VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Schneider vs. Bax
Schneider vs. Bax
© Neue Visionen © Pandastorm Pictures

Kritik: Schneider vs. Bax (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die skurrile Gangsterkomödie, die der holländische Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam ("Borgman") inszeniert hat, ist gespickt mit trockenem und schwarzem Humor. Im dichten Schilf eines Naturschutzgebiets machen zwei bewaffnete Männer, die einem Western entsprungen sein könnten, Jagd aufeinander. Denn ihr Chef hat beiden Auftragskillern per Telefon die Order gegeben, den anderen umzubringen. Die Geschichte spielt im Laufe eines einzigen Tages, an dem aus Sicht der beiden Kontrahenten erstaunlich viel schiefgeht. Die nicht abreißenden Komplikationen strapazieren ihre Orientierung und Improvisationskunst sehr zum Vergnügen der Zuschauer.

Schneider ist ein ordentlicher Mann. Er mag keine Überraschungen. Als ihn ein Naturschutzwächter im Schilf aufspürt, kehrt er um, um sich einen anderen Schnurrbart anzukleben. Und prompt wird er dabei Zeuge eines mörderischen Ehestreits, in den er eingreifen muss. Bax hingegen genießt das süße Leben in seinem einsamen Sommerhäuschen, bis seine depressive Tochter aufkreuzt. Sie bricht alle paar Minuten einen Streit vom Zaun und rennt dann fort, ins Schilf. Doch sie bleibt nicht die einzige Besucherin. Die aberwitzigen Zwischenfälle sorgen für konstante Spannungszufuhr und prägen mit ihrem als Ernst getarnten Humor die Atmosphäre. Wie die beiden Killer selbst weiß man nie, wie sich die Dinge noch entwickeln werden und vor allem, weshalb es für beide keinen Notausstieg zu geben scheint.

Köstlich dramatisch gestaltet sich die Beziehung zwischen dem relativ indifferenten Bax und seiner empfindlichen Tochter. Sie birgt nämlich ähnlich viel explosives Potenzial wie die von außen herannahende Gefahr. Spannend ist auch die Entwicklung, welche die Tochter in der Ausnahmesituation durchmacht und die sie von einer anderen Seite zeigt. Die flache Landschaft am Wasser, der Sumpf, in dem beim Auflauern schon mal ein Handy nass werden kann, stellen eine reizvolle Kulisse dar, die mit ihrer sommerlichen Trägheit und Ruhe das bösen Treiben fast schon höhnisch kontrastiert. Der über weite Strecken wortkarge Film schlägt vielleicht inhaltlich ein paar Volten zu viel, unterhält aber insgesamt dennoch gekonnt, ideenreich und schön schräg.

Fazit: In Alex van Warmerdams schwarzhumoriger Gangsterkomödie werden zwei Auftragskiller aufeinander angesetzt und arbeiten sich einen Tag lang an den zahlreichen Komplikationen ab, die ihre Pfade kreuzen. Die schrägen Charaktere und der trockene Witz sorgen für originelles Vergnügen, ebenso wie die kaum vorhersehbare Handlung, die in einer labyrinthischen Schilflandschaft den passenden Schauplatz findet.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.