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Kritik: Fan (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im neuen Film des mittlerweile 50-jährigen Bollywood-Schauspielers Shah Rukh Khan geht es um einen durchgeknallten Fan und damit auch generell um die heikle Beziehung eines Superstars zu seinen Verehrern. Die Doppelrolle bietet Khan die Möglichkeit, sich selbstironisch mit den Star-Allüren im Filmbusiness auseinanderzusetzen und mit dem eigenen Älterwerden. Denn einerseits spielt er den arrivierten Superstar Aryan Khanna, andererseits auch dessen rund 25 Jahre jüngeren Fan Gaurav. Unter der Regie von Maneesh Sharma entwickelt sich das Drama zum Stalking-Thriller mit stuntreichen Actionszenen.

Gaurav beherrscht auf der Open-Air-Bühne des Super-Star-Wettbewerbs all die coolen Moves und charmanten Gesten seines Idols. Aryan Khanna ist so sehr zu seinem imaginierten Alter Ego geworden, dass er sein eigenes Leben völlig nach ihm ausrichtet. Shah Rukh Khan reflektiert praktisch von beiden Seiten den Starkult – zum Beispiel, wenn in Mumbai Tausende Fans darauf warten, dass sich Aryan kurz blicken lässt und ihnen zuwinkt. Dieser Überflieger hat sogar die Macht, die Polizei herumzukommandieren – aber in dem Moment, in dem er die Gunst des Publikums verliert, ist er ein Niemand. Diese Lektion will der düpierte Gaurav seinem hochnäsigen Star erteilen, aber dabei ist er ja selbst nicht in der Lage, Grenzen zu wahren. Indem er den jungen Mann zum psychopathischen Stalker werden lässt, verpasst sich der Film bewusst eine bittere, nachdenkliche Note. Tatsächlich müssten ja der Star und seine Fans, sofern sie nicht zu Fanatikern mutieren wollen, gleichermaßen lernen, mit irgendwann unvermeidlichen Dissonanzen umzugehen: zum Beispiel, wenn Aryan im Fernsehen schon als alternder Mann bezeichnet wird und ihm ein Jungstar den Rang abzulaufen droht.

Es ist erstaunlich, wie gut die optische Verjüngungskur funktioniert, wenn Khan in die Rolle des Fans schlüpft. Überhaupt legt die Inszenierung Wert auf visuelle Effekte, auch in den rasanten Actionszenen an malerischen Schauplätzen. Aryan und Gaurav jagen sich gegenseitig, zum Beispiel in den Straßen Dubrovniks oder auf den Ziegeldächern der alten Stadt. Es gibt Fassadenklettereien in Indien und einen Aufruhr im Londoner Wachsfigurenkabinett. Nostalgie durchzieht die Actionszenen, wenn sie an alte Bondfilme und Caper-Movies erinnern. Dabei dreht die Musik mächtig auf. Musical-Einlagen fehlen zwar, nicht aber die Bollywood-typische Großzügigkeit im Umgang mit Gefühlen. Insgesamt bietet "Fan" also reichhaltige Genre-Unterhaltung mit Action und nachdenklichen Tönen.

Fazit: Bollywood-Legende Shah Rukh Khan setzt sich in einer Doppelrolle mit der zuweilen prekären symbiotischen Verbindung von Star und Fans auseinander. Er verkörpert einen jungen Stalker und dessen Schauspieler-Idol, die sich in einem actionreichen Katz- und Mausspiel verheddern, das auch außerhalb Indiens, in London und im malerischen Dubrovnik, ausgetragen wird. Tolle Schauwerte und Thrilleratmosphäre treffen auf entfesselte Gefühle und nachdenkliche Töne.





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