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Hieronymus Bosch - Schöpfer der Teufel
Hieronymus Bosch - Schöpfer der Teufel
© mindjazz pictures

Kritik: Hieronymus Bosch - Schöpfer der Teufel (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Hieronymus Bosch, der vor 500 Jahren verstorbene niederländische Maler, hat einen faszinierenden Kosmos wuselnder Mischwesen und kleiner Menschenfiguren geschaffen, die seltsame Dinge treiben. In seinen Bildern, die Albträumen oder Fieberfantasien entsprungen sein könnten, lebt das Mittelalter fröhlich weiter, allerdings scheint der Blickwinkel schon ironisch-distanziert zu sein. Als Maler des Renaissance-Zeitalters ist Bosch nicht mehr ausführender Handwerker, sondern Künstler mit selbstbewusster Autorenschaft. Seine rätselhaften Gemälde scheinen die Ängste und Dämonen des Unterbewusstseins freizulassen und zeigen doch eigentlich das ewige Dilemma des Menschen im Mittelalter: Wie soll er nur die Begierden und Laster im Zaum halten, die direkt in die Hölle führen?

Der Dokumentarfilm des Niederländers Pieter van Huystee nähert sich dem rätselhaften Künstler, über den so wenig bekannt ist, indem er ein Team von Kunsthistorikern und Restauratoren auf Forschungsreise begleitet. Sie führt unter anderem nach Madrid und Venedig, wo einige der berühmtesten Werke Boschs, wie "Der Garten der Lüste", "Die sieben Todsünden" oder das Triptychon der Heiligen Kümmernis zu finden sind. Bei letzterem Bild fördert eine Restaurierung tatsächlich Reste eines Bartes zutage, welcher dieser Märtyrerin zugeschrieben wird. Die detailreichen Bilder werden ausschnittsweise von der Kamera wie unter der Lupe betrachtet, um ihre Schönheit und ihr Mysterium wirken zu lassen. Ein Kunsthistoriker spekuliert darüber, was häufig vorkommende Motive wie Eulen und Ohren wohl für Bosch symbolisierten.

Auch wenn sich die Forscher mit den verschiedenen Museumskuratoren austauschen, zeigt sich, dass die Annäherung an den Künstler und sein Werk einem Puzzle mit vielen Unbekannten gleicht. Ob ein Bild dem Meister selbst oder einem Schüler zugeschrieben wird, bleibt oft Meinungssache, selbst wenn sie sachverständig unterfüttert wird. Manchmal aber lässt sich eindeutig nachweisen, dass das Holz eines Gemäldes von einem Baum stammt, der Bosch überlebte. Das Tauziehen um Leihgaben für die niederländische Ausstellung erlaubt auch Einblicke in die komplizierten internationalen Museums- und Kunstbeziehungen. Überhaupt erfahren die Zuschauer letztlich mehr über die kunsthistorische Praxis selbst als über Bosch und seine Werke, deren geheimnisvolle Aura in vollem Umfang gewahrt bleibt.

Fazit: Der niederländische Dokumentarfilm bietet interessante Einblicke in die Arbeit eines kunsthistorischen Forscherteams, das sich mit den Werken des vor 500 Jahren gestorbenen Malers Hieronymus Bosch befasst. Dabei nähert sich der Film aus verschiedenen Perspektiven und in enger werdenden Kreisen dem Mysterium der fantasievollen Bilder mit ihren Mischwesen an, das aber letztlich unergründlich bleibt.





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