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Kritik: My first Lady (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der amerikanische Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle gelten als Traumpaar mit gesellschaftlicher Vorbildfunktion: Sie haben bewiesen, dass es Menschen schwarzer Hautfarbe in Amerika bis an die Spitze schaffen und sich dort Respekt und Anerkennung verdienen können. Die Obamas symbolisieren den sozialen Wandel, den Aufbruch in eine aufgeklärte Zukunft, in der keine Denkbarriere und kein Vorurteil dem Fortschritt im Weg stehen sollen. Der Regisseur Richard Tanne kombiniert in seinem Spielfilmdebüt die bekannten Eckdaten des ersten Dates von Michelle Robinson und Barack Obama im Jahr 1989 mit seiner Fantasie über die Gespräche und den Verlauf. Der ganze Film beschränkt sich in charmanter Bescheidenheit auf diesen Tag und schildert die Begegnung in einer lebensnahen Ausführlichkeit, die fast schon Echtzeitcharakter bekommt.

Michelle und Barack fühlen sich gegenseitig ziemlich intensiv auf den Zahn, so dass es an diesem Tag um viel mehr als nur ums Flirten geht. Wie wuchsen sie auf, wie denken sie über ihr Elternhaus, was wollen sie selbst erreichen? Michelle konfrontiert Barack sehr bald und sehr direkt mit seinem schwierigen Verhältnis zu seinem verstorbenen Vater. Und er spricht sie ebenso gezielt auf ihre berufliche Unzufriedenheit in der Anwaltskanzlei mit ihrem weißen Chef an. Diese große, strenge Ernsthaftigkeit, die beide an den Tag legen, hat ihre Ursache: Der Hintergrund der Rassendiskriminierung scheint in fast jedem Gesprächsthema durch. Michelle und Barack wollen es zu etwas bringen in einer Gesellschaft, in der es ihnen an erfolgreichen schwarzen Rollenvorbildern fehlt. So bildet denn auch die sozial engagierte, visionäre Rede, die Barack beim Gemeindetreffen in einem Armenviertel hält, den Höhepunkt des Films und stellt sogar den ersten Kuss in den Schatten.

Parker Sawyers besitzt in Aussehen und Gesten eine faszinierende Ähnlichkeit mit Barack Obama. Aber es hapert an der Romantik zwischen den beiden Charakteren: Weder ihre Dialoge, noch ihre Blicke lassen Funken sprühen, so dass der Film viel trockener als vermutlich beabsichtigt ausfällt. Die Verliebtheit wird letztlich durchaus sichtbar, aber der Weg dahin wirkt oft zu umständlich und holprig. So entsteht ein braves, aber thematisch gehaltvolles Boulevardstück über zwei spätere Personen der Zeitgeschichte, die sich nicht einfach dem weißen Akademikermilieu anpassen, sondern die Gesellschaft auch aus afroamerikanischer Sicht mitgestalten wollen.

Fazit: Das erste private Date von Michelle Robinson und Barack Obama im Jahr 1989 wird von Regisseur Richard Tanne als Mischung aus ernsthaften Gesprächen und zaghaften Flirts imaginiert. Die beiden jungen Juristen loten im Laufe eines Sonntags in Chicago aus, wie sie ihre Chancen als Afroamerikaner in der Gesellschaft sehen und wovon sie träumen. Der dialoglastigen Inszenierung, die sich ausführlich in den Moment vertieft, fehlt es leider an flirrender Romantik, so dass sie ihre Reize nur zögerlich offenbart.





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