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Meier Müller Schmidt
Meier Müller Schmidt
© barnsteiner-film

Kritik: Meier Müller Schmidt (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Titel dieses Spielfilms über eine Berliner Männer-WG verrät schon, dass die drei Hauptcharaktere als durchschnittliche Typen konzipiert sind. Sie genießen – mehr oder weniger – das freie Leben als junge Erwachsene in ihren Zwanzigern, die meinen, dass ihnen noch alle Wege offenstehen. Statt von Pflichten und Alltagstrott sind ihre Tage von vagen Träumen, Liebesgeschichten und dem Sammeln komischer bis skurriler Erfahrungen erfüllt. Der Regisseur und Drehbuchautor Sebastian Peterson ("Helden wie wir") verwirklichte sein Projekt, in das er viele eigene WG-Erfahrungen einfließen ließ, ohne öffentliche Filmförderung.

Julian, die Hauptperson, lebt gerne in den Tag hinein und wartet auf die Zukunft. Etwa auf den Auftraggeber für ein Drehbuch – der auch tatsächlich anruft, aber dann immer keine Zeit hat. Viele Beobachtungen aus dem echten Leben und Zeitgeistphänomene finden Eingang in diese Geschichte, die entspannt und dezent humorvoll ihre Kreise zieht. So schafft es Max beispielsweise, Kommunismus und Marketing gleichermaßen gut zu finden. Obwohl er oft auf Demos geht und "Kein Mensch ist illegal" skandiert, ist er eher hedonistisch-unbekümmert, als im alternativen Milieu beheimatet. Wie Julian träumt auch seine Freundin Eva von einer Künstlerkarriere, aber die Geschichte bleibt viel zu nahe an der Realität, um in ein glorreiches Happy-End zu münden. Doch auch das große Drama ist nicht ihre Domäne, denn dafür sind diese Biografien zu privilegiert und spannungsarm. Obwohl besonders Julian einige recht skurrile bis peinliche Sachen erlebt, hat der Film wenig Auswirkung auf den Adrenalinspiegel.

Die Frische und den Pep, die der mild unterhaltende Inhalt nicht hergibt, steuert der Inszenierungsstil bei. Die Aufnahmen wechseln von Farbe zu kurzen Schwarz-Weiß-Szenen oder solchen, die in Rot oder Blau getaucht sind. Punkige Musik – ein Lied steuerten die Beatsteaks bei -, und besinnlichere Songs betonen jeweils Tempo und Stimmung. Die subjektive, unsichere Perspektive wird oft durch einen schrägen Bildausschnitt oder eine schwankende Bildebene vermittelt. Aber der Einfall, mit gelegentlichen Texteinblendungen zu verraten, was sich die Protagonisten so denken, wirkt doch recht amateurhaft. Insgesamt ist dieser kleine Film ein zwar unterhaltsames, aber auch nachdenklich-verhaltenes Stück eines Regisseurs über ein Lebensalter, in dem die Aufbruchstimmung nicht mehr über jeden Zweifel hinwegträgt.

Fazit: Sebastian Petersons Spielfilm über drei Männer in einer Berliner Wohngemeinschaft unterhält mit treffendem Zeitgeist und profitiert von der reichen Erfahrung des Regisseurs mit dieser Lebensform. Auf stilistischer Ebene erweist sich der Film als kreativ und experimentierfreudig, während die Erzählhaltung mildes Staunen bevorzugt und weder das große Drama noch komödiantische Spritzigkeit anpeilt.





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