im Bereich Lebensmittel darf nun auch das Thema Mode nicht länger für eine Insel der Seligen gehalten werden.

Morgan nutzt für seinen Film das Prinzip der Globalisierung und schließt die Welt der westlichen Verbraucher mit dem Leben der Textilarbeiterinnen in Bangladesh kurz. Im unmittelbaren Vergleich der glänzenden Shoppingmeilen und der Not der Näherin Shima, die vor lauter Arbeit ihre Tochter nicht länger bei sich behalten kann, bekommen die Zahlen und die Expertenaussagen des Films ein emotionales Gesicht. Es kommen auch namhafte Designer und Labels vor, die auf eine konträre Strategie setzen und dem Kunden Qualität bieten, die sich auch in Umweltbewusstsein und fairem Handel bemessen lässt. Es erscheint durchaus plausibel, wie der Film es in seinem letzten Abschnitt nahelegt, dass die Verbraucher selbst gerade einen Wertewandel initiieren, der die Prinzipien der kapitalistischen Wirtschaft infrage stellt und grundlegend verändern wird.

Eher als die abstrakten Thesen bleiben jedoch die drastischen Einzelbeispiele in Erinnerung. Dass sich in Indien alle 30 Minuten ein Bauer umbringt, weil ihn das Saatgutmonopol in den finanziellen Ruin getrieben hat. Dass Pestizide im Baumwollanbau die Menschen unheilbar krank machen, nicht nur in Indien, sondern auch in Texas mit seiner weltweit größten Anbaufläche. Schockierend ist auch die Aussage, dass die führenden Modehäuser kein Interesse an eigenen Produktionsfabriken in Asien hätten, um für die Bedingungen dort nicht verantwortlich zu sein. Wie so viele kritische Beiträge zum ausbeuterischen Konsumverhalten des Westens ist auch dieser Film zwar sehr aufwühlend, spannend und wertvoll als Diskussionsgrundlage. Aber allein schon zum Kernthema Billigkleidung versus Nachhaltigkeit gäbe es viel mehr Informationsbedarf, der hier zugunsten einer breitgefächerten Betrachtung flachfällt.

Fazit: Der aufrüttelnde Dokumentarfilm von Andrew Morgan konfrontiert den westlichen Modekonsumenten mit drastischen Bildern und Fakten über die Not, die sein Kaufverhalten den Fabrikarbeitern in Asien aufzwingt. Das kraftvolle Plädoyer für einen Wertewandel prangert auch die industrialisierte Landwirtschaft an und rüttelt an den Grundfesten des Kapitalismus. Diese thematische Breite geht jedoch auf Kosten einer punktuellen Vertiefung.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.