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Kritik: Ryuzo and his seven Henchmen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Takeshi Kitano ist ein anerkannter Autorenfilmer, der insbesondere für seine Yakuza-Filme, wie "Sonatine" (1993), "Hana-Bi" (1997) oder "Outrage" (2010) bekannt ist. In seiner Heimat war Kitano jedoch schon lange vor seiner Filmkarriere ein äußerst erfolgreicher Comedian, der bis heute unter dem Künstlernamen Beat Takeshi auftritt. Dieses Image war in seiner Heimat sogar so dominant, dass man Kitano in Japan lange Zeit nicht die Rolle eines ernsthaften Filmemachers abnehmen wollte. In seinen lakonischen Yakuza-Filmen war Humor zumeist eher unterschwellig vorhanden. Zuletzt zeigte sich Kitano mit "Outrage" und "Outrage Beyond" (2012) sogar von einer ausgesprochen grimmigen Seite.

Jetzt lässt Kitano in "Ryuzu and the Seven Henchmen", der auf der 16. Nippon Connection in Frankfurt am Main seine Deutschlandpremiere feierte, seinen oftmals dem Slapstick nahen Humor auf selbstironische Weise in sein Lieblingsgenre einfließen. Natürlich lässt Beat Takeshi es sich nehmen, auch selbst eine Nebenrolle als bereits der Rente naher Cop (mit blondiertem Haar) zu bekleiden. Auch Ryuzu und seine Mannen sind keineswegs stahlharte Kämpfer, an denen der Zahn der Zeit spurlos vorbeigegangen ist, sondern abgehalfterte und aus der Zeit gefallene Ganoven, die für ihre letzte große Mission zum Teil aus dem Pflegeheim abgehauen sind.

Es sind Typen, wie "Schnell-Zieh Mac" (Toru Shinagawa), ein alter Steve McQueen-Fan, der stets mit Lederjacke und Sonnenbrille herumläuft, und der mit ständig seinem Revolver herumfuchhtelt oder der einstige Gangsterboss Mokichi (Akira Nakao), der jetzt einen auf reichen Mann macht, dem sein Chauffeur abhanden gekommen ist, um Geld für ein angebliches Taxi zu schnorren und "Stock Ichizo" (Ben Hiura), dessen Spazierstock ein Schwert verbirgt. Mit jenem spießt Ichizo jedoch heute keine gefährlichen Gegner, sondern am Boden liegende Zigarettenstummel auf.

Entsprechend chaotisch fallen auch die meisten Aktionen von Ryuzu und seinen sieben Mannen aus. Doch sind diese Protagonisten von Kitano mit viel sichtbarer Sympathie gezeichnet. Dies bewirkt, dass man zumeist mit - und nicht über - die liebenswerte Renter-Gang lacht. Daneben spielt der Film mit typischen heutigen Generationenkonflikten, die in der Welt der Yakuza nur auf eine absurde Spitze getrieben wird. So ist Ryuzus Sohn ein typischer Vertreter einer Generation, die deutlich konservativer, als ihre Eltern ist. Nur handelt es sich bei seinem peinlichen Vater eben nicht um einen Alt-68er, sondern um einen Gangster alter Schule. Auf der anderen Seite wird die junge Gang, die Ryuzu und seine Mannen vertreiben wollen, von aalglatten Managertypen geleitet, die frei von moralischen Grundsätzen nur möglichst viel Kohle scheffeln wollen, während die alten Yakuza noch einem strengen Ehrenkodex verpflichtet sind.

Fazit: Mit dieser Yakuza-Komödie gelingt Takeshi Kitano eine schreiend komische Demontage seines Lieblingsgenres und seines Images als alter harter Knochen.





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