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Kritik: That's It (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Gangsterdrama "That’s it" heißt im japanischen Original "Soredake". - Der Titel ist von dem gleichnamigen Song der japanischen Punkband Bloodthirsty Butchers aus dem Jahre 1999 inspiriert. Jene zeichnet sich ebenfalls für den Soundtrack von "That’s it" verantwortlich und hat innerhalb des Films einen Kurzauftritt. Mit diesem Film kehrt der japanische Regisseur Gakuryu Ishii auch filmisch zu seinen punkigen Anfängen zurück, als er noch unter dem Namen Sogo Ishii bekannt war. Unter diesem Namen schüttelte Ishii einst in den 1980er-Jahren die sich damals im kreativen Tiefschlaf befindende japanische Filmindustrie kräftig durch: Filme, wie der sich um eine Gang von mutierten Bikern drehende "Burst City" (1982), waren frühe Vorgänger des japanischen Cyberpunkt-Genres, das Shinya Tsukamoto 1989 mit dem wahnwitzigen "Testsuo: The Iron Man" erschuf.

Beide Regisseure sind für Stilmittel, wie eine hektische Kameraführung und schnelle Schnitte bekannt, wobei Shinya Tsukamoto sicherlich der technisch noch versiertere Filmemacher ist. Vielleicht deshalb verabschiedete sich Sogo Ishii kurz nach seinem furiosen "Electric Dragon 80.000 Volt" (2000) für eine Dekade von der großen Leinwand, um 2012 mit "Isn’t Anyone Alive?" mit neuem Namen und einem ungleich ruhigeren neuen Stil ins Filmgeschäft zurückzukehren. "That’s it" ist nun ein wüster Bastard, der die beiden filmischen Identitäten von Ishii wild miteinander vermengt. Das Ergebnis ist keine ausgewogene Synthese, sondern eine anarchische Kakophonie, in welcher die verschiedensten stilistischen Mittel ähnlich erbarmungslos miteinander ringen, wie die Gangster in der Geschichte.

Hierbei beginnt "That’s it" mit einem furios-punkigen Auftakt, bei dem Daikoku, nachdem er die besagte Festplatte gestohlen hat, von dem Gangster Daikichi durch die Stadt gehetzt wird. Diese Sequenz zeigt den Filmemacher, wie man ihn kannte, als er noch Sogo hieß. Einzig die Schärfe der mit einer extrem hochauflöslichen Digitalkamera aufgenommenen Schwarzweißbilder zeugt davon, dass der Film nicht in den 1980er- sondern in den 2010er-Jahren entstanden ist. In der Folge drosselt Ishii jedoch deutlich das Tempo, um zu den eher dramatischen Aspekten der Story überzugehen. Da der Inhalt des Films jedoch ähnlich chaotisch und wenig ausgearbeitet, wie das anfängliche punkige Schnitt-Massaker, ausgefallen ist, ist dies der Teil des Films, der weniger überzeugend ist.

Doch dies macht Ishii mehr als wett, als das Bild von "That’s it" in der zweiten Hälfte unverhofft zu Farbe wechselt und der Film allmählich wieder Fahrt aufnimmt. Schließlich mündet das Ganze in ein spektakuläres Finale von unübertroffener Wildheit: Hier mutiert Daikoku zu einer lebendigen Kampfmaschine und der Film zu einem so noch nie gesehenen Manga-Realfilm-Verschnitt. Aber auch dies wird noch getoppt von einer Szene, die in ihrer herrlichen Absurdität dermaßen übersteigert ist, dass jeder Liebhaber experimenteller Genrefilme nur so seine Freude hat. Spätestens an dieser Stelle kam bei der Deutschlandpremiere des Films auf der 16. Nippon Connection in Frankfurt am Main jedenfalls kräftig Stimmung auf!

Fazit: Mit "That’s it" kehrt der japanische Filmemacher Gakuryu Ishii auf gelungene Weise zu seinen anarchischen Wurzeln, als er noch Sogo Ichii hieß, zurück.





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